US-Botschafterin Suzan LeVine am BZWU

UZWIL. Die USA zeigen grosses Interesse am dualen Berufsbildungssystem. Nachdem vergangenes Jahr Jill Biden, Ehefrau von US-Vizepräsident Joe Biden, bei Bühler in Uzwil zu Gast war, besuchte nun US-Botschafterin Suzan LeVine das BZWU.

Drucken
Teilen
Hoher Besuch in Uzwil: Vorne von links Regierungsrat Stefan Kölliker mit US-Botschafterin Suzan LeVine, Prorektor Felix Tschirky, Rektor Marco Frauchiger, Prorektor Urs Thoma, hinten Rolf Cavelti, Internationales Bildungsmanagement Bühler AG, Polymechaniker-Lernende im 4. Lehrjahr. (Bild: pd)

Hoher Besuch in Uzwil: Vorne von links Regierungsrat Stefan Kölliker mit US-Botschafterin Suzan LeVine, Prorektor Felix Tschirky, Rektor Marco Frauchiger, Prorektor Urs Thoma, hinten Rolf Cavelti, Internationales Bildungsmanagement Bühler AG, Polymechaniker-Lernende im 4. Lehrjahr. (Bild: pd)

Marco Frauchiger, Rektor des Berufs- und Weiterbildungszentrums Wil-Uzwil (BZWU), präsentierte der Botschafterin die Vorzüge des dualen Berufsbildungssystems und strich heraus, dass die hohe Ausbildungsbereitschaft der Wirtschaft ein tragendes Element für das Gelingen dieses Bildungssystems sei. Die frühe gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration der Jugendlichen sowie die hohe Bedarfsorientierung hätten zur Folge, dass in der Schweiz weniger soziale Missstände sowie Jugendarbeitslosigkeit bestünden.

«Eierlegende Wollmilchsau»

Die Wirtschaft legt die Inhalte fest, der Staat kontrolliert deren Einhaltung. Ein effizientes System, das erst noch viel weniger Kosten als eine schulische Vollzeitausbildung verursacht. Suzan LeVine war sehr interessiert, zu erfahren, wie die komplexen Abläufe funktionieren. Dies vor dem Hintergrund, dass drei Bildungspartner gemeinsam und gleichzeitig die Kompetenzen der Lernenden entwickeln. Frauchiger betonte, dass die Betreuung der Schnittstellen zwischen den Bildungspartnern eine grosse Herausforderung darstelle. Die intensive Zusammenarbeit verspreche jedoch höchste Bildungseffizienz. Der Rektor erklärte die Ganzheitlichkeit der beruflichen Ausbildung mit dem Bild der «eierlegenden Wollmilchsau». Suzan LeVine ist überzeugt, das Schweizer Berufsbildungssystem könne die geeignete Antwort auf die rund fünf Millionen nicht besetzten Arbeitsplätze in den USA sein.

Praxisnaher Unterricht

Prorektor Urs Thoma legte dar, welche Zielsetzungen der schulische Teil der Berufsbildung verfolgt. Fundierte Berufskenntnisse, eine breite Allgemeinbildung sowie die intensive Schulung von Methoden-, Sozial- und Lebenskompetenzen stehen im Zentrum des Berufsfachschulunterrichts. Die Lerninhalte müssen aktuell, praxisnah und in der Lebenswelt der Jugendlichen erarbeitet werden. Das BZWU bewirtschaftet zu diesem Zweck für jedes Berufsfeld entsprechende Praxisräume. Die Motivation und der Spass am Lernen werden damit aktiv gefördert.

Höhere Berufsbildung

Dass man in der Schweiz die Mitarbeiter des mittleren Kaders schwergewichtig mit Lehrgängen in der höheren Berufsbildung (Berufsprüfung, eidgenössische Fachausweise und höhere Fachschule) für ihre Aufgabe fit macht, hat Suzan LeVine besonders beeindruckt. Anstelle eines Studiums eine praxisnahe Weiterbildung parallel zur Arbeitsstelle wahrzunehmen, bezeichnet die Botschafterin als besonders bemerkenswert. Als Ingenieurin hätte sie sich diesen Praxis- und engen Wirtschaftsbezug gewünscht.

Class Unlimited

Im «grössten» Schulzimmer der Welt – ein Kooperationsprojekt mit der Bühler AG – tauschte sich die Botschafterin gleichzeitig mit Lernenden der Bühler AG, die mehrere Monate ihre Lehre in China und den USA absolvieren, sowie mit der Stammklasse in Uzwil aus. Die Lektion befasste sich mit den unterschiedlichen Demokratieverständnissen der drei Länder. Die Lernenden berichteten über ihre Beobachtungen in diesem Bereich. Suzan LeVine zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt und den Chancen dieses interkontinentalen Unterrichts.

Suzan LeVine war engagierte Wahlkampfhelferin von Präsident Barack Obama und wird in politischen Kreisen hoch gehandelt. Sie ist seit eineinhalb Jahren Botschafterin für die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein. (pd)