Uzwil
Der Umbau der Augartenkreuzung nützt auch der Natur: Strassenabwasser fliesst nicht mehr direkt in Weiher und Fluss

8,15 Millionen Franken kostet das Projekt des Kantons zum Umbau der Augartenkreuzung in Uzwil. Sie wird ausgebaut, um die Verkehrsströme besser bewältigen zu können. Im Betrag enthalten sind auch Massnahmen zur Aufwertung des Naturschutzgebietes.

Larissa Flammer
Merken
Drucken
Teilen

Das Abwasser der viel befahrenen Augartenkreuzung in Uzwil wird heute unbehandelt in die Glatt geleitet. Das meiste fliesst vorher durch die beiden zusammenhängenden Weiher in der hügeligen Wiese zwischen Kreuzung und Fluss. Diese Wiese ist ein Naturschutzgebiet. Die Weiher dienen als Retentionsbecken – also als Rückhaltebecken, damit bei starken Regenfällen nicht zu viel Wasser auf einmal abfliesst – und wurden künstlich angelegt.

«Strassenabwasser enthält Giftstoffe vom Pneuabrieb und von den Abgasen», sagt Jonas Barandun, der kantonale Beauftragte für Amphibienschutz. Es bindet zudem unter anderem Stickstoff, wodurch der Weiher überdüngt wird. Barandun sagt:

«Solche Retentionsgewässer werden mit der Zeit immer giftiger.»
Blick auf die Weiher im Naturschutzgebiet Augarten.

Blick auf die Weiher im Naturschutzgebiet Augarten.

Bild: Larissa Flammer (26. Februar 2021)

In den vergangenen Jahren hat deshalb ein Umdenken stattgefunden: Heute trennt man Retentionsbecken und Naturschutzgebiete sauber voneinander, wie Barandun sagt. Die heutige Entwässerung des Augartenknotens entspricht weitgehend nicht mehr den technischen und gesetzlichen Anforderungen. Im Projekt zum Umbau der Kreuzung ist deshalb auch eine neue Entwässerung geplant. Jonas Barandun hat den Kanton bei der Erarbeitung des Projekts beraten.

Das ist für die Kreuzung vorgesehen

Die Politik beschäftigt sich seit Jahren mit dem Verkehrschaos in Uzwil, nun geht es vorwärts. Drei aufeinander abgestimmte Projekte sind in Planung. Das Bundesamt für Strassen wird voraussichtlich zwischen Mitte 2022 und Ende 2023 den Autobahnanschluss instand setzen. Der Kanton St.Gallen wird 2024 mit der Projektierung für den Umbau des Knotens Sonnental beginnen. Priorität hat aber der Knoten Augarten. Bereits im April wird der Kantonsrat über den Kredit für den Umbau abstimmen. Diese Woche beendete die vorberatende Kommission ihre Arbeit.

Das Projekt sieht vor, das Angebot für den motorisierten Individualverkehr und den Veloverkehr zu erweitern. Dazu werden im Bereich des Knotens zusätzliche Spuren erstellt und die bestehenden Fahrspuren verlängert. Die Kreuzung wird weiterhin über eine Lichtsignalanlage gesteuert, die auf die angrenzenden Knoten abgestimmt und bedarfsorientiert geschaltet werden kann. Die Veloführung wird mit Radstreifen ergänzt. Durch die Kapazitätserhöhung und die Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs mittels Voranmeldung beim Lichtsignal kann die Fahrplanstabilität der Buslinien entlang der Bahnhofsstrasse verbessert werden. Mit diesen Massnahmen soll der Betrieb des Knotens über das Jahr 2030 hinaus gewährleistet werden.

Insgesamt werden für das Projekt 8,15 Millionen Franken budgetiert. 250'000 Franken davon gehen zu Lasten der Gemeinde Uzwil, der Rest zu Lasten des Kantons. Voraussichtlich wird jedoch auch der Bund noch einen Beitrag sprechen.

Auf der Wiese wird eine Anlage gebaut

Im Rahmen des Umbaus der Kreuzung soll auch eine Strassenabwasserbehandlungsanlage (Saba) gebaut werden. Dort wird das verschmutzte Strassenabwasser künftig gereinigt und erst danach in die Glatt geleitet. Der Standort für die neue Anlage wurde in enger Begleitung mit verschiedenen kantonalen Ämtern festgelegt: Die Saba wird im Naturschutzgebiet zwischen Weiher und Fluss gebaut.

Die Saba wird zwischen Weiher und Fluss gebaut.

Die Saba wird zwischen Weiher und Fluss gebaut.

Weil durch den Bau das Naturschutzgebiet beeinträchtigt wird, wurden zusammen mit dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei Ersatzmassnahmen geplant. Der Botschaft der Kantonsregierung zum Projekt ist zu entnehmen, dass die Sohl- und Schlammablagerungen entsorgt und die Weiher neu abgedichtet werden sollen. Durch gezielte Geländeanpassungen sollen rietähnliche Wiesenbestände herbeigeführt werden. Die Bepflanzung wird aus standortgerechten Ufer- und Feldgehölzen bestehen.

Der Hauptpunkt ist aber die ökologische Aufwertung der Weiher durch die Tatsache, dass danach keine Giftstoffe von der Kreuzung mehr hinein gelangen. Barandun sagt:

«Jetzt ist das Gewässer praktisch bedeutungslos.»
Jonas Barandun.

Jonas Barandun.

Bild: Ralph Ribi

Er ist zuversichtlich, was die geplanten Massnahmen angeht. Verschiedene Libellenarten und zwei, drei Amphibien, die heute schon im Augarten vorkommen, würden sich im aufgewerteten Gebiet wohlfühlen. «Man kann nicht hoffen, dass sich dort seltene Arten ansiedeln», sagt der Beauftragte für Amphibienschutz. Dafür sei das Naturschutzgebiet zwischen den viel befahrenen Strassen nicht ausgelegt. Bei grösseren Amphibien würde die Gefahr bestehen, überfahren zu werden. «Es soll ein ruhiger Ort sein, wo Pflanzen und Insekten gut gedeihen.»

Die Weiher liegen zwischen der Westumfahrung (links) und der Bahnhofstrasse (rechts).

Die Weiher liegen zwischen der Westumfahrung (links) und der Bahnhofstrasse (rechts).

Bild: Larissa Flammer

Gemeinde pflegt das Naturschutzgebiet

Besitzerin des Naturschutzgebiets ist die Gemeinde Uzwil. Christoph Paly, Bereichsleiter Bau, sagt: «Die Massnahmen sind sicher in unserem Sinn.» Die Gemeinde sei bestrebt, die Wasserqualität der Weiher zu verbessern. Man überlege sich noch, künftig sauberes Wasser von anderswo in die Weiher zu leiten. Denn wenn der Zufluss von der Kreuzung wegfalle, sei das Wasser in den Weihern nur noch wenig in Bewegung.

Die Pflege des Naturschutzgebiets übernimmt die Gemeinde selber. Paly sagt aber: «Wir halten die Eingriffe klein.» Die Magerwiese wird maximal zweimal pro Jahr gemäht, die Ränder etwas häufiger. «Zu Beginn mussten wir Neophyten ausrupfen, die haben wir jetzt aber im Griff», sagt der Bereichsleiter Bau. Auch die Weiden werden regelmässig zurückgeschnitten. Das Naturschutzgebiet ist frei zugänglich, viele Spaziergänger würden es aber nicht besuchen, sagt Paly.

«Der Natur tut es gut, dass es nicht so viele Menschen dort hat.»