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Unordnung bringt den Kuckuck zurück

Die Grashalme reichen bis zu den Oberschenkeln. Dazwischen wachsen verschiedene Blumen. Arten, die vor Jahrzehnten die Wiesen färbten und heute fast verschwunden sind: Margriten. Auf dem Wiesland von Roland Heuberger blühen sie noch immer – seit nunmehr fast 14 Jahren.
Zita Meienhofer
Ökoflächen sind Roland Heuberger (2. v. l. mit grünem Mäppchen) wichtig. Für den Landwirt und Agronom ETH braucht es extensiv bewirtschaftete Wiesen, damit Tiere und Pflanzen einen Lebensraum haben. (Bild: Zita Meienhofer)

Ökoflächen sind Roland Heuberger (2. v. l. mit grünem Mäppchen) wichtig. Für den Landwirt und Agronom ETH braucht es extensiv bewirtschaftete Wiesen, damit Tiere und Pflanzen einen Lebensraum haben. (Bild: Zita Meienhofer)

Die Grashalme reichen bis zu den Oberschenkeln. Dazwischen wachsen verschiedene Blumen. Arten, die vor Jahrzehnten die Wiesen färbten und heute fast verschwunden sind: Margriten. Auf dem Wiesland von Roland Heuberger blühen sie noch immer – seit nunmehr fast 14 Jahren. Seit Heuberger einen Biohof betreibt und zahlreiche ökologische Ausgleichsflächen geschaffen hat.

Diese ökologischen Flächen sind es, die den Naturschutzverein Niederhelfenschwil-Zuzwil die wenigen Schritte über die Kantonsgrenze hinweg ins thurgauische Gabris machen liessen. Die Wiesen, die Hecken, den Hochstammobstgarten sowie den Tümpel wollen die St. Galler besichtigen und sich informieren, wie ein «Ökolandwirt» seine Existenz sichert.

Milch, Obst, Biodiversität

Es war kein Schlüsselerlebnis, das Roland Heuberger dazu getrieben hat, aus dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb einen Biohof zu machen. Einerseits mochte er nicht ständig Dünger und andere Schadstoffe auf die Wiesen kippen. Andererseits war er neugierig darauf, mit der Natur zu arbeiten und deren Mechanismen zu verstehen. Die funktionieren aber nur, wenn die Pflanzen und Tiere ihre Lebensräume haben. Sukzessive hat Heuberger von seinen 22 Hektaren Land 30 Prozent ökologisch wertvolle Flächen geschaffen. Er besitzt 200 Hochstammbäume, schuf 400 Meter Hecken sowie 260 Meter Feldsaum und erstellte einen Teich. Es freue ihn, sagt er, dass es möglich sei, auf diese Weise einen Hof zu führen, der rentiere. Sein Einkommen sichert er sich aus dem Milchertrag der 26 Holstein-Kühe, dem Ertrag des Mostobsts sowie den Entschädigungen für die nachhaltige Nutzung seines Landes.

Wissen und Einsatz sind gefragt

Dafür, dass Heuberger sein Land pflegt, damit Pflanzen gedeihen und Tiere leben können, dass er dem Land wieder die natürlichen Nährstoffe zuführt, erhält er finanzielle Beiträge vom Bund. Absurd? «Nein», sagt Heuberger, «würde ich den Boden ohne Rücksicht bearbeiten, würde er das über längere Zeit nicht aushalten. Es braucht den ökologische Ausgleich, und dieser fordert Wissen und Einsatz.» Heuberger erzählt von der Durststrecke, die er nach der Umstellung überwinden musste, von der Planung der Ökoelemente, die eine wirtschaftliche Nutzung des Landes erst ermöglichen. «Ökologie ist anspruchsvoll, wenn man es gut machen will», sagt er. Und die Arbeit setze Freude an der Sache voraus. Heuberger und seine Frau Mariette sind überzeugt von dem, was sie tun: «Wir haben schon Ökoflächen geschaffen, bevor es Geld dafür gab.»

Die Freude des Abends

Auf dem Rundgang wird sichtbar, was geschaffen wurde. Hecken mit verschiedenen Pflanzen, vor allem auch dornentragenden, die den Bodenwind bremsen und für ein besseres Klima sorgen. Ein toter Baum, der nicht umgesägt wurde und den Tieren dient. Ein Tümpel, mit Lehm abgedichtet. Ein alter Baum samt Insektenhotel und Ruhebank. Aufgewertete Waldränder, extensive Wiesenflächen, ein Hochstammobstgarten. Immer wieder wollen die Teilnehmenden wissen, wie Heuberger die Mäuse im hohen Gras bekämpft. «Gar nicht», sagt dieser, denn es hat kaum welche. Die natürlichen Feinde wirken. Darüber ist er selber erstaunt. Auch das Düngen ist ein Thema. Gedüngt hat er die Obstbäume seit 15 Jahren nicht. Staunen in der Runde. Roland Heuberger erzählt vom ökologischen Ausgleich, von der Tatsache, dass der Boden durch das hohe Gras viele Nährstoffe enthält. «Man muss den Mut zur Unordnung haben», erklärt er. Später macht sich ein Kuckuck bemerkbar. Heuberger ist aus dem Häuschen. Schon seit Jahren hat er keinen mehr gehört. Kuckucke, die die Raupen auf den Brennnesseln fressen, hatten keine Nahrung mehr, da Brennnesseln nicht geduldet wurden. Seit etwas «Unordnung» herrscht, hat auch er wieder zurück gefunden.

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