Urlaub, Digitalisierung und Frühförderung: Das beschäftigt die Kandidierenden des Uzwiler Schulrats und des Schulpräsidiums

Die Kandidierenden für den Schulrat und deren Präsidium stellten sich am Freitagabend der Uzwiler Bevölkerung vor. Angesprochen wurden unter anderem die Themen Digitalisierung und Frühförderung. Auch die Urlaubsregelung wurde aus dem Publikum nochmals angestossen.

Dinah Hauser
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Sieben Kandidierende stellten sich am Freitagabend vor (von links): Giancarlo Tiber (CVP, Schulrat, neu), Marion Harzemnoser (Bündnis Uzwil, Schulratspräsidium, neu), Michaela Uhler-Huber (FDP, Schulrat, neu), Hedina Jordi (SVP, Schulrat, neu), Reto Wild (CVP, Schulrat, neu), Ramona Zahner (SP, Schulrat, neu), Daniel Wyder (SP, Schulratspräsidium, bisher).

Sieben Kandidierende stellten sich am Freitagabend vor (von links): Giancarlo Tiber (CVP, Schulrat, neu), Marion Harzemnoser (Bündnis Uzwil, Schulratspräsidium, neu), Michaela Uhler-Huber (FDP, Schulrat, neu), Hedina Jordi (SVP, Schulrat, neu), Reto Wild (CVP, Schulrat, neu), Ramona Zahner (SP, Schulrat, neu), Daniel Wyder (SP, Schulratspräsidium, bisher).

Bild: Dinah Hauser (Uzwil, 11. September 2020)

Das Interesse der Uzwiler Bevölkerung an der überparteilichen Podiumsdiskussion zum Thema Bildung am Freitagabend ist gross, steht doch eine Gesamterneuerung des Schulrates sowie eine Kampfwahl um das Präsidium bevor. Moderator Johannes Gunzenreiner, Prorektor ad interim der Pädagogischen Hochschule St.Gallen, ist denn auch etwas neidisch, denn in seiner Wohngemeinde Oberuzwil gibt es keinen Wahlkampf.

Der Bevölkerung eine Wahl bieten, ist denn auch die Motivation von Präsidiumskandidatin Marion Harzenmoser (Bündnis Uzwil). Für sie ist klar: Lehrer wie Kinder sollen gerne zur Schule gehen. Für einen attraktiven Schulraum müsse man einen Mittelweg zwischen Standardisierung und Individualisierung finden. Für Ramona Zahner (SP) soll der Fokus vor allem bei den Stärken und Erfolgserlebnissen liegen.

«Braucht es Noten?»

So die Frage, die Gunzenreiner in die Runde wirft. Der Konsens ist: Ja, es braucht eine gewisse Form von Bewertung. Während der amtierende Schulratspräsident Daniel Wyder (SP) die neu eingeführten Jahresnoten zusammen mit den Elterngesprächen auf der Primarstufe als gutes System bezeichnet, sieht Reto Wild (CVP) Vorteile, die Kompetenzen zu bewerten. «Das funktioniert aber nur, wenn das System transparent ist und der Bewerter das Instrument richtig anwendet.»

Digitalisierung soll kein Fremdkörper sein

Auch die Digitalisierung wurde viel diskutiert. Michaela Uhler-Huber (FDP) stellt fest:

«Die Digitalisierung ist immer noch ein Fremdkörper bei Eltern, Lehrern und Schülern.»

Das Thema müsse besser integriert und das Gewerbe miteinbezogen werden. Auch Giancarlo Tiberi (CVP) ist der Meinung, dass eine gute Ausbildung im Bereich Informatik wichtig für das spätere Berufsleben sei. Dies sei nicht alleine durch ein Fach Informatik zu bewerkstelligen, wirft Zahner ein. Vielmehr muss das mit dem Gerät regelmässig gearbeitet werden.

Hedina Jordi (SVP) stimmt dem aus eigener Erfahrung zu. Die 20-jährige Elektroingenieurin sei noch nahe an der Praxis und an den Jugendlichen. «Ich habe zwar den Umgang erlernt, aber Vieles schnell wieder vergessen, da ich die Kompetenzen im übrigen Unterricht nicht gebraucht habe.» Harzenmoser fügt an, dass die Lehrpersonen ebenfalls fit gemacht werden müssen.

Die Bedeutung von Beziehungen

Wyder erzählt vom vor zwei Jahren verabschiedeten Informatikkonzept. Eine Idee sei, dass die Schule ab der 5. Klasse allen ein Gerät zu Verfügung stellt, dass bis Ende Oberstufe verwendet werden kann. «Mit digitalen Medien kann man zwar Informationen aufnehmen, richtig lernt man nur durch Beziehungen. Mit einem Computer habe ich allerdings keine Beziehung.» Er spricht damit die sinnvolle Nutzung an.

Gunzenreiner stellt die Frage, ob man die Zusammenarbeit mit den Eltern überdenken müsse. Für Jordi eine Knacknuss.

«Nicht alle Eltern kennen sich mit Informatik aus. Sie brauchen mehr Unterstützung.»

Wild stösst ins gleiche Horn. Für ihn geht es indes nicht nur um die Geräte selbst, sondern auch die Technologie, die dahinter steckt. Diese könne man etwa nutzen, um mit den Eltern zu kommunizieren. Dazu gehöre dann auch ein gescheites Kommunikationskonzept. Harzenmoser sieht Potenzial für Lehrpersonen, verschiedenen Schülern unterschiedliche Aufgaben zu geben.

Wie die Kandidierenden ihre Führungsrolle sehen

Gunzenreiner fragt nach dem Führungsverständnis der Kandidierenden. Wild sieht im Schulrat im übertragenen Sinn den Verwaltungsrat einer Firma, der die strategische Führung übernimmt und als Bindeglied zwischen Schule und Gesellschaft. «Die Umsetzung der Strategie liegt bei den Lehrpersonen, denn sie sind die pädagogischen Profis.» Wyders Verständnis ähnelt dem.

«Der Schulrat muss sich an der Gesellschaft orientieren, das ist seine Hauptaufgabe.»

Harzenmoser sagt: «Der Schulrat führt alle an einen Tisch und arbeitet in Kooperation eine Vision aus – eine Sonne, die alle sehen.» Jeder habe dann darin seine Teilaufgaben. Jordi bringt indes ein, dass der Schulrat Schulbesuche machen soll. «Ein guter Chef hat auch Kontakt mit den Büezern. Im Fall von der Schule wären das Lehrer, Kinder und Eltern.» So könne etwa je ein Schulrat für eine Schule zuständig sein. Wild, der in einer Suchtfachklinik arbeitet, brauche eben diesen Einblick. «Ich muss spüren, ob die Leute motiviert sind.» Das sei auch eine Wertschätzung der Lehrpersonen.

Wyder gibt zu, alle paar Wochen einen Schulbesuch zu machen, das sei auch heute schon möglich. Er ist aber dafür, dass der Schulrat für die strategische Führung zuständig ist. Der Schulleiter habe regen Kontakt mit den Lehrpersonen, daher sei eine gute Zusammenarbeit mit diesem wichtig. Zahner sagt, Kinder könnten die Zukunft schwer abschätzen. Erwachsene hingegen besser. Deswegen sei der Kontakt zur Schulleitung und der Gesellschaft wichtig. Harzenmoser sei dafür, dass der Schulrat sich wieder mehr im Operativen zeige, aber er soll den Lehrern nicht reinreden.

In der Frühförderung hat sich einiges getan

Zu Wort meldet sich aus dem Publikum eine Kindergärtnerin. Sie greift Daniel Wyder an: Er könne gut reden, aber die Praxis sehe anders aus. Sie ist der Meinung, man müsse viel mehr in die Integration investieren. Sie schlägt eine Art Kindergartenvorbereitungskurs für Eltern und Kind vor. Wyder erläutert, dass bereits Massnahmen beschlossen wurden. So sei etwa eine Integrationsklasse eröffnet worden. Und das Spielhaus sei für Kindergärtler da, die überfordert sind und so ein Jahr mehr Zeit bekommen. Auch seien Deutschkurse im Kindergarten eingeführt worden.

Harzenmoser entgegnet: «Wenn ein Kind mit vier Jahren kein Deutsch kann, dann wird der Einstieg in den Kindergarten schwierig.» Es sei wichtig, dass der Spracherwerb früher geschehe. Wyder erläutert, der Schulrat sei nach aktuellem Eigenverständnis für die Schule zuständig, nicht für Spielgruppen und dergleichen.

Zuschauer und Schulleiter Peter Falk schaltet sich ein. Für die vorschulische Förderung habe man von der Gemeinde bereits Unterstützung erhalten. Anlässe würden derzeit aufgegleist. «Wir brauchen aber noch etwas Zeit, bis wir da sind, wo wir hin wollen.»

Urlaub wird angesprochen

Während andere anwesende Lehrpersonen berichten, dass sie sich wohl und gut aufgehoben fühlten, spricht ein Lehrer die Urlaubsregelung an. Er nennt ein sechsmonatiges Forschungsprojekt in Island und stellt sich kurz vor. Unter anderem sei er schon 22 Jahre in Uzwil tätig. Wer würde ihm den Urlaub gewähren? Jordi zeigt sich befangen, da sie nur Gutes von ihm gehört habe. Sie würde nach einer Lösung suchen. Ebenso Harzenmoser. «Wenn nicht eine Regelung dagegen spricht, dann soll man die Möglichkeiten prüfen.»

Wyder bringt ein, dass es bereits ein Reglement gebe. Schulräte sollen verlässlich sein und nicht scheinbar willkürlich entscheiden. Für ihn sei die Kontinuität an der Schule wichtig. Viele Lehrerwechsel täten der Schule und den Schülern nicht gut.

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