Wird Uzwil zum Abfalleimer
des Fürstenlands?

Gemeindevertreter, Planer, Experten: Die Initianten des regionalen ARA-Projekts in Niederuzwil traten mit schlagkräftiger Präsenz und überzeugenden Argumenten vor die Anstösser. Opposition gab es gleichwohl.

Andrea Häusler
Drucken
Teilen
Die ARA in Niederuzwil, letztmals in den 1990er-Jahren umgebaut, müsste in den nächsten Jahren ohnehin saniert werden.(Bild: Andrea Häusler)

Die ARA in Niederuzwil, letztmals in den 1990er-Jahren umgebaut, müsste in den nächsten Jahren ohnehin saniert werden.(Bild: Andrea Häusler)


Von den 17 ARA im Einzugsgebiet der Thur weisen zehn einen Sanierungsbedarf auf. Vordringlich ist dieser in der Stadt Wil, wo der Einbau einer vierten Reinigungsstube zum Herauslösen von Mikroverunreinigungen zwingend ist, weil deren geklärtes Abwasser über zehn Prozent der Wassermenge bei Niedrigwasser der Thur liegt. So will es das Gesetz.

Alleingang oder Zusammenschluss? Wil, Jonschwil, Zuzwil und Uzwil haben sich aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und aus ökologischen Überlegungen auf eine regionale Lösung auf dem bestehenden Areal der ARA in Niederuzwil verständigt. Dem Entscheid war eine zweijährige Abklärungsphase der eingesetzten Lenkungsgruppe der «Planungsgemeinschaft ARA Region Wil-Uzwil» vorausgegangen.

Unliebsames nach Niederuzwi

Am Montagabend ging es darum, den Puls der Anstösser zu fühlen. Und der schlägt bei Einigen ordentlich hoch. Sie befürchten Verkehr, Geruchs- und Lärmemissionen und als Folge dessen eine Entwertung ihrer Liegenschaften. Uzwil wolle alles Unliebsame nach Niederuzwil abschieben, musste sich Gemeindepräsident Lucas Keel vorwerfen lassen. Und ein Anwohner monierte: «Wir haben die stinkende Grastrockni, die Gewürzmühle und die ganzen Industriebetriebe: «Sollen wir zum Abfallkübel des Fürstenlands werden?» Herisau habe ihre Anlage im Alleingang saniert, sagte er weiter und forderte Selbiges von Uzwil.

«Wir haben mehrere Varianten geprüft», sagte Michael Eugster, Leiter des Kantonalen Amtes für Wasser und Energie. «Der Alleingang wäre teurer.» Konkrete Zahlen konnte er jedoch nicht nennen, sichert aber zu, die Kosten abzuklären. Obwohl Lucas Keel hinter der regionalen Lösung steht, machte er klar, dass diese allen Gemeinden einen Vorteil bringen müsse. «Und für Uzwil erwarten wir einen Statusgewinn», sagte er. Geruchsemissionen hingegen würden nicht toleriert. Joachim Rutz, Planer bei der TBF+Partner AG, doppelte nach: «Geruchsintensive Bereiche werden luftdicht eingepackt.» Die Anregung aus dem Publikum, eine geschlossene Anlage zu prüfen, versprach er mitzunehmen.

Tatsächlich können noch Anliegen in das Projekt einfliessen. Denn man steht ganz am Anfang. Der Zeitraum, in dem das Konzept und gemeinsamer Wille der Kommunen in ein Projekt überführt werden, dürfte bis 2021 dauern. Die Kosten von rund zwei Millionen Franken zahlen vier Gemeinden. Letztlich muss in allen Gemeinden über den Baukredit abgestimmt werden. Und was, wenn ein Partner Nein sagt? «Dann ist das Vorhaben gescheitert», sagte Lucas Keel.

Aktivkohle oder Ozon? Noch sind viele Fragen offen

Derzeit ist noch vieles unklar: die Definition der Organisation, Finanzierung und Trägerschaft (Zweckverband?), der Verlauf der zu bauenden Zulaufwerke und Pumpen, das Reinigungsverfahren (Aktivkohle oder Ozon) sowie die Zukunft der bestehenden ARA in Wil, Schwarzenbach und Zuzwil. Ein grosses Fragezeichen steht ausserdem hinter den Bau- und Betriebskosten beziehungsweise den Kosten pro Kubikmeter gereinigtem Abwasser. Wobei der Bau der vierten Reinigungsstufe zu 75 Prozent vom Bund finanziert wird.

Unstrittig ist hingegen die Eignung Niederuzwils als Standort. Auch aus technischen Gründen, wie Joachim Rutz erläuterte. Aufgrund der Lage sei der Pumpaufwand gering, verschiedene Anlagenteile könnten weiter genutzt werden und es bestehe Potenzial für die Nutzung von Biogas. Ausserdem sei für den Ausbau keine Umzonung nötig.