Unternehmer wollen sich politisch engagieren

Der KMU Region Hinterthurgau will vermehrt aktiv zu politischen und gesellschaftlichen Themen Stellung beziehen, welche das Gewerbe und die Wirtschaft tangieren. So sei es wichtig, die unternehmerischen Freiheit zu wahren. Dies betonte deren Präsident, Clemens Albrecht, an der Jahresversammlung in Fischingen.

Christof Lampart
Merken
Drucken
Teilen
Der Präsident von KMU Region Hinterthurgau, Clemens Albrecht. (Bild: Christof Lampart)

Der Präsident von KMU Region Hinterthurgau, Clemens Albrecht. (Bild: Christof Lampart)

FISCHINGEN. Vor 66 Mitgliedern und einigen Gästen forderte der Präsident von KMU Region Hinterthurgau, Clemens Albrecht, im Kloster Fischingen mehr Courage ein, wenn es um die Wahrung der eigenen unternehmerischen Interessen gehe.

Wertschöpfung ist unabdingbar

Damit es der Gesellschaft auf lange Sicht gut gehe, sei es vonnöten, die bisher geltenden unternehmerischen Freiheiten zumindest zu wahren und zugleich, wenn möglich, den Ausbau des Sozialstaates zu stoppen. Es sei zwar schön, dass es in der Schweiz ein gut funktionierendes Sozialnetz gebe, doch Wohlstand und Sicherheit könnten auf Dauer nicht durch eine anhaltende staatliche Umverteilung gewährleistet werden. Um das bisherige Niveau in einem zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Umfeld mit stagnierendem Wirtschaftswachstum, rückläufigen Bestellungen und einer sich anhaltend und immer schneller nach unten drehenden Preisspirale auch nur halten zu können, sei eine nachhaltige Wertschöpfung mehr denn je unabdingbar. Doch eine solche könne nur durch die entsprechenden politischen Entscheide und rechtlichen Rahmenbedingungen garantiert werden, weshalb der KMU Region Hinterthurgau beschlossen habe, sich zukünftig vermehrt zu Themen öffentlich vernehmen zu lassen, die seine Mitglieder direkt etwas angingen, so Albrecht.

Ernüchtert zeigte sich Albrecht, der selbst für die SVP im Kantonsrat sitzt, über die magere Beteiligung von 27,9 Prozent an den letzten Grossratswahlen im Bezirk Münchwilen. «Da habe ich mir schon Gedanken darüber gemacht. Eine Stimmbeteiligung von unter 30 Prozent ist einer Demokratie eigentlich unwürdig. Wir haben so eine Freiheit und so viele Möglichkeiten mitzureden – und man bringt nicht einmal 30 Prozent dazu, abstimmen zu gehen», erklärte Albrecht.

Gegen einjährige Anlehre

Auch sprach sich Albrecht deutlich gegen die Einführung einer einjährigen Anlehre für lernschwache Jugendliche aus. Für ihn sei diese «Nivellierung nach unten» kein gutes Zeichen. Man könne ihm nicht weismachen, dass ein Jugendlicher mit gewissen Defiziten nicht in der Lage sein sollte, eine zweijährige Anlehre zu absolvieren. Mit Fleiss sei auch eine solche in der Regel zu schaffen. Zudem würde eine Aufsplitterung der Lehren dafür sorgen, dass zwar die Anforderungen sänken, kaum aber die Löhne. «Dann kommen wieder die Gewerkschaften und verlangen Mindestlöhne, die dem Können der Leute nicht entsprechen. Dies dürfte dann aber zur Folge haben, dass man als Unternehmer gerade jene, die die Anstellung dringend benötigen, aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr anstellen kann».

Unspektakulär, nämlich mit einer schwarzen Null, schloss die Rechnung 2015. Man wolle die Ausgaben decken und keine Vermögen anhäufen, erklärte Kassierin Monika Schwager. Im Grunde genommen wäre der Gewinn höher gewesen, doch nahm man eine Rückstellung von 1500 Franken für das im Herbst 2017 geplante KMU-Forum vor. Das Eigenkapital beläuft sich auf 21 100 Franken. Die Rechnung 2015 wurde ebenso einstimmig genehmigt wie das Budget 2016, das einen Mehrertrag von 200 Franken vorsieht.