Unwetter
Nach erneuter Überschwemmung auf der Autobahn: Wann geht es beim Hochwasserschutz in der Region Wil vorwärts?

Die starken Niederschläge von Montagabend fluteten einmal mehr die Autobahn A1 zwischen Wil und Münchwilen. Der Baustart des Hochwasserschutzprojekts Region Wil kann voraussichtlich erst in zwei Jahren erfolgen.

Rossella Blattmann
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Immer wieder wird die A1 bei Wil überschwemmt, im Bild die Situation im Juni 2015.

Immer wieder wird die A1 bei Wil überschwemmt, im Bild die Situation im Juni 2015.

Bild: Ralph Ribi

Die Fussballgötter sind der Schweiz nach dem EM-Sieg gegen Frankreich zwar wohlgesonnen. Doch Petrus hat wohl noch ein Hühnchen mit Helvetia zu rupfen. Am Dienstag zogen zum zweiten Mal innert weniger als 24 Stunden heftige Gewitter über die Ostschweiz. Die Region Wil und der Thurgau waren besonders betroffen.

Am Montagabend überschwemmten die Wassermassen die Autobahn A1 bei Wil. Gemäss Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, ging am Montagabend um 19.50 Uhr die Meldung ein, dass die Autobahn zwischen Wil und Münchwilen unter Wasser stehe. Daraufhin war die Feuerwehr im Einsatz, eine Spur wurde gesperrt und der Unterhaltsdienst musste die Fahrbahnen reinigen. Die Autobahneinfahrt in Richtung Zürich war zeitweise ganz gesperrt. Erst drei Stunden später, um 22.50 Uhr, war die Autobahn wieder geräumt.

Hochwasserschutzprojekt Region Wil

Wassermassen, welche die Autobahn fluten? Wer in der Region Wil wohnt, hört dies nicht zum ersten Mal. In den vergangenen Jahren geschah es immer wieder, dass der Krebsbach, der bei der Einfahrt Wil unter der A1 in Richtung Rickenbach durchfliesst, bei heftigen Niederschlägen über die Ufer trat und die Autobahn überschwemmte.

Das Hochwasserschutzprojekt Region Wil soll solche Überschwemmungen künftig verhindern. Vorgesehen sind unter anderem Stollen sowie grössere Bachleitungen für den Krebsbach, damit das Wasser besser abfliessen kann. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf 45,5 Millionen Franken. An der Planung des Projekts beteiligen sich die Stadt Wil, die Gemeinden Wilen, Rickenbach und Sirnach, die Kantone Thurgau und St.Gallen, das Bundesamt für Strassen (Astra) sowie das Bundesamt für Umwelt.

Baustart in zwei Jahren

Doch bis mit den Bauarbeiten begonnen werden kann, dauert es noch. Das Hochwasserschutzprojekt sei in Zusammenarbeit mit allen Projektpartnern fertig erarbeitet worden und werde in den nächsten Monaten durch die kantonalen Fachstellen der Kantone Thurgau und St.Gallen umfassend geprüft, sagt Tim Wepf, Leiter der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie beim Amt für Umwelt des Kantons Thurgau, am Dienstag auf Anfrage. «Im Herbst/Winter 2021 soll das Projekt dann öffentlich aufgelegt werden», sagt er. Und ergänzt:

«Frühester Baustart ist im Jahr 2023.»
Tim Wepf, Leiter Abteilung Wasserbau und Hydrometrie, Amt für Umwelt Kanton Thurgau.

Tim Wepf, Leiter Abteilung Wasserbau und Hydrometrie, Amt für Umwelt Kanton Thurgau.

Bild: PD

Welche Faktoren könnten den Baustart des Hochwasserschutzprojektes weiter verzögern? «Während der Auflage können Einsprachen eingehen, welche einerseits beantwortet werden müssen und andererseits zu Projektanpassungen führen können», sagt Wepf. Gegen die Einspracheentscheide könnten weitere Rechtsmittel ergriffen werden. Da die öffentliche Auflage noch nicht erfolgt sei, habe es bisher keine Einsprachen gegeben.

Im vergangenen Winter wollte die Wilener Interessensgemeinschaft IG Anti HWS Wilen das Hochwasserschutzprojekt blockieren. Das Projekt sei überdimensioniert und überteuert, hiess es. Mit einer im Dezember 2020 eingereichten Stimmrechtsklage gegen die Gemeinde Wilen wollte die IG eine Abstimmung über den finanziellen Beitrag von Wilen an das Projekt erzwingen. «Die Stimmrechtsbeschwerde ist nach wie vor beim Departement für Inneres und Volkswirtschaft des Kantons Thurgau hängig», sagt Wepf.