UZWIL: Bescheidenheit als Schwäche

Wil und Umgebung als Wirtschafts- oder Schlafregion? Unter diesem Titel diskutierten am Mittwochabend bei der Firma Bühler zwei Regierungsräte. Sie demonstrierten dabei interkantonale Geschlossenheit.

Simon Dudle
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Einigkeit über die Kantonsgrenzen hinaus: Die Regierungsräte Walter Schönholzer (TG) und Marc Mächler (SG). (Bild: Simon Dudle)

Einigkeit über die Kantonsgrenzen hinaus: Die Regierungsräte Walter Schönholzer (TG) und Marc Mächler (SG). (Bild: Simon Dudle)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Mit Wil West und dem Aggloprogramm ist es so eine Sache. Mit einem Investitionsvolumen von 132 Millionen Franken handelt es sich um ein Monsterprojekt, doch in die Köpfe der breiten Öffentlichkeit will es einfach nicht so recht. Doch woran liegt es? Es war eine jener Fragen, worüber im Auditorium der Firma Bühler am Mittwochabend engagiert diskutiert wurde. Gegen Ende des gut 90-minütigen Anlasses klopfte der Zuzwiler FDP-Regierungsrat Marc Mächler auf den vor ihn stehenden Tisch und sagte: «Wenn wir Ostschweizer eine Schwäche haben, dann ist es die Bescheidenheit. Wir bieten alles, müssten es aber nach aussen tragen. Da gibt es Verbesserungspotenzial.» Bereits zuvor hatte er das Aggloprogramm dritter Generation, mit welchem beim Bund Millionen an Unterstützungsgeldern für Infrastrukturprojekte geholt werden können, als «Flaggschiff» bezeichnet.

In eine ähnliche Kerbe schlug auch der Thurgauer FDP-Regierungsrat Walter Schönholzer, der in Neukirch an der Thur nur rund 700 Meter von der St. Galler Kantonsgrenze entfernt aufgewachsen ist. Er bezeichnete die Region Wil aus Thurgauer Optik als «sehr gut verankert, äusserst aktiv und attraktiv». Beim von der Region Wil organisierten Anlass stellten die beiden vor allem eines unter Beweis: Geschlossenheit über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinweg.

In der Zentralschweiz bereits Tatsache

Dies wiederum beeindruckte Regula Hürlimann, die als Präsidentin des Vereins Wirtschaftsraum Region Zug West die Reise nach Uzwil angetreten hatte. Sie steht in der Zentralschweiz einem Verein mit 700 Mitgliedern vor, der in den vergangenen Jahren einen Gegenpol zur Stadt Zug geschaffen hat. Hürlimann berichtete, dass bei der Lancierung des Projekts im Jahr 2008 der Kanton zuerst argwöhnisch gewesen sei und die Räte der beteiligten Gemeinden Cham, Hünenberg, Rotkreuz und Steinhausen hätten überzeugt werden müssen, ehe Steinhausen später wieder ausgetreten sei. Für die Gemeindepräsidentin von Hünenberg war Uzwil Neuland, was zeigte, wie viel Potenzial beim Auftritt gegen aussen noch besteht. Dies bestätigte auch Gastgeber Christof Oswald, der bei der international tätigen Firma Bühler Personalchef ist. Er kann nicht verstehen, dass es überhaupt Gemeinde- und Kantonsgrenzen gibt und sagte: «Wir müssen als starke Ostschweiz hinstehen und nicht als kleine Region. Wir wollen innovativ sein und brauchen die besten Leute hier.»

Stausituation fast wie in Zürich

Eine gute Aussensicht brachte Donato Scognamiglio in die Diskussion ein. Er ist mit der Firma IAZI CIFI mitunter für das Gemeinderating verantwortlich, in welchem in der «Weltwoche» jedes Jahr die mehr als 900 Schweizer Gemeinden mit über 2000 Einwohnern untereinander verglichen werden. Dabei fällt auf, dass es keine der 22 Kommunen der Regio Wil in die Top-100 schafft. Zum Thema «Wil West» sagte Scognamiglio, dass ihn der Name nicht fasziniert habe. «Es gibt schon so manches West in der Schweiz. Da wusste ich zu Beginn nicht, was ich angreife.» Wie Oswald kam auch er zum Schluss, dass gute Arbeitsplätze zentral sind: «Die Abfolge im Leben ist immer: arbeiten, essen. schlafen. Der Haupthebel sind gute Arbeitsplätze.» Die Region Wil ist aus seiner Sicht ein «Dienstleistungs-Turbo». Es seien in den vergangenen Jahren mehr Firmen gegründet worden als in Zürich. Der Fokus liege auf dem Dienstleistungsbereich und immer weniger auf der Landwirtschaft. «Es ist relativ günstig bei euch und man kann noch Geld verdienen. Die Stausituation ist aber fast schon wie in Zürich», sagte Scognamiglio.

Alles in allem brachten es die Worte, mit welchen Regio-Wil-Präsident Guido Grütter den Abend eröffnet hatte, auf dem Punkt: «Wir haben Nachholbedarf bei der Stärkung unseres Selbstbewusstseins. Wenn wir sämtliche Kräfte aus Politik und Wirtschaft bündeln, dann können wir uns behaupten.»