Unterstützung für Flawiler Dorfvereine: Konzept steht in der Kritik

Zu tiefe Beiträge, keine Defizitgarantie, falsche Begriffswahl und unnötige Bürokratie: Das neue Flawiler Vereinskonzept will Gutes, erntet aber Schelte.

Andrea Häusler
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Der «Lindensaal» während der Oldies Disco. Tscharner befürchtet, dass hier künftig keine Vereinsanlässe mehr stattfinden können.

Der «Lindensaal» während der Oldies Disco. Tscharner befürchtet, dass hier künftig keine Vereinsanlässe mehr stattfinden können.

Bild: red

Flawil soll ein aktives und attraktives Vereinsleben haben. So steht es in der Vision 2030 des Gemeinderats. Doch die Vereine haben zunehmend zu kämpfen. Denn einerseits verändert sich die traditionelle Bindung ihrer Mitglieder und anderseits werden an die ehrenamtlichen Führungspositionen immer höhere Ansprüche gestellt. Einem seiner Legislaturziele 2017–2020 folgend, will der Rat nun den knapp 100 örtlichen Vereinen mit konkreten Massnahmen materiell, ideell und finanziell unter die Arme greifen.

Das Papier nennt sich «Konzept zur Unterstützung des Vereinslebens» und basiert auf drei Pfeilern. Erstens sollen Dorfvereine von einer vergünstigten Nutzung der Infrastruktur profitieren sowie in den Bereichen Koordination, Bewilligungspraxis und Werbung Unterstützung erhalten. Zweitens will der Rat die Freiwilligenarbeit würdigen und Weiterbildungen/Coachings ermöglichen. Dritter Schwerpunkt bildet das konkrete finanzielle Engagement, welches Kinder- und Jugendförderbeiträge, jährliche und ausserordentliche Vereinsbeiträge oder einmalige Zahlungen vorsieht.

Eintrittspreise und Kommerzdenken

Das klingt erst einmal gut. Nur habe das Regelwerk, Schwächen und erhebliche Mängel, findet der Flawiler Martin Tscharner, Gründer und Geschäftsführer von Nice Time Productions. Der Verein mit Sitz in Wil und Gossau sowie einem Büro in Flawil hat sich auf die schweizweite Veranstaltung von internationalen Shows, Konzerten und Musicals spezialisiert.

Martin Tscharner, Nice Time Productions, Wil/Gossau/Flawil

Martin Tscharner, Nice Time Productions, Wil/Gossau/Flawil

In der Beurteilung des Konzepts zur Vereinsunterstützung, das bis vor kurzem zur Vernehmlassung aufgelegen hatte, kritisiert Tscharner primär die Verwendung der Begriffe «kommerzielle» und «nicht kommerzielle» Vereine. «Ein Gummiparagraf, der nach Gutdünken ausgelegt werden kann und jene Vereine benachteiligt, die – ohne Gewinnabsicht – attraktive Bühnenprogramme nach Flawil bringen und dafür Eintrittsgelder erheben (müssen).

Richtigerweise, findet Tscharner, müsste zwischen «gewerblichen» und «nicht gewerblichen» Vereinen unterschieden werden. «Obwohl ein Verein eigentlich nie gewerblich oder kommerziell ist.» Noch sinnvoller wäre daher eine Unterscheidung zwischen Auswärtigen und Einheimischen: bei der Subventionierung von Publikationen im Gemeindemitteilungsblatt, bei den Miettarifen für den Lindensaal und der Plakatierung. Dies umso mehr, als einige dafür ja bereits Steuern bezahlt haben.» Tscharner befürchtet:

«Wenn das Flawiler Vereinunterstützungsreglement zum Tragen kommt, ist es Veranstaltern, die zur Deckung der Unkosten Eintritte verlangen, kaum mehr möglich, den Lindensaal zu nutzen»

Und er ergänzt: «Betroffen wären nicht nur Events von Nice Time Productions, sondern auch von Vereinen wie Musicalfieber, Spurbar oder Kulturpunkt.

«8000 Franken reichen nicht aus»

Kritik übt Tscharner auch der Absicht der Gemeinde, nur einmalige Beiträge auszurichten und keine Defizitgarantien zu gewähren. Ohnehin findet er den Gesamtbeitrag für Vereinsunterstützungen mit 8000 Franken pro Jahr zu tief: «Ein Franken pro Einwohner wird vom Kanton empfohlen und von Thurkultur praktiziert. Mindestens 10'500 Franken stünden Flawil damit gut an.»

Schliesslich seien Bewilligungen und Billettsteuern überholt und in den meisten Schweizer Städten längst aufgehoben worden. Mangelnde Unabhängigkeit der IG Kultur Vom Gemeinderat fordert Tscharner eine Überarbeitung des Konzepts, aber auch Anpassungen in Bezug auf die Zusammensetzung der IG Kultur, die für die Vergabe der Beiträge zuständig ist. «Es kann nicht angehen, dass in dieser Kommission faktisch nur ein (Kultur-)Verein vertreten ist und die Mitglieder ein und derselben politischen Partei zugehören», moniert Tscharner. Er fordert eine unabhängige Instanz, welche personell die Vielfalt der Flawiler Vereine abbildet.