Ungeklärter Mordfall in Edinburgh

Die im Wiler Neugruben-Quartier lebende Schriftstellerin und Lehrerin Alison Taylor hat im English Club Wil-Toggenburg ihren ersten Thriller vorgestellt. Ein Mord in der Vergangenheit holt die Beteiligten nach einem Klassentreffen ein.

Rolf Hürzeler
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Nach der Lesung signierte Alison Taylor die Bücher. Das Werk ist übrigens im Verlag Trubador erschienen. (Bild: Erna Hürzeler)

Nach der Lesung signierte Alison Taylor die Bücher. Das Werk ist übrigens im Verlag Trubador erschienen. (Bild: Erna Hürzeler)

WIL. Ein Teenager-Mädchen wird ermordet. Die Polizei der schottischen Hauptstadt Edinburgh ermittelt – und schnappt einen Geistigbehinderten. Der Unschuldige verschwindet jahrelang hinter Gittern, verfällt dem religiösen Wahn. Und der Täter geniesst unbehelligt das Leben.

Ein Justizirrtum

«Sewing the Shadows together», etwa die «Schatten fügen sich zu einem Bild», heisst der erste Thriller der in Wil lebenden schottischen Schriftstellerin und Englischlehrerin Alison Taylor, den sie unter ihrem Mädchennamen Baillie veröffentlicht hat. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden Protagonisten Sarah und Tom; sie war die Freundin des Opfers, er der Bruder. Die beiden begegnen sich 37 Jahre nach dem Meuchelmord an einem Klassentreffen in Edinburgh. Dieser Abend erweist sich für alle als schicksalsträchtig, Denn genau in jener Zeit nimmt die Polizei die Ermittlungen wieder auf, diesmal dank der DNA-Technik erfolgreicher – und erkennt den Justizirrtum. In der Folge stellt sich heraus, dass alle, die das Opfer kannten, etwas zu verbergen haben.

Charaktere haben gesprochen

Alison Taylor hat ihr Buch am Freitagabend den Mitgliedern des English Clubs Wil-Toggenburg im Hof vorgestellt. Sie hat eine Passage vorgelesen, in der Sarah auf ihre verschwundene Kollegin wartet, ohne zu wissen, was ihr geschah: «Meine beste Freundin kommt nicht mehr zurück… Ich spüre Panik, vergeblich. Die Erinnerungen an diese Stunden haben sie noch immer im Griff…» Taylor berichtet den Clubmitgliedern in Englisch, wie die Charaktere beim Schreiben lebendig geworden sind: «Sie haben zu mir gesprochen.»

Sie hat die Geschichte jahrelang mit sich herumgetragen. Aber erst mit der Pensionierung sei die Zeit gekommen, sie niederzuschreiben. 18 Monate arbeitete sie daran, oft bis tief in die Nacht hinein: «In den Siebzigerjahren sind in Grossbritannien immer wieder Serientäter aufgetreten; einzelne wurden jahrelang nicht gefasst», sagt Taylor. Da habe sie sich die Frage gestellt, wie kommen die Angehörigen von Opfern damit zurecht, dass der Mord an einem Nächsten nicht aufgeklärt wird? «Sie müssen täglich daran denken und darunter leiden.» Genau das ist das psychologische Grundthema dieses Thrillers, der sich durch die Glaubwürdigkeit der Charaktere auszeichnet.

Nur in englischer Sprache

Ihr Buch hat in der britischen Presse viel Aufmerksamkeit gefunden. So schreibt die «Yorkshire Post» in einem Porträt der Autorin von einem «packenden Thriller, der die Leser nicht loslässt». Tatsächlich führt die Geschichte den Leser auf zahlreiche Spuren, die sich immer wieder als falsch erweisen.

Alison Taylor ist überzeugt, dass ihre Erfahrungen als Lehrerin heute beim Schreiben helfen: «Ich habe soviel Literatur gelesen, dass etwas hängengeblieben sein muss.»

Wie bei jedem guten Krimi fehlt auch bei «Sewing the Shadows together» die Liebe nicht. Die beiden Protagonisten Tom und Sarah kommen sich schnell näher. Doch Sarah ist bereits verheiratet – eine vertrackte Sache. Wenn da nicht weitere Geheimnisse lauerten.

Der Roman ist nur auf Englisch erschienen. Er liegt in der Buchhandlung Ad hoc auf.