Unterstützung für Kleinstunternehmen: Die Gemeinde Wilen schnürt Coronahilfspaket

Kleinstunternehmern mit finanziellen Problemen gewährt die Gemeinde zinslose Darlehen. Aber braucht es das?

Andrea Häusler
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Der Wilener Gemeinderat will von der Coronakrise finanziell gebeutelten Kleinstunternehmern rasch und unbürokratisch finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

Der Wilener Gemeinderat will von der Coronakrise finanziell gebeutelten Kleinstunternehmern rasch und unbürokratisch finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

Symbolbild: Andrea Häusler

Was in anderen Gemeinden diskutiert oder, wie beispielsweise in Flawil, von Ortsparteien angeregt wird, ist in Wilen bereits beschlossene Sache. Der Gemeinderat hat entschieden, Selbstständigerwerbenden beziehungsweise Kleinstunternehmern, die in der Gemeinde ihren Wohn- und Firmensitz haben und durch die aktuelle Situation in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, mit einem Hilfspaket unter die Arme zu greifen. Rasch und unbürokratisch.

Das heisst: Betroffenen werden bei nachgewiesenem Bedarf auf Gesuch hin zinslose und rückzahlbare Darlehen gewährt. Voraussetzung ist allerdings, dass mit dem entsprechenden Betrieb der Haupterwerb erzielt wird und der Gesuchsteller oder die Gesuchstellerin nicht bereits Unterstützungsgelder des Bundes oder des Kantons bezieht. Gemeindepräsident Kurt Enderli sagt:

«Mit rund 2,5 Millionen Franken Eigenkapital verfügt die Gemeinde über genügend Substanz, um eine solche Hilfsaktion verantworten zu können.» 
Kurt Enderli, Gemeindepräsident von Wilen

Kurt Enderli, Gemeindepräsident von Wilen

Im Rahmen seiner Finanzkompetenz dürfe der Gemeinderat ausserhalb des Budgets maximal 30000 Franken pro Einzelfall beziehungsweise gesamthaft 100000 Franken pro Jahr beschliessen. Ob diese Beträge reichen oder unter dem Titel «Notrecht» allenfalls sogar überschritten werden könnten, müsste abgeklärt werden, sagt Enderli.

Notwendigkeit wird sich erst zeigen

Das Hilfsangebot der kommunalen Behörde weckt Sympathie, zeigt anschaulich die Solidarität mit dem lokalen Gewerbe. Doch sind derlei Efforts überhaupt nötig? Zumal inzwischen ja auch selbstständige Kleinunternehmer (und Kulturschaffende) Anspruch auf Gelder des Bundes haben: 80 Prozent ihres durchschnittlichen Einkommens als Taggeld.

Allerdings ist der Betrag auf maximal 196 Franken am Tag beschränkt und die Anzahl Taggelder – bei Erwerbsausfällen aufgrund von Kinderbetreuung oder Betriebsschliessung – auf 30 befristet. Hinzu kommt, dass Taggelder, im Gegensatz zu zinslosen und rückzahlbaren Darlehen, versteuert werden müssen.

Kurt Enderli räumt in Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit von finanziellen Hilfeleistungen der Gemeinde ein:

«Ob es unser Angebot braucht, wissen wir tatsächlich nicht. Auch wir müssen erst Erfahrungen sammeln und es ist völlig offen, ob und wenn ja, wie viele Gesuche eingehen werden.»

Dem Gemeinderat gehe es darum zu verhindern, dass jemand, aus welchen Gründen auch immer, zwischen Stuhl und Bank fällt. Gleichzeitig wolle man Personen entgegenkommen, welche Gesuche an den Bund mit einem aufwendigen bürokratischen Hindernislauf verbinden und deshalb ihre Ansprüche gar nicht erst anmelden. Enderli ist überzeugt, dass das niederschwellige Angebot der Gemeinde speziell auch dann hilfreich ist, wenn es darum geht, kleinere Beiträge auszugleichen.

Auszahlung wohl erst ab Mai

Die Gelder, die für Wilener Kleinstunternehmer zur Verfügung gestellt werden, gelangen wohl nicht vor dem 1.Mai zur Auszahlung. Denn erst Ende nächster Woche werden die Flyer, mit denen das Angebot beworben wird, in die Haushaltungen der Gemeinde verteilt, sagt Kurt Enderli. Anschliessend müssten die Gesuche geprüft werden.

Die Darlehensbeträge richten sich nach den in den vergangenen Jahren erzielten und in den Steuererklärungen deklarierten Einkommen der Vorjahre und werden nach obenhin begrenzt. Nach erfolgreicher Prüfung könne das Geld aber umgehend überweisen werden, sagt Enderli.