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Unverhofft ein grosser Schreiberling: Der Wiler Toni Mathies gewinnt mit 74 Jahren einen internationalen Schreibwettbewerb

Der Wiler Toni Mathies hat einen internationalen Ü70-Schreibwettbewerb gewonnen. Damit gerechnet hatte er aber überhaupt nicht.
Nicola Ryser
Der Autor und sein Schaffensort: Hier schreibt Toni Mathies seine Kindheitserinnerungen nieder. Bild: Nicola Ryser

Der Autor und sein Schaffensort: Hier schreibt Toni Mathies seine Kindheitserinnerungen nieder. Bild: Nicola Ryser

Toni Mathies ist ein Bewegungsmensch. Der 74-Jährige arbeitet gerne in seinem Garten an der Neulandstrasse, ist mit seiner Frau seit der Pensionierung viel in der Welt herumgereist und mag es, in den Bergen zu wandern. «Stillsitzen kann ich fast nie», sagt er.

Nur ab und an sitzt der pensionierte Lehrer für längere Zeit still. Dann nämlich, wenn er vor seinem Computer in die Tasten haut, um eine seiner zahlreichen Kindheitserinnerungen niederzuschreiben. «Ein kleiner Zeitvertreib, den ich gerne mache. Auch um Erinnerungen aufzufrischen.» Aus einem kleinen Zeitvertreib sind bis dato zwei Dutzend Kurzgeschichten geworden, jede kaum mehr als zwei Seiten lang. Mathies relativiert aber: «Eigentlich bin ich kein grosser Schreiber.» Das dachte er zumindest lange Zeit.

Den Wettbewerb hatte er schon wieder vergessen

Es war der Frühling 2018, als seine Frau ihn ermutigte, eine seiner Geschichten doch mal zu publizieren oder zumindest irgendwo einzureichen. Zu gut seien diese, als dass sie einfach ungelesen in seinem Computer gespeichert blieben. Mathies liess sich überreden. Bei einem Ü70-Schreibwettbewerb, der jährlich mit Unterstützung der Schweizer Stiftung Kreatives Alter organisiert wird, gab er seine Geschichte «Nummer 1» ab – und dachte nie mehr darüber nach. «Ganz ehrlich: Ich hatte es sogar komplett vergessen.»

Doch dann kam kürzlich ein Brief an, ausgesandt von den Juroren des Schreibwettbewerbs. Darin aufgelistet waren die acht besten Schreiber aller 326 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auf Platz eins: Toni Mathies. «Im ersten Moment musste ich darüber lachen. Ich kam zum Preis wie die Jungfrau zum Kind. Schliesslich habe ich mich aber sehr darüber gefreut.»

Dennoch: Mathies war sich eigentlich sicher, dass er nicht gewinnen würde. Schliesslich, so seine Selbsteinschätzung, seien seine Geschichten eigentlich nur persönliche Erinnerungsschnipsel von früher, ohne irgendwelchen sprachlichen oder schriftstellerischen Kniff. «Ich schreibe einfach über meine Kindheit. Aber das gefällt wohl den Leuten.»

Geschichten über den Vater oder die Nachbarskinder

Mathies’ Kurzgeschichten sind kleine Erlebnisse, komische und tragische – und teils beides zugleich. Sie handeln etwa davon, wie er als Ministrant heimlich und unerlaubt den Kirchenturm hinaufging und dann, zu seinen Ungunsten, die Glocken aus nächster Nähe schlagen hörte; wie seine Nachbarskinder eigentlich ein trauriges, schwieriges Leben hatten, aber immer lustig waren – und zum Nachnamen «Fröhlich» hiessen; oder wie er vor der Fabrik wartete, bis sein Vater als Letzter hinaus kam und doch immer seine «Nummer 1» war – die Siegergeschichte.

«Ich erzähle alles aus meiner Kindheitsperspektive. Was ich damals gedacht und wie ich etwas wahrgenommen habe. Spannend ist nun aber, dass ich rückblickend auch kritischer darüber nachdenken kann.» Dies fliesse denn auch in seine Geschichten ein – zumeist in Form einer Pointe. Mathies betont aber: «Jede Geschichte ist zu hundert Prozent wahr.» Und vielleicht ist genau der letzte Aspekt die Besonderheit, das Spezielle an seinen Kurzgeschichten. Seine Frau Elisabeth Mathies, mit der er seit 50 Jahren verheiratet ist, sagt: «Durch die Echtheit und Ehrlichkeit spürt man ihn als Menschen heraus. Seine Seele aus früheren Zeiten spiegelt sich in den Geschichten wieder.» Einmal schrieb ihm auch sein Neffe: «Es ist wie in einem Schwarz-Weiss-Film aus den 20er-Jahren.» Solche positiven Rückmeldungen bekommt Mathies nun noch mehr, seit er den Wettbewerb gewonnen hat. Teils hört er gar von Leuten, mit denen er schon seit längerem keinen Kontakt mehr hatte. «Ich bin überrascht, wie sehr meine Geschichten die Leute emotional berühren.»

Weitere drei Dutzend Erinnerungen in petto

Schriftsteller will Toni Mathies nun aber nicht werden. Lieber soll das Schreiben über seine Kindheit ein Hobby bleiben. Der Stoff ist ihm zumindest nicht ausgegangen: «Ich habe eine Liste von Themen, die ich noch gerne angehen werde. Da sind noch über 30 mögliche Geschichten aus meiner Kindheit dabei.» Hatte er denn eigentlich eine schöne Kindheit? «Ja, das hatte ich. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich mich gerne daran erinnere.»

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