UNTERNEHMEN: Die Schweiz – ein Hort der Stabilität

Die Schweiz und Deutschland belegen in der globalen Wirtschaft Spitzenplätze, sagt Wolfgang E. Schultz. Der Seniorchef der gleichnamigen Firma in Oberrindal war Referent an der Aschermittwoch-Veranstaltung der Arbeitgebervereinigung Uzwil.

Philipp Stutz
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Referent Wolfgang E. Schultz mit Christof Oswald, Präsident der Arbeitgebervereinigung der Region Uzwil. (Bilder: Philipp Stutz)

Referent Wolfgang E. Schultz mit Christof Oswald, Präsident der Arbeitgebervereinigung der Region Uzwil. (Bilder: Philipp Stutz)

Philipp Stutz

philipp.stutz@wilerzeitung.ch

Die Schweiz habe über Jahrhunderte ein solides Fundament für die direkte Demokratie geschaffen, anerkannte Wolfgang E. Schultz, Seniorchef der Magnet-Schultz, an der gut besuchten Aschermittwoch-Veranstaltung der Arbeitgebervereinigung Uzwil und Umgebung. Überhaupt hielt sich der Gast aus Deutschland mit Lob nicht zurück. Bezüglich Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität brauche das Land den internationalen Vergleich keineswegs zu scheuen. «Die Schweiz und Deutschland belegen global in wirtschaftlicher Hinsicht Spitzenplätze», sagte Schultz. Trotzdem werde geklagt.

Und Politiker fühlten sich verpflichtet, noch immer nachzulegen. «Wenn man auf dem Everest ist, wo will man dann noch hin?», fragte sich der passionierte Bergsteiger metaphorisch. «Finetuning» habe noch immer seinen Platz. Vor allem aber gelte es, die Substanz zu erhalten und zu pflegen.

Arbeitszeit wieder auf 40 Stunden erhöht

Die Firma Schultz, 1912 gegründet, hat von 2011 bis 2016 insgesamt 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen und 200 Millionen Euro investiert. Sie hat die Arbeitszeit von wöchentlich 35 wieder auf 40 Stunden erhöht und nur noch Einzelverträge mit den Mitarbeitenden abgeschlossen. «Der globale Wettbewerb ist uns vertraut, ebenso die neuen Technologien und Investitionen», betonte Schultz, der die Geschäftsführung seinem Sohn Albert übergeben hat .

Die effiziente Bildung sei zu fördern, und dies unter Beibehaltung der dualen Berufsbildung. Der Referent plädierte für den Euro als notwendigen Baustein, um Europa eine global angemessene Rolle zu sichern. «Eine Trennung hätte jetzt fatale Folgen für mehrere Jahre.» Aussagen, die Schultz vor 20 Jahren gemacht hat und zu denen er noch heute steht. Mit der Überbewertung des Schweizer Frankens müsse man leben, sagte der Elektroingenieur ETH, der sich auch als Befürworter der Kernenergie zu erkennen gab.

Zurzeit beschäftigt Magnet-Schultz 120 Mitarbeitende in Oberrindal. «Für meine Generation waren sachliche und emotionale Gründe für diesen Standort ausschlaggebend», sagte Schultz. Stabilität, Bildung und Qualifikation der Arbeitskräfte sowie logistische Leistung in der Materialversorgung seien wichtige sachliche Argumente gewesen.

Und als der deutschen Metallindustrie in den 1990er-Jahren die nach Schultzens Ansicht «strunzdumme» 35-Stunden-Woche aufgezwungen wurde, habe die Schweizer Firma mit ihrer 41-Stunden-Woche und weniger Ferien mehrere Kundenbeziehungen gerettet. Gefragt seien heute hochanspruchsvolle Qualitätsprodukte – mit stark zunehmender Prozessautomatisierung und hochwertigem Material, das nur von deutschen und Schweizer Lieferanten erhältlich sei.

Bekenntnis zum Standort Oberrindal

Anspruchsvolle Produkte würden sich schlecht machen in so genannten Low-Cost-Countrys. So produziere BMW keine Schlüsselteile in solchen Ländern, nicht mal in Italien oder Spanien. Die Firma Schultz werde weiterhin in Oberrindal tätig sein, bekannte der Seniorchef. Dies allerdings in der Hoffnung, dass die Schweiz ihre Werte mindestens so gut weiter pflege, wie das Deutschland tue.