UNTERSTÜTZUNG: «Keinen Rappen für den Profibetrieb»

Der Entscheid ist gefallen, aber noch nicht öffentlich kommuniziert worden: Der Wiler Stadtrat hat am Mittwoch das Gesuch des FC Wil um Unterstützung beraten. Die Fraktionspräsidenten sind sich einig: Keine Gelder für das Fanionteam.

Philipp Haag/Hans Suter
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Trotz aller Unbill ein Stück Wiler Fussballgeschichte: das Heimspiel gegen den FC Zürich vom 18. Februar im Bergholz. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Trotz aller Unbill ein Stück Wiler Fussballgeschichte: das Heimspiel gegen den FC Zürich vom 18. Februar im Bergholz. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Philipp Haag/Hans Suter

philipp.haag@wilerzeitung.ch

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Das Geheimnis um das Unterstützungsgesuch ist grösser als die Relation zu den aktuellen Sorgen des FC Wil. Auch ist das Verhältnis zwischen dem Verwaltungsrat der FC Wil 1900 AG und dem Stadtrat – freundlich ausgedrückt – etwas unterkühlt. Dennoch sahen sich die Verwaltungsräte des Wiler Traditionsvereins gezwungen, bei der Stadt um finanzielle Unterstützung nachzuersuchen. Über den Inhalt des Schreibens ist so wenig bekannt wie über den Willen des Stadtrats. Dieser hat die Kompetenz, dem FC Wil einen Höchstbetrag von 100'000 Franken zu sprechen. Höhere Beiträge oder Darlehen müssten dem Stadtparlament vorgelegt werden.

«Wir sind um jeden Franken und jede Form der Unterstützung froh», sagt Manfred Raschle. Er steht dem Club 2000 als Präsident vor und wirkt in der Task Force zur Rettung des FC Wil mit. Doch wie sieht man das in den fünf Fraktionen des Parlaments?

«Der FC Wil erhält die rote Karte»

Die Fraktionspräsidenten sind sich weitgehend einig: Zum heutigen Zeitpunkt sollen dem FC Wil keine Gelder gesprochen werden, weder vom Stadtrat noch vom Parlament. «In den Spielbetrieb der Profimannschaft dürfen keine städtischen Gelder fliessen», sagt Silvia Ammann, Fraktionsvorsteherin der SP. Spielergehälter von bis zu 50'000 Franken pro Monat, auch wenn diese nun reduziert würden, seien nicht tolerierbar. «Dafür erhält der FC Wil die rote Karte.» Ausserdem sei gegenwärtig das Risiko gross, dass der Club Konkurs gehe und die Stadt keine Rückzahlung erhalte. Anders sieht die Situation aus, sollte der Betrag für den Nachwuchs eingesetzt werden. Ein Gesuch für den Erhalt der Jugendabteilung sei prüfenswert, sagt Silvia Ammann. Auch Mario Breu, Fraktionspräsident der FDP, sind die «astronomisch hohen» Löhne ein Dorn im Auge. Er ist der Meinung, dass «kein Franken» der Stadt in die Gehälter der Spieler fliessen dürfe. «Es kann nicht Aufgabe des Steuerzahlers sein, einen Fussballclub zu retten.» Breu relativiert: Sollte die Summe für die Jugendmannschaften vorgesehen sein, sei eine Unterstützung durchaus denkbar. Allerdings unter einer Bedingung: Das Geld müsse zweckgebunden verwendet werden, also ausschliesslich und nachweislich dem Nachwuchs zugutekommen. «Kein städtischer Rappen an die Profiabteilung des FC Wil», sagt auch Benjamin Büsser, Fraktionschef der SVP. «Die Verantwortlichen haben es verspielt.» Auf Basis des heutigen Informationsstands, den Büsser als mehr als dürftig bezeichnet, und der ungewissen Ausgangslage sollte die Stadt keine Gelder zur Verfügung stellen. Sollten die Mittel allerdings dem Breitensport zugutekommen, würde die SVP gemäss Büsser Hand bieten.

«Zum heutigen Zeitpunkt sollten keine Gelder genehmigt werden», sagt auch Christoph Gehrig, Fraktionspräsident der CVP. Ihm ist der Informationsfluss von Seiten der Stadt als auch des FC Wil zu ungenügend. «Die Fakten fehlen.» Sollten neue Informationen vorliegen, der Verwaltungsrat sich beispielsweise mit den Spielern einigen, die sich weigern, eine Lohneinbusse in Kauf zu nehmen, sehe die Sachlage anders aus, besonders hinsichtlich einer Unterstützung des Nachwuchses. Guido Wick, Fraktionsvorsteher der Grünen Prowil, sieht keinen Grund, «dem FC Wil einen Betrag zu zahlen». Das wenige, das bekannt sei, klinge dubios. «Es liegen keine Detailinformationen vor.» Wick ist der Meinung, dass grundsätzlich auf ein Gesuch nur eingetreten werden soll, wenn vollkommene Transparenz herrscht. Ausserdem sei es nicht das Problem der Stadt, einen Fussballclub zu retten, «wenn die ehemalige Führung sich verzockt hat». Er nimmt die Verwaltungsräte in der Pflicht, den Verein vor dem Konkurs zu bewahren.