Unwetter
Vier Massnahmen für 12 Millionen Franken: Was die Stadt Wil gegen drohende Hochwasser unternimmt

Dass das Risiko von Überschwemmungen real ist, ist seit 2015 in Wil allen bekannt. Nun reagiert die Stadt. Mit vier Teilprojekten sollen solche Ereignisse künftig verhindert werden. Bis zur Realisierung ist es allerdings noch ein langer Weg.

Gianni Amstutz
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Das Hochwasser von 2015 verursachte in Rossrüti, Bronschhofen und Wil grosse Schäden.

Das Hochwasser von 2015 verursachte in Rossrüti, Bronschhofen und Wil grosse Schäden.

Bild: Hanspeter Schiess

Hochwasserschutzprojekte sind oft umstritten. Projekte kosten viel Geld, deren Nutzen ist aber nur schwer nachvollziehbar. Bis zum Tag X. Was Hochwasser anrichten können, wurde diesen Sommer in ganz Europa sichtbar. In Deutschland verloren in den Fluten über 180 Menschen ihr Leben und auch hierzulande bestimmten über die Ufer tretende Gewässer tagelang die Schlagzeilen.

Auch lokal muss man nicht weit zurückblicken, um Hochwasserereignisse zu finden. 2015 standen in Wil Unterführungen, Strassen sowie Keller unter Wasser. Vielen dürften die Bilder der Schlammmassen auf der Autobahn noch präsent sein.

Sinnbild für das Hochwasserproblem in Wil: die überschwemmte Autobahn.

Sinnbild für das Hochwasserproblem in Wil: die überschwemmte Autobahn.

Bild: Ralph Ribi

Nur drei Jahre später kam es dort erneut zu Überflutungen. Denn der Klimawandel begünstigt solche Ereignisse. Wie Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich, im August in dieser Zeitung erklärte, machen die steigenden Temperaturen solche Ereignisse um 15 bis 20 Prozent wahrscheinlicher. Dies, weil warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnimmt und somit starken Niederschlag begünstigt.

Kritiker möglichst früh ins Boot holen

In Wil ist man in Sachen Hochwasserschutz nun einen Schritt weiter. Vier von sechs Teilprojekten wurden in die öffentliche Mitwirkung gegeben. Bis zum 9. November kann sich die Bevölkerung zu den Entwürfen äussern. Ziel sei es, kritische Punkte möglichst früh zu erkennen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen, sagt Daniel Gübeli, Projektleiter Wasserbau. Dies auch vor dem Hintergrund, dass gegen Hochwasserschutzprojekte oft Einsprachen erhoben werden. Mit einer möglichst breiten Partizipation wolle man das Risiko hierfür reduzieren. Auch Informationsveranstaltungen und Gespräche mit den Betroffenen haben in einer frühen Projektphase bereits stattgefunden.

Die Teilprojekte im Überblick

Das Teilprojekt 1 umfasst den Krebsbach ab Hugentobel bis Furtbach in Rossrüti. Unter anderem wird der Bach im Gebiet Hugentobel offengelegt. Der Furtbach und das Gebiet Cherengärtli in Rossrüti gehören zum Teilprojekt 3. Die Stöckenstrasse wird auf einer Länge von 50 Metern abgesenkt und so eine Überflutungsmulde geschaffen. Im Teilprojekt 4 werden in Bronschhofen die bestehenden Durchlässe des Maugwilerbachs unter der Beckinger-, der Maugwiler- und der Stockenstrasse abgebrochen und durch neue aus Ortsbeton ersetzt. Das Teilprojekt 5 betrifft das Zentrum von Bronschhofen. Unter anderem werden die Querung des Maugwilerbachs beim Mühleweg aufgehoben und die Brücke Bachweg ersetzt. Die Teilprojekte 2 und 6 sind noch in Arbeit. (sk)

Potenzielle Einsprachen sind es denn auch, die einen Zeitplan für die Realisierung der Projekte schwierig abzuschätzen machen. Doch nicht nur. Nach der Mitwirkung und der Bearbeitung der eingegangenen Anträge werden Bericht und Antrag an das Parlament überwiesen. Nach dem politischen Prozess folgt schliesslich die öffentliche Auflage. Im Idealfall könne Anfang 2024 mit der Realisierung begonnen werden, sagt Gübeli.

Die Unterteilung ermöglicht es der Stadt, selbst bei Einsprachen einzelne Teilprojekte zu realisieren. Hinzu kommt, dass am 1. Juli eine Gesetzesänderung in Kraft trat, die es den Gemeinden erlaubt, auf die Erhebung des Perimeterbeitrags zu verzichten. Auch dies würde das Risiko wohl senken, dass gegen die Projekte Einsprachen eingehen. Der Stadtrat beabsichtigt, auf einen Perimeterbeitrag zu verzichten. Der definitive Entscheid, ob Bachanstösser zur Kasse gebeten werden oder nicht, muss allerdings vom Stadtparlament noch getroffen werden.

Kosten von 12,3 Millionen

Der Hochwasserschutz hat seinen Preis. Die vier Teilprojekte kosten zusammen rund 12,3 Millionen Franken. Bund und Kanton übernehmen davon allerdings bis zu zwei Drittel. Für diese Beteiligung müssen die Gemeinden einen Nachweis erbringen, dass sich die Massnahmen finanziell rechtfertigen lassen. Will heissen: Die Investitionen in den Hochwasserschutz dürfen die Schäden durch ein Jahrhunderthochwasser nicht übersteigen. In Tat und Wahrheit wären Letztere wohl um ein Vielfaches höher.

Zudem dienen die Investitionen nicht nur dem Schutz der Bevölkerung sowie der Infrastruktur. Im Zuge der Projekte erfolgen auch Renaturierungen und damit ökologische Aufwertungen.

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