Unterhaltung auf einem bestimmten Niveau

Flawil. Selten so gelacht – nein, es ist nicht der Ethanol-Alkohol-Aprilscherz vom Freitag in dieser Zeitung gemeint. Auch da hat man gelacht, er kam wie ein Skandalprimeur daher und war am Ende doch nur heisse Luft.

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Flawil. Selten so gelacht – nein, es ist nicht der Ethanol-Alkohol-Aprilscherz vom Freitag in dieser Zeitung gemeint. Auch da hat man gelacht, er kam wie ein Skandalprimeur daher und war am Ende doch nur heisse Luft. So sollen Aprilscherze sein – ein heiterer Moment im Leben und morgen schon wieder vergessen. Nicht so schnell vergessen werden die Zuschauenden den Abend desselben Tages.

Selten hat man nämlich so gelacht, und manchen ist dabei das Lachen im Hals steckengeblieben. Die Rede ist vom Programm «Liveschaltung» des Komiker-Duos «Messer & Gabel» alias René Sulser und Rolf Kern in der Spurbar im katholischen Pfarreizentrum.

Es begann harmlos

Es begann harmlos: «Wir wollen unwichtige Fragen stellen. Zum Beispiel: Hat ein Elephant Angst vor der Grauzone? Hat eine Sau auch schweinische Gedanken? Kommt der Orgasmus auch zum Höhepunkt?» Bei den nächsten Fragen stellen «M & G» höhere Ansprüche: «Wenn ein Schizophrener mit Selbstmord droht, ist das Geiselnahme?» Kurzes Schweigen im Saal, dann verhaltenes Lachen. «Wenn nichts am Teflon kleben bleibt, wie machen sie dann den Teflon an der Pfanne fest?» Lauteres und längeres Lachen im Saal.

In positiver Erinnerung

«Der Anlass bleibt bei Ihnen in positiver Erinnerung», schreiben «M & G» auf ihrer Website. Das Eine und Andere bleibt gewiss in Erinnerung. Ob aber in positiver? Weiter geht's in der «Liveschaltung» mit News: «Kürzlich hat der Schlagersänger Christian Anders seine Biographie herausgegeben», enthüllt Moderator Gabel, «darin steht, dass er Sex mit Rex gehabt hätte. Leider hat Anders das ein wenig falsch formuliert, denn alle dachten, dass er Sex mit Rex Gildo gehabt hätte. Dabei sei es nicht der Gildo gewesen, sondern der Kommissar Rex.» Lachen im Pfarreizentrum.

Auf höchstem Niveau

«Mit einer gekonnten Mischung aus Comedy, Zauberei und Moderation servieren wir Ihnen Unterhaltung auf höchstem Niveau.» Auch das steht auf der erwähnten Homepage. Es folgt also eine Zaubernummer. In dieser macht Messer ein vom Publikum geliehenes Zehnernötli zu einem Zwanzgernötli. Wow! Dazu ein kleines Scherzchen: «Vor zwei Wochen habe ich meiner Frau ein Kilo Orangen heimgebracht. Damit ihre Haut nicht so alleine ist, während ich weg bin.» Bös. Trotzdem gibt es Lacher im Publikum. Dann macht der eloquente Zauberer aus einer Hunderternote eine Zehnernote. Godi, der Geldleiher in der vordersten Reihe, will seinen Hunderter zurück. Gibt's nicht.

Den Kasperl machen

Stattdessen muss sich der arme Godi ein Schwyzerörgeli umhängen und auf der Bühne den Kasperl machen, währenddem «M & G» im Halbminutentakt in verschiedensten Verkleidungen bei wechselnder Musik auf der Bühne herumzappeln. Noch vor der Pause folgt eine Lektion in Aggressiontherapie. Gabel: «Warum sollten Sie ihre Aggressionen an jemandem auslassen, den Sie kennen? Lassen Sie sie doch an jemandem aus, den Sie nicht kennen!» Kurz gesagt funktioniert die Therapie in etwa so, dass man unbekannten Leuten möglichst oft die Bezeichnung «Arschloch» anhängt.

Das ist Unterhaltung auf hohem Niveau. Und nicht mal übertrieben – wenn man die Messlatte an den Fusssohlen ansetzt. Michael Hug

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