Uralten Brauch des Bittgangs gepflegt

Die Kirchgemeinde Niederbüren lud zur traditionellen Bittprozession zur Nachbarkirche Niederhelfenschwil ein. Über 90 Schulkinder und viele Erwachsene begaben sich auf den Weg.

Ernst Inauen
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Der Bittgang führte an der Kobesenmühle vorbei nach Niederhelfenschwil. (Bild: ei.)

Der Bittgang führte an der Kobesenmühle vorbei nach Niederhelfenschwil. (Bild: ei.)

niederbüren. Nur in wenigen Dörfern der Region wird dieser Brauch noch gepflegt. «Die Tradition des Bittgangs geht bis ins frühe Mittelalter zurück. In Niederbüren blieb einzig der Bittgang vor dem Fest Christi Himmelfahrt übrig, nachdem früher regelmässig Flurprozessionen und Bittgänge durchgeführt wurden», erzählte Pater Adrian Willi, Pfarradministrator der Kirchgemeinde.

Der zunehmende Verkehr auf den Strassen und die abnehmende Volksfrömmigkeit hätten vielerorts zur Aufgabe des Brauches geführt.

Frühlingsgefühle

Trotz unsicherer Witterung entschlossen sich die Organisatoren zur Durchführung des Bittgangs. Und sie hatten offensichtlich einen guten Draht zu Petrus, blieb es doch trocken. In Absprache mit der Lehrerschaft nahmen alle Klassen der Primarschule zusammen mit rund 50 Erwachsenen den Weg unter die Füsse.

Für sie war wohl der offerierte Znüni nach dem Gottesdienst mit ein Grund, dass sie bereitwillig mitmachten.

In der St. Michaelskirche begann der Bittgang mit einem Gebet. Hinter der Pfarreifahne bewegte sich dann die Prozession über die Golfstrasse und den steilen Aufstieg bei der idyllischen Kobesenmühle hinauf zur Kirche St. Johannes im Nachbardorf Niederhelfenschwil.

Die Wanderung durch die blühende Natur und der anschliessende Gottesdienst waren für die Teilnehmenden ein besonderes Erlebnis.

Segen für Feld und Flur

In Konzelebration mit Pfarrer Reto Oberholzer und Pater Andy Givel feierte Pater Adrian Willi im barocken Gotteshaus die Messe. Dazu waren auch die Niederhelfenschwiler Mitchristen eingeladen. Betend und singend ersuchten die Gottesdienstteilnehmenden um den Segen für Feld und Flur.

Der Priester erinnerte an den Sinn der Flurprozessionen und sagte: «Erst bei schweren Unwettern und Naturkatastrophen wird uns bewusst, dass wir auf die Hilfe einer höheren Macht angewiesen sind, aber auch selber unseren Anteil zur Bewahrung der Schöpfung leisten müssen.»

Glauben heisst vertrauen

In seiner Predigt stellte Pater Adrian das Evangelium des Tages und den Märtyrer Pankratius in den Mittelpunkt seiner Betrachtung, dessen Gedenktag gleichentags war.

Der junge Heilige habe als überzeugter Christ Zeugnis für seinen Glauben abgelegt und sei dafür gestorben.

Gestärkt auf den Heimweg

Anschliessend an die kirchliche Feier offerierte die Kirchenverwaltung allen Kindern einen Znüni. Um ihre Gelüste nach Süssigkeiten zu befriedigen, hatte der Pfarreirat Niederhelfenschwil einen entsprechenden Stand aufgestellt.

Die Erwachsenen genossen im Dorfrestaurant Kreuz ihren Kaffee mit Gipfeli, bevor sich alle wieder auf den Heimweg begaben.