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Unterrichten mit Bezug zum Leben: Wiler Klasse besucht Bauernhof, anstatt im Schulzimmer zu büffeln

Den Schulstoff erleben, anstatt ihn nur im Klassenzimmer zu büffeln. Nach diesem Motto gestalten Darinka Egli und Achim Arn ihre Schullektionen. Seit mehreren Wochen besuchen sie deshalb jeweils an einem Morgen den Bauernhof der Familie Fitze.
Gianni Amstutz
Auf dem Bauernhof bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, den Schulstoff erlebbar zu machen. Achim Arn zeigt den Schülern die verschiedenen Pflanzen im Garten der Familie Fitze. (Bilder: Gianni Amstutz)

Auf dem Bauernhof bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, den Schulstoff erlebbar zu machen. Achim Arn zeigt den Schülern die verschiedenen Pflanzen im Garten der Familie Fitze. (Bilder: Gianni Amstutz)

Theoretisches Wissen soll mit praktischen Anwendungsbeispielen oder Erlebnissen verknüpft werden: Das fordert der neu eingeführte Lehrplan 21. Zwei Klassenlehrpersonen, welche bereits länger nach dieser Philosophie unterrichten, sind Darinka Egli und Achim Arn.

Die beiden Lehrpersonen leiten am Alleeschulhaus eine Klasse mit Schülerinnen und Schülern von der ersten bis zur dritten Primarschulstufe. «Die Kinder sollen lernen, selbstständig zu denken», sagt Achim Arn. Würde der Unterrichtsstoff zu eng gefasst, schränkte das die Kreativität und Motivation der Kinder ein. Ausserdem ist Arn überzeugt, dass auch das Leistungsniveau darunter leide, wenn man alle Kinder in das gleiche Schema pressen wolle. «Kinder haben individuelle Stärken und Grenzen. Darauf muss man als Lehrperson im Schulunterricht Rücksicht nehmen.»

«Die Schule ist manchmal zu weit weg vom Leben»

Mit dem Traktor mitzufahren, gehört für die Schüler zu den Höhepunkten auf dem Bauernhof.

Mit dem Traktor mitzufahren, gehört für die Schüler zu den Höhepunkten auf dem Bauernhof.

Die Schule müsse sich den veränderten Anforderungen der Gesellschaft anpassen, sind sich die beiden Klassenlehrpersonen einig. Reines Auswendiglernen und Anhäufen von Faktenwissen bringe wenig und bleibe bei den meisten Schülern auch nur kurz im Gedächtnis. Anstatt also das Thema Landwirtschaft im Schulzimmer zu behandeln und die verschiedenen Körperteile einer Kuh anhand von Arbeitsblättern zu lernen, besucht die Klasse seit den Frühlingsferien einmal pro Woche den Bauernhof der Familie Fitze auf dem Hofberg.

Dort helfen die 23 Schülerinnen und Schüler bei der täglichen Arbeit mit. Und davon gibt es reichlich. Der Hühnerstall muss ausgemistet, die Kälber gefüttert und der Hof geputzt werden. Die Kinder sind eifrig bei der Arbeit, wischen den Boden, sammeln Löwenzahnblätter für die Hasen und bringen den Hühnern frisches Wasser. «Die Kinder lernen, was es konkret heisst, Bauer zu sein und auch mal richtig anzupacken», erklärt Achim Arn den doppelten Sinn des Projekts. Das Problem der Schule sei, dass sie manchmal zu wenig mit dem tatsächlichen Leben zu tun habe. Das habe er schon von Lehrmeistern gehört. Zwar könnten die Lehrlinge rechnen und schreiben, sobald es darum gehe, anzupacken, seien sie überfordert. Deshalb findet es Arn wichtig, dass die Schule die Kinder auch auf «die echten Herausforderungen des Lebens» vorbereite.

Lernen, wie man einen Besen richtig hält

Sandra und Chläus Fitze heissen jeden Mittwoch eine Schulklasse aus dem Alleeschulhaus auf ihrem Hof willkommen.

Sandra und Chläus Fitze heissen jeden Mittwoch eine Schulklasse aus dem Alleeschulhaus auf ihrem Hof willkommen.

Das sieht die Bäuerin Sandra Fitze ähnlich. «Der Unterschied zu unseren eigenen Kindern, die ungefähr im selben Alter sind, ist gross», sagt sie. Während für ihre Kinder die Arbeit auf dem Hof von klein auf dazugehört habe, wüssten manche Schulkinder nicht, wie man einen Besen hält. Doch die Schüler lernten schnell dazu, seien motiviert und machten bei jedem Versuch Fortschritte. Deshalb finde sie das Projekt sinnvoll, sagt Sandra Fitze. Dass sie jeden Mittwoch für einen Vormittag zu Besuch auf dem Bauernhof der Familie Fitze sein dürfen, bezeichnet Klassenlehrerin Darinka Egli als echten Glücksfall. Für Chläus und Sandra Fitze bedeutet es zwar einen Zusatzaufwand, die Kinder in der Arbeit anzuleiten, doch sie beschweren sich darüber nicht. Im Gegenteil: Der Umgang der Fitzes mit den Kindern ist herzlich und sie scheuen keinen Aufwand, um der Klasse einen Eindruck vom Leben auf dem Bauernhof zu vermitteln. «Aus den Fitzes wären auch gute Pädagogen geworden», sind sich Darinka Egli und Achim Arn einig.

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