UNIHOCKEY: Die positive Wirkung der Breite

Der Weg zum Herisauer 6:5 in Urdorf ist von Geduld geprägt. Dreimal geht der Gast mit einem Tor in Führung, zweimal Limmattal. Der erste Playoff-Viertelfinal verläuft eng und leidenschaftlich.

Lukas Pfiffner, Urdorf
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Knapp voraus: Der Herisauer Stürmer Jonas Wetter (rechts) behauptet sich gegen den Zürcher Lukas Wittwer. (Bild: Lukas Pfiffner)

Knapp voraus: Der Herisauer Stürmer Jonas Wetter (rechts) behauptet sich gegen den Zürcher Lukas Wittwer. (Bild: Lukas Pfiffner)

Lukas Pfiffner, Urdorf

lukas.pfiffner@appenzellerzeitung.ch

57. Minute. Michael Hess, einer von sechs Herisauer Torschützen, befreit in extremis und im Stürzen; er hat keine Zeit, daran zu denken, dass er bald als bester Gästespieler ausgezeichnet werden könnte. 58. Der Ball prallt hinter dem Herisauer Tor über die Bande, David van Haaften blickt zum einen Schiedsrichter und ist erleichtert, dass dieser auf Herisauer Ballbesitz entscheidet. 59. Der Ausserrhoder Captain Jan Keller treibt den Ball über die Mittellinie und nimmt wieder ein paar Sekunden von der Uhr. 60. Lukas Wittwer, einer der dominierenden Limmattaler, setzt den letzten, verzweifelten Schuss über die Latte.

Dann ist das erste Playoff-Viertelfinalspiel der Gruppe 2 zu Ende. Michael Hess erhält als «Best Player» des UHC Herisau eine Packung Schokolade, und Trainer Roman Bischof sagt: «Wir haben verdient gewonnen, weil wir aktiver waren. Aber wir brauchten enorm viel Geduld.»

Personal reduzieren, Personal erweitern

Der Vierte und der Fünfte der 1.-Liga-Qualifikation lieferten sich am Freitagabend in Urdorf einen engen Kampf. Bis zur 52. Minute führten die Ausserrhoder dreimal mit einem Tor, die Limmattaler zweimal. Dann gelang Löhrer der sechste He­risauer Treffer, der sich als entscheidend erwies. «Wir mussten darauf achten, in der Mittelzone keine Fehler zu machen», blickte der Trainer zurück.

Herisau wirkte mehrheitlich aufmerksam, nützte das Feld gut und versuchte sein Heil oft mit langen Bällen aus der eigenen Zone. Aber die Einheimischen hatten gefährliche Individualisten in ihren Reihen. Herisaus Goalie Raffael Zwissler reckte die Faust, nachdem er in der 38. Minute einen Ball reaktionsschnell auf die Seite gelenkt hatte. Beide Mannschaften verzeichneten nicht nur starke Torhüterleistungen, sondern auch je ein rasches Tor: Neun Sekunden nach der ersten Pause traf Limmattal, 26 Sekunden nach der zweiten Pause Herisau.

Die Zürcher schickten ab dem zweiten Drittel weitgehend nur noch zwei Linien auf das Feld. Der Gast reagierte gegenteilig, indem er mit Gemperle und van Haaften weiteres Personal einsetzte. «Wir wollten mit den beiden neuen Flügeln zusätzlichen Druck entwickeln, physisch weiter präsent sein», sagte Roman Bischof. Bei aller Leidenschaft war auf beiden Seiten die Disziplin bemerkenswert; eine einzige Strafe wurde gepfiffen. Die betraf in der 56. Minute Herisaus Aldo Blaser und hatte Folgen: Im Powerplay gelang Limmattal das Anschlusstor.

«Wir schauen die Gesamtentwicklung an»

Mit vier Niederlagen aus fünf Spielen waren die Herisauer in den Jahreswechsel gegangen, von den sieben Spielen im Januar und Februar gewannen sie dagegen fünf und blieben nur einmal ohne Punkt. Herisaus Trainer freute sich deshalb nicht nur am Augenblick. «Wir schauen die Gesamtentwicklung an: Die Arbeit in den vergangenen sechs, sieben Wochen war sehr gut und wird belohnt.» Der Viertelfinal geht am Samstag im Sportzentrum in die zweite Runde. «In der Breite sind wir wohl etwas besser besetzt als Limmattal», glaubt Bischof. Sollten die Zürcher die Serie ausgleichen, findet schon am Sonntagnachmittag in Urdorf eine dritte Partie statt.

Brisanz steckt auch in den weiteren Playoff-Spielen der Ostschweizer Gruppe. Zug (gegen Nesslau) und Pfannenstiel (gegen Frauenfeld) gewannen wie der UHC Herisau mit einem einzigen Tor Unterschied. Ausgerechnet der Qualifikationssieger aus Widnau, die Rheintal Gators, musste sich trotz sieben Toren (!) im dritten Drittel zu Hause Bülach 8:11 geschlagen geben.

Limmattal – Herisau 5:6 (2:2, 1:0, 2:4)

Zentrumshalle Urdorf. – 126 Zuschauer. – Sr. Meyer/Küenzi.

Tore: 7. Hess (Brunner) 0:1. 13. Miller (S. Ladner) 1:1. 16. Hug (Keller) 1:2. 20. L. Wittwer (E. Benz) 2:2. 21. A. Ladner (S. Ladner) 3:2. 41. Blaser 3:3. 42. L. Wittwer (Hofstetter) 4:3. 48. L. Rüesch (Blaser) 4:4. 49. Schwarz (Wetter) 4:5. 52. Löhrer (Gemperle) 4:6. 57. Gitonga (A. Ladner, Ausschluss Blaser) 5:6.

Herisau: Zwissler; Solenthaler, Romualdi; Schwarz, L. Rüesch; Brunner, Wolf; Blaser, Stern, Germann; Hug, Keller, Löhrer; Meier, Wetter, Hess; van Haaften, Gemperle.

Strafen: Limmattal keine, Herisau 1-mal 2 Minuten.

Bemerkungen: 52:00 Time-out Limmattal, 56:08 Time-out Herisau.