UNTERSTÜTZUNG: Doppelter Kaffee für guten Zweck

Eine neapolitanische Tradition soll in Wil Benachteiligten helfen, sich an einem Kaffee und einem Stück Kuchen in einem Café zu erfreuen. Der Ansatz ist simpel.

Joel Räbsamen
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Ein Kaffee für Bedürftige: Gisela Dünner, Franz Schibli und Jürg Grämiger machen es vor. (Bild: Joel Räbsamen)

Ein Kaffee für Bedürftige: Gisela Dünner, Franz Schibli und Jürg Grämiger machen es vor. (Bild: Joel Räbsamen)

Im Peter Kafi im Pfarreizentrum Wil können Armutsbetroffene ab sofort gratis einen Kaffee und ein Stück Kuchen konsumieren. Die katholische Pfarr- und Kirchgemeinde Wil hat dazu unter dem Namen Caffè Sospeso ein neues Programm lanciert. Der Grundgedanke ist so effektiv wie simpel. Ein Kunde konsumiert und bezahlt einen Kaffee und/oder ein Stück Kuchen, zudem bezahlt der Kunde einen weiteren nicht konsumierten Kaffee oder Kuchen. Dieser wird aufgeschoben für einen nächsten Besucher, der sich den Kaffee nicht leisten kann. Der Grund für die Einführung sind die schwachen Besucherzahlen von Armutsbetroffenen, obschon im Begegnungstreff des Caritasmarktes das Bedürfnis solcher, an einem quasi öffentlichen Ort Kaffee zu trinken, sehr wohl vorhanden ist.

Gewisse Hemmschwelle bleibt bestehen
Als eine neue Art des Spendens, bei welcher der Stolz und die Integrität des Empfängers geschützt werden sollen, bezeichnet Franz Schibli das Projekt. Er ist neuer Leiter für Soziales bei der Pfarr- und Kirchgemeinde Wil und Leiter des Projektes Caffè Sospeso. Es bestehe auch so weiterhin eine Hemmschwelle, jedoch sei diese deutlich tiefer als beispielsweise im Caritasmarkt. Aus diesem Grund gäbe es auch keine Kontrolle. Ein Kunde kann gegenüber dem Personal einfach sagen, er oder sie wolle vom Angebot Caffè Sospeso Gebrauch machen. Die Zielgruppe des Projektes sind alle, welche sich einen Kaffee in diesem Rahmen nicht leisten können, das Augenmerk liege jedoch auf Familien mit Kindern. Für die Leiterin des Peter Kafi, Gisela Dünner, ist es eine gute Lösung, um sozial Benachteiligten eine Freude zu bereiten. Dass es zum Kaffee auch ein hausgemachtes Stück Kuchen gibt, soll unterstreichen, dass es sich um etwas Spezielles handelt. «Das Peter Kafi wird nicht zur Suppenküche, sondern bleibt ein Café für alle», sagt Gisela Dünner. Für Jürg Grämiger, den Präsidenten des Kirchenverwaltungsrats, gehört ein soziales Projekt wie dieses mitunter zu den Aufgaben einer Kirche.

Auch bezüglich der Finanzierung macht man sich keine Sorgen, die Erfahrungen andernorts hätten gezeigt, dass mehr Kaffees gespendet als getrunken werden. Im Falle mangelnder Spenden würden mit dem Kirchenverwaltungsrat mögliche Anpassungen diskutiert werden. Der bezahlende Kunde hat zwei Möglichkeiten zu spenden, entweder beim Bezahlen beim Servierpersonal oder mittels einer Spendenbox in der Mitte des Raumes.