Uzwil erhält «städtisches Gesicht»

Verschiedene Neubauten sind in Planung. Auf dem Benninger-Areal wird eine Deindustrialisierung sichtbar.

Philipp Stutz
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Die Erneuerung der Lindenstrasse steht bevor. Unten rechts das Benninger-Areal, auf dem ein Grossprojekt umgesetzt wird.

Die Erneuerung der Lindenstrasse steht bevor. Unten rechts das Benninger-Areal, auf dem ein Grossprojekt umgesetzt wird.

Bild: Beat Schiltknecht/Imagevideo

Flächen für den Detailhandel, ein Restaurant, Dienstleistungen und Büros sowie 70 Wohnungen entstehen auf einem Teil des Areals der Firma Benninger. Ein vormals industrielles, nicht zugängliches Gelände wird Teil der neuen Kernzone von Uzwil, was durchaus als Deindustrialisierung bezeichnet werden kann. Bis es so weit ist, muss aber noch eifrig gebaut werden.

Die Migros Uzwil wird als Mieterin in die Überbauung Birkenhof auf dem Benninger-Areal einziehen. Der heutige Standort an der Neudorfstrasse ist über vierzig Jahre alt und entspricht laut dem Grossverteiler nicht mehr aktuellen Anforderungen. Was mit dieser Liegenschaft, dem ehemaligen Kaufhaus Schmid, nach dem Wegzug des Grossverteilers geschieht, steht noch nicht fest.

Nach Fertigstellung der Überbauung soll eine neue Tiefgarage mit einer grossen Anzahl an Parkplätzen entstehen. Das Investitionsvolumen für dieses Grossprojekt beträgt rund 75 Millionen Franken. Die Eröffnung ist Ende 2021 vorgesehen.

Überbauung «Harmonie» und Papeterie Schaffner

Weitere Projekte im Zentrum warten auf die Umsetzung. Visiere auf dem Gelände der ehemaligen Papeterie Schaffner, des einstigen Restaurants Harmonie und an der Konsumstrasse deuten auf Bauvorhaben hin. Auf dem Areal der «Harmonie» und zweier angrenzender Liegenschaften sollen ein fünfstöckiges Wohn- und Geschäftshaus entstehen und rund 16 Millionen Franken investiert werden. Es kann hingegen nicht so gebaut werden wie visiert. «Die Gemeinde hat das Bauvorhaben abgelehnt, der Kanton hat diesen Entscheid gestützt», gibt Uzwils Verwaltungsleiter Thomas Stricker Auskunft. Die Bauherrschaft sei nun daran, ihr Projekt zu überarbeiten.

Auch für die Überbauung der ehemaligen Papeterie Schaffner ist ein Baugesuch eingereicht worden. Hier soll ebenfalls ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Es wird voraussichtlich zusammen mit dem Sondernutzungsplan behandelt, da ein innerer Zusammenhang besteht. Der Sondernutzungsplan – Gebiet zwischen Bahnhof- und Konsumstrasse – lag öffentlich auf. Es gab Einsprachen. Sie sind in Behandlung. Absehbar ist, dass aufgrund der Einsprachen voraussichtlich Anpassungen an den Planungsinstrumenten erfolgen.

Im Weiteren ist ein Baugesuch für einen Neubau an der Konsumstrasse in Bearbeitung. «Die Chancen stehen offenbar nicht schlecht, dass es so grundsätzlich bewilligungsfähig ist», sagt Uzwils Verwaltungsleiter.

Fussgängerverbindungen von und ins Zentrum

Die Erneuerung der Lindenstrasse steht in absehbarer Zeit bevor. Hierzu hat die Bürgerschaft einen Projektierungskredit von 100000 Franken gutgeheissen. Wo liegen hier die Prioritäten, und ist die Planung nun im Gange? «Durch die Ausweitung des Zentrumsgebietes in die Lindenstrasse erhält die Strasse teils neue Funktionen», sagt Thomas Stricker. Ihr Zustand und die Anpassungen ans Grossvorhaben auf dem Benninger-Areal verlangten nach Massnahmen. Die Planung laufe, die Ingenieure seien an der Arbeit.

Die Lindenstrasse ist und bleibt eine Gemeindestrasse. Sie ist einerseits Zentrumszubringer. Und anderseits durch die Entwicklungen neu auch Teil des Zentrums. Zählungen haben beispielsweise ergeben, dass an einem regnerischen Samstag in der Spitzenstunde mehr als doppelt so viele Kundinnen und Kunden zu Fuss die Migros betraten als über Parkdeck und Tiefgarage. «Das unterstreicht die Bedeutung der Fussgängerströme im Zentrum und die Wichtigkeit guter Fussgängerverbindungen», betont Thomas Stricker.

Die Zentrumserweiterung an der Lindenstrasse dürfte mit dem Benninger-Areal nicht abgeschlossen sein, weitere Entwicklungen seien denkbar, und dies beidseits der Strasse. Entsprechend muss eine angepasste Lindenstrasse nebst ihrer Zubringerfunktion auch in der Lage sein, die Fussgängerverbindungen über die Strasse zu erleichtern. Nebenbei sind in kommenden Etappen im Benninger-Areal auch neue Fussverbindungen über die Uze vorgesehen. Auch das im Interesse attraktiver Fusswege von und ins Zentrum.

Parkplätze an der Lindenstrasse sind verlegt worden. Die Wertstoff-Sammelstelle hat ihren neuen Platz beim Bahnhof gefunden.

«So viele Parkplätze wie nie zuvor»

Vorgesehen ist, in der neuen, grossen Tiefgarage im Baugebiet Parkplätze für die Öffentlichkeit zu sichern. «Ist der Neubau im Benninger-Areal bezogen, hat’s an der Lindenstrasse so viele Parkplätze, wie es dort noch nie hatte», hält der Verwaltungsleiter fest.

Die Lindenstrasse ist mit dem Betriebs- und Gestaltungskonzept Bahnhofstrasse (BGK) verbunden. Technisch besteht die Verbindung in den Übergängen und ein Stück weit hinein in die Lindenstrasse. Darüber hinaus muss die Zentrumsgestaltung im ganzen Gebiet als Einheit ablesbar sein. Das wiederum heisst: Elemente des BGK Bahnhofstrasse wie etwa die Beleuchtung setzen sich in der Lindenstrasse fort.

Für die Bahnhofstrasse wird ein Betriebs- und Gestaltungskonzept ausgearbeitet – die öffentliche Auflage folgt.

Für die Bahnhofstrasse wird ein Betriebs- und Gestaltungskonzept ausgearbeitet – die öffentliche Auflage folgt.

Bild: Philipp Stutz

Das BGK Bahnhofstrasse liegt beim Kanton. Es ist grundsätzlich ein kantonales Projekt. Der Kanton bereitet die öffentliche Auflage vor. «Unseres Wissens soll sie in der ersten Hälfte 2020 erfolgen», sagt Stricker. BGK werden aus verschiedenen Töpfen finanziert. Das Konzept für die Bahnhofstrasse erhält für den Langsamverkehr auch Bundesgelder.