Uzwil als Zentrum positionieren

Am 15. Mai wird der Nachfolger von Gemeindepräsident Werner Walser bestimmt. Die Freisinnigen wollen das wichtigste Mandat in der Gemeinde verteidigen und haben den Bankfachmann und Gemeinderat Ruedi Müller ins Rennen geschickt.

Drucken
Teilen
Ruedi Müller: «Ich wäre ein schlechter Gemeindepräsident, wenn ich nicht einen attraktiven Steuerfuss zum Ziel hätte.» (Bild: stu.)

Ruedi Müller: «Ich wäre ein schlechter Gemeindepräsident, wenn ich nicht einen attraktiven Steuerfuss zum Ziel hätte.» (Bild: stu.)

Dass dem Gemeindepräsidenten auch nach der Neuorganisation die Finanzen unterstehen, scheint Ihnen entgegenzukommen, obwohl die Gemeindefinanzen sich von jenen der Privatwirtschaft unterscheiden?

Müller: Ich war während zwölf Jahren für die Finanzen der Evangelischen Kirchgemeinde Niederuzwil verantwortlich und habe entsprechend Erfahrungen mit Zahlen der öffentlichen Hand.

Zur Attraktivität einer Gemeinde zählt der Steuerfuss. Welche Politik möchten Sie diesbezüglich verfolgen?

Müller: Ich wäre ein schlechter Gemeindepräsident, wenn ich nicht einen attraktiven Steuerfuss zum Ziel hätte.

Was heisst das?

Müller: Es wird für mich wichtig sein, eine Reduktion des Steuerfusses anzustreben. Die Ausgaben müssen in einem vernünftigen Rahmen bleiben, damit Uzwil nicht in eine neue, zu hohe Verschuldung gerät. Klar ist auch, dass wir uns aufgrund der Steuerkraft nie mit steuergünstigen Gemeinden wie etwa Zuzwil vergleichen können. Es besteht viel Wunschdenken. Doch wir müssen realistisch bleiben und das Wünschbare in vernünftigen Rahmen setzen.

Uzwil wird im Kanton, obwohl fünftgrösste Gemeinde, zu wenig wahrgenommen. Ist hier Standort-Marketing gefragt?

Müller: Uzwil kann sich als starkes regionales Zentrum zwischen Gossau und Wil positionieren. Dabei müssen umliegende Gemeinden mit einbezogen werden und am gleichen Strick ziehen. Im Agglomerationsprogramm Wil sind Uzwil und die Äbtestadt explizit als Zentren erwähnt. Wil hat eine Ausstrahlung auf den Südthurgau mit dem Autobahnanschluss Wil-West. Uzwil gilt als Verkehrsknotenpunkt der Gemeinden ausserhalb Wils.

Muss die regionale Zusammenarbeit unter den Gemeinden noch verstärkt werden?

Müller: Das ist mir ein wichtiges Anliegen. Gemeindepräsidenten sollten untereinander das Gespräch suchen, und das regelmässig. Es ist zum Beispiel schade, dass sich nicht direkt betroffene Gemeinden bereits wieder negativ zum Agglomerationsprogramm äussern.

Was halten Sie von der Abgeltung zentralörtlicher Leistungen, zum Beispiel im Bereich Sportanlagen und öffentlicher Verkehr?

Müller: Der Bahnhof Uzwil tangiert auch die umliegenden Gemeinden. Ich bin deshalb klar der Meinung, dass zum Beispiel für einen Bahnhofausbau auch die Nachbargemeinden mit einbezogen werden müssen. Im sportlichen Bereich gilt es auszuloten, was wo angeboten wird, und dann ist nach einem Verteilschlüssel zu suchen. Die Entscheidungshoheit muss aber bei der Standortgemeinde bleiben.

Was halten Sie von der Aufwertung der Zentren in Uzwil, Niederuzwil und Henau?

Müller: Die Aufwertung der Zentren gehört zum Standort-Marketing. Wir haben mit der gemeinsamen Erarbeitung der Zentrumsgestaltung eine gute, zukunftsorientierte Basis geschaffen. Diese wird auch von den mit einbezogenen Gruppierungen unterstützt. Wir haben ein Grundsatzpapier erarbeitet. Nun folgt die Detailplanung, in der weitere Ideen und Optimierungen hinzukommen. Die Umsetzung erfolgt je nach finanziellen Möglichkeiten und Prioritäten. Ich freue mich auf diese Herausforderungen.

Wie verhält es sich mit der Auftragsvergabe der öffentlichen Hand?

Müller: Einerseits gibt es Submissionsbestimmungen, die nicht beeinflusst werden können. Anderseits haben wir die Möglichkeit, bei der freien Ausschreibung ausschliesslich das einheimische Gewerbe einzuladen. Selbstverständlich gilt auch für die Gemeinde, dass sie die Aufträge zu bestmöglichen Konditionen vergeben muss. Dazu sind wir dem Bürger gegenüber verpflichtet. Das einheimische Gewerbe soll jedoch von einem gewissen «Bonus» im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten profitieren können.

Wie nötig ist eine zentralisierte Gemeindeverwaltung?

Müller: Die räumlichen Verhältnisse sind zurzeit unbefriedigend. Es besteht klar Handlungsbedarf. Mit einer zentralisierten Verwaltung werden wir unter anderen den Ansprüchen der Kunden, der Sicherheit und den Arbeitsplätzen gerecht, und wir gewinnen an Effizienz. Das Projekt ist bestimmt. Nun folgen die nächsten Schritte.

Bietet der geplante Neubau auch Platz für eine fusionierte Gemeindeverwaltung Uzwil-Oberuzwil?

Müller: Wenn gebaut wird, muss die Zukunft geplant werden, das heisst für eine Bevölkerung von etwa 15 000 bis 20 000 Einwohnern. Der Standort ist auch zentral im Hinblick auf eine mögliche Fusion.

Apropos Fusion: Wie ist Ihre Meinung dazu?

Müller: Vorerst ist es wichtig, die regionale Zusammenarbeit weiter zu stärken. Dies kann zu einer Fusion führen, die ich selbstverständlich unterstütze. Voraussetzung ist jedoch, dass beide Dörfer bzw. deren Bevölkerung sich positiv dazu einstellen. Der Input muss von der Basis her kommen. Man kann niemanden zu einer Fusion zwingen.

Auf welche Art wollen Sie Bürgernähe beweisen?

Müller: Ich arbeite seit 30 Jahren in einem Dienstleistungsbetrieb. Bin mich gewohnt, mit Kunden zu sprechen und deren Bedürfnisse abzuklären. Da der Präsident mit der neuen Gemeindeorganisation von sehr guten Chefbeamten unterstützt wird und somit von eigentlichen Verwaltungsaufgaben entlastet ist, werden Bedürfnisabklärungen bei Bürgern, Wirtschafts- und Interessenvertretern und Investoren einen wichtigen Teil meiner Arbeit einnehmen. Ich will auch regelmässig Bürgerinnen und Bürger zum Gespräch empfangen.

Was halten Sie von der «Verdichtung nach innen», die bei der fortschreitenden Zersiedelung ins Feld geführt wird?

Müller: Ein wichtiger Grundsatz, der auch in Uzwil möglich ist. Zum Beispiel auf der Högger-Wiese oder rund um den Uzwiler Tennisplatz.

Was kann getan werden, um dem Label «Energiestadt» noch vermehrt gerecht zu werden?

Müller: Einerseits muss die Gemeinde als Vorbild dienen. Das tun wir bei öffentlichen Bauten, wo der Minergie-Standard zum Tragen kommt. Hinzu kommen Energieberatung und Förderbeiträge. Im Übrigen denke ich an weitere Aktionen wie jene der Duschebrausen. Sie ermuntern die Bevölkerung, ihren Beitrag zu leisten.

Uzwil kennt kaum Traditionen, ist kulturell eher ein «hölzerner Boden». Welche Impulse könnten in diesem Bereich gesetzt werden?

Müller: Als klassische Industriegemeinde kommt dies nicht von ungefähr. Das kulturelle Leben ist aber nicht so schlecht in Uzwil. Ich denke da an die vielen Vereine. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die in diesem Jahr gestarteten Veranstaltungen «Gas gibt Kultur» weitergeführt werden, sofern die Nachfrage weiterhin derart gross ist.

Interview: Philipp Stutz

Aktuelle Nachrichten