Unia sieht schwarz bei Swiss Caps

KIRCHBERG. Die Mitarbeitenden des Kirchberger Pharmaunternehmens Swiss Caps müssen künftig bei gleichem Lohn zwei Stunden länger arbeiten. Zudem werden die Grenzgänger neu in Euro bezahlt. Bei Swiss Caps nahm bislang niemand Stellung.

Hans Suter
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Keine Auskunft aus dem Verwaltungsgebäude der Firma Swiss Caps an der Husenstrasse in Kirchberg. (Bild: Hans Suter)

Keine Auskunft aus dem Verwaltungsgebäude der Firma Swiss Caps an der Husenstrasse in Kirchberg. (Bild: Hans Suter)

KIRCHBERG. Hätte die Gewerkschaft Unia nicht Wind von den Vorgängen bei Swiss Caps erhalten, wäre noch mehr unter dem Deckel der Verschwiegenheit geblieben. Mehr, als die Öffentlichkeit zu informieren, vermochte die Unia bislang aber nicht zu erreichen. «Uns sind die Hände gebunden», sagt Erich Kramer, Industriesektor Ostschweiz bei der Unia. «Das Unternehmen untersteht keinem Gesamtarbeitsvertrag. Somit sind wöchentlich bis zu 45 Arbeitsstunden erlaubt, wenn sich die Belegschaft nicht dagegen wehrt.»

Offensichtlich Angst im Spiel

«Ich sehe schwarz», sagt Erich Kramer. «Bis heute hat sich kein Mitarbeiter bereit erklärt, unsere Dienste in Anspruch zu nehmen, damit wir ein Mandat für Verhandlungen mit der Geschäftsleitung erhalten.» Damit sich die Unia für die Belegschaft wehren kann, müsste mindest ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin Mitglied der Unia sein oder werden und die Dienste der Gewerkschaft in Anspruch nehmen. «Wäre dies der Fall, könnten wir versuchen, vier bis fünf weitere Mitarbeitende zu gewinnen, um mit ihnen eine Personalkommission zu bilden», sagt Kramer. Warum die Mitarbeitenden nur die Faust im Sack machen und sich nicht zur Wehr setzen, weiss Kramer nicht. «Erfahrung lehrt, dass in solchen Situationen oft Angst vor Jobverlust im Spiel ist», sagt Kramer. Er lässt aber nicht locker und wird nach den Ferien einen Versuch unternehmen, Mitarbeitende zu gewinnen.

Keine Informationen

Kramer hat bislang weder von Swiss Caps in Kirchberg noch vom Mutterkonzern, der Aenovis-Gruppe mit Sitz in der Nähe von München, Informationen zu den Massnahmen erhalten. Ähnlich verhält es sich bei den Medien. Entweder ist bei Swiss Caps in Kirchberg keine der zuständigen Personen erreichbar, oder man wird auf später vertröstet. Danach hört man nichts mehr. Nachdem die Personalchefin am Telefon versprochen hatte, über das Mutterhaus abzuklären, ob und was sie sagen dürfe und dann Rückmeldung machen werde, ist sie ohne Einhalten des Versprechens in die Ferien verreist. Nichts zu sagen hat auch Standortleiter Reinhard Kerker. Er ist zwar der Herr im Haus, verweist jedoch an eine Pressesprecherin im Mutterhaus. Bei der angegeben Telefonnummer nimmt jedoch niemand ab.

Kritische Bewertung

Auf dem Bewertungsportal Kununu schneidet Swiss Caps bei den Mitarbeitenden mit 2,28 von 5 Punkten ab. Allerdings gibt es erst fünf Bewertungen. Ein Mitarbeiter bemängelt: «Entscheidungen werden getroffen, die Verantwortung dafür wird nicht getragen. Bereitschaft, Konflikte proaktiv anzugehen und zu vermitteln, ist nicht vorhanden. Ziele werden schwammig formuliert oder sind unrealistisch.» Bezüglich Kollegenzusammenhalt schreibt er: «Es gibt durchaus sehr nette Kollegen, doch sind sie in der Unterzahl. Im allgemeinen herrscht eine Atmosphäre der Missgunst und des Futterneids.»

Weniger Geld für mehr Arbeit

Swiss Caps lässt die Mitarbeitenden neu bei gleichem Lohn 42 statt bisher 40 Stunden pro Woche arbeiten. Deshalb haben die Mitarbeitenden eine Änderungskündigung erhalten. Die Massnahme ist nicht wie bei anderen Unternehmen befristet, sondern fix. Auch wenn sich der Euro erholen sollte, bleibt es bei den 42 Wochenstunden. Noch härter kommt es für die Grenzgänger. Diese müssen nebst der längeren Arbeitszeit auch noch Eurolöhne hinnehmen. Wer zum Beispiel in Konstanz wohnt, erhält seinen Lohn künftig in Euro. Und zwar zu einem Umrechnungskurs von 1,17 Franken. Das bedeutet, dass er nebst einer fünf Prozent längeren Arbeitszeit auch noch etwa acht Prozent weniger Lohn erhält.