Unternehmen erhalten kein Land

In Münchwilen wird an allen Ecken und Enden gebaut. Die Einwohnerzahl ist im vergangenen Jahrzehnt um fast 600 Personen gestiegen. Die Anzahl Arbeitsplätze nimmt aber trotz vorhandener Nachfrage ab. Dies hat einen Grund.

Simon Dudle
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Bauboom in Münchwilen: Im Vordergrund entstehen auf dem Waldegg-Areal 36 Eigentumswohnungen, hinten wird eine Migros-Filiale errichtet. (Bild: Simon Dudle)

Bauboom in Münchwilen: Im Vordergrund entstehen auf dem Waldegg-Areal 36 Eigentumswohnungen, hinten wird eine Migros-Filiale errichtet. (Bild: Simon Dudle)

MÜNCHWILEN. Der Hinterthurgauer Bezirkshauptort wächst und wächst. 5241 Personen wohnten per Ende des vergangenen Jahres in Münchwilen. Zehn Jahre zuvor waren es noch 4607 gewesen – ein Wachstum um fast 14 Prozent. Und die Zahl wird weiter steigen. Kranen gehören derzeit zum Dorfbild wie die Murg oder die Frauenfeld-Wil-Bahn. «Offenbar sind die Rahmenbedingungen in Münchwilen für Investoren, Bauherrschaften und Banken gut», sagt Gemeindepräsident Guido Grütter.

Neue Einwohner bringen neue Steuereinnahmen, die in Münchwiler Zeiten von Steuerfusserhöhungen doppelt willkommen sind. Allerdings hat der Bauboom auch eine Kehrseite. Immer wieder bekommt Grütter zu hören, dass zu viel gebaut werde. Er pflegt zu entgegnen: «Das ist gut so. Es bedeutet, dass private Investoren und Bauherrschaften an eine gute Zukunft am Standort Münchwilen glauben. Das bedeutet wiederum eine gute Zukunft für alle.»

Viele Anfragen

Während sich immer mehr Personen Münchwilerin oder Münchwiler nennen, bietet die Gemeinde immer weniger Arbeitsplätze. Im Bereich Industrie und Gewerbe wird kaum gebaut. Der Hauptort des gleichnamigen Bezirks verzeichnete in den vergangenen Jahren eine Abnahme an Arbeitsplätzen. Münchwilen hat im Vergleich mit anderen Gemeinden in der Region gar eine unterdurchschnittliche Arbeitsplatzdichte. Dabei ist Industrie- und Gewerbeland vorhanden, und Grütter hat jeden Monat mehrere Anfragen von Firmen, die sich gerne ansiedeln würden.

Das Problem: Die Grundstücke sind entweder nicht verfügbar, ungenügend erschlossen, die Preisvorstellungen zu hoch oder Neubauvorhaben durch Rechtsverfahren blockiert wie im Gebiet Murgtalstrasse. Private Investoren und Grundbesitzer planen darum in enger Zusammenarbeit mit der Gemeindebehörde eine Verbesserung der Verfügbarkeit von gut erschlossenem Bauland für das ortsansässige Gewerbe.

Entfernte Hoffnung

Der Hauptgrund für den Rückgang an Arbeitsplätzen ist in der anhaltenden Deindustrialisierung zu sehen. Die Firma Sealed Air hat zum Beispiel merklich weniger Mitarbeiter als noch vor 30 Jahren. Münchwilen hat es in der Vergangenheit verpasst, Gewerbezonen ausserhalb des Wohngebiets auszuscheiden. Der Autobahnbau in den 1960er-Jahren wäre ein guter Zeitpunkt dafür gewesen. Andernorts, zum Beispiel in Wängi oder Sirnach, ist das geschehen.

Nun bekommt man in Münchwilen die Quittung serviert. «Wenn an besten Lagen Kieshaufen liegen, ist das frustrierend», sagt Grütter. Er rechnet damit, dass weitere Firmen die Gemeinde verlassen oder aufhören. Seine grosse Hoffnung ist der geplante Entwicklungsschwerpunkt Wil West – der aber frühestens in zehn Jahren Realität wird. So lange wartet kein Unternehmer mit dem Ausbau.

Guido Grütter Gemeindepräsident Münchwilen (Bild: Nana do Carmo)

Guido Grütter Gemeindepräsident Münchwilen (Bild: Nana do Carmo)