UNTERKUNFT: Flüchtlinge ziehen aus dem «Loch»

Seit sieben Jahren sind in der Zivilschutzanlage beim Gemeindehaus Rickenbach/Wilen Asylsuchende untergebracht. Ab September soll damit Schluss sein. Die Politische Gemeinde Wilen hat zehn Wohncontainer gekauft. Die Nachbarn sind nicht erfreut.

Simon Dudle
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Leben im Betonkeller: Künftig sollen Asylsuchende in Wilen mehr Tageslicht bekommen. (Bild: Coralie Wenger (7. Dezember 2012))

Leben im Betonkeller: Künftig sollen Asylsuchende in Wilen mehr Tageslicht bekommen. (Bild: Coralie Wenger (7. Dezember 2012))

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Wilens Gemeindepräsident Kurt Enderli bezeichnet die Zivilschutzanlage als «Loch» und «Betonkeller». Tageslicht gibt es keines. In dieser sind aktuell zehn Asylsuchende aus Eritrea und Afghanistan untergebracht. Zwei weitere können zugeteilt werden.

Die Zustände haben seit der Eröffnung der Anlage im Jahr 2010 immer wieder für Diskussionen gesorgt – und zu zwei Einsprachen. Eine erste wurde kurz nach der Eröffnung teilweise gutgeheissen, weshalb oberirdisch zwei Wohncontainer mit Tageslicht aufgestellt werden mussten. Noch heute stehen sie dort. Eine zweite Einsprache wurde vergangenes Jahr abgewiesen.

Enderli: «Gemeindekassen werden nicht belastet»

«Wenn eine Zivilschutzanlage in militärischem Regime geführt und regelmässig gereinigt wird, geht das. Ansonsten wird es schnell schmuddelig. Wir haben zu lange zugewartet», sagt Enderli. Dies auch darum, weil mehrere Varianten im Dorf geprüft wurden, ohne allerdings zu einer Lösung zu kommen. Nun ist für Enderli die Zeit reif für eine Veränderung: Das Alterszentrum Tannzapfenland in Münchwilen, in den letzten Jahren mit Umbauarbeiten beschäftigt, bot zehn Wohncontainer zum Verkauf an. In diesem wohnten während des Umbaus ältere Menschen. Wilen hat die Container für 30000 Franken gekauft. Es entstehen weitere Kosten für Abbau, Transport und Instandstellung auf der Wiese westlich des Gemeindehauses. Total werden 200000 Franken benötigt. Allerdings werden die Gemeindekassen Wilens und Rickenbachs – die Unterbringung von Asylsuchenden organisieren die beiden Kommunen gemeinsam – laut Enderli nicht belastet. «Wilen schiesst die 200000 Franken vor. Dieser Betrag wird in fünf Jahren abgeschrieben. Das Geld kommt auf ein Konto, auf welches auch die Beiträge des Bundes als Entschädigung für die Aufwände der Gemeinde gebucht werden.»

In den heutigen beiden Containern wird sich künftig die Waschküche befinden. Angegliedert ist ein Aufenthaltsraum mit Küche. In den angeschafften Containern gibt es sieben Zimmer mit je zwei Betten. Zusätzlich sind je zwei Duschen, WCs mit Lavabos geplant. Jeder Container hat Wasser. Der Zugang wird neu von nördlicher Seite erfolgen.

Verletzter Eritreer nach Messerattacke

Noch bis zum 15. April läuft die öffentliche Auflage. Bis dann können die Baupläne im gemeinsamen Gemeindehaus der beiden Politischen Gemeinden eingesehen werden. Bis gestern sind keine Einsprachen eingegangen. Enderli wäre aber nicht überrascht, wenn es welche gäbe. Denn er hat die Nachbarn im Vorfeld eingeladen, um die Zivilschutzanlage zu besichtigen und die Pläne zu sichten. «Sie waren nicht begeistert und haben das Gefühl, ihre Liegenschaften würden entwertet», sagt Enderli. Er kündigt an, Einsprachen betreffend Wertminderung abzuweisen. «Der Kanton stellt uns die Asylsuchenden vor die Türe. Wir können nicht wählen. Die erforderlichen Grenzabstände werden eingehalten.»

Einher mit diesem Projekt geht ein Wechsel der Hauptverantwortung betreffend Asylsuchenden-Betreuung. Hatte bis anhin Rickenbach den Lead, so hat dieser nun zu Wilen gewechselt. Für Rickenbachs Gemeindepräsident Ivan Knobel wäre auch denkbar gewesen, die bestehende Lösung mit der Zivilschutz­anlage aufrechtzuerhalten, so man gewisse Unterhaltsarbeiten durchgeführt hätte.

Gibt es keine Einsprachen, sollen die Container Ende September dieses Jahres bezugsbereit sein. Die Asylsuchenden in der Zivilschutzanlage wären Geschichte. Von den sieben Jahren wird vor allem 2014 in Erinnerung bleiben. In diesem Jahr blieb die Unterkunft während mehrerer Monate geschlossen, da die Nachfrage nicht mehr vorhanden war. Kaum war sie wieder offen, gerieten zwei Eritreer aneinander. Auch ein Messer war mit im Spiel. Einer der beiden landete mit Schnittwunden im Spital.