Unerwartetes Zusammentreffen

Von Frank Louis bearbeitete Dinge werden vom ihrem Warencharakter befreit und erhalten einen neuen – künstlerischen – Wert. Die Ausstellung ist noch bis zum 13. Oktober in der Kunsthalle zu sehen.

Christoph Oklé
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Frank im Doppelpack: Künstler Louis und Kunsthalle-Kurator Nievergelt. (Bild: cho)

Frank im Doppelpack: Künstler Louis und Kunsthalle-Kurator Nievergelt. (Bild: cho)

WIL. Im installativen Schaffen des Bildhauers Frank Louis begegnet keine «Nähmaschine einem Regenschirm auf dem Seziertisch», wie sich Isidore Lucien Ducasse, der sich auch Comte de Lautréamont nannte, im 19. Jahrhundert ausdrückte. Denn die Orte, die Louis für seine Objektbegegnungen wählt, sind nicht so befremdlich, eher ungewohnt für ein Kunstwerk. Die Gegenstände freilich, wie sie in seiner Ausstellung in der Wiler Kunsthalle zusammenkommen, sind von ebenso grosser Gegensätzlichkeit.

Künstlerisch entmüllt

Ihre Beschaffenheit und Anordnung haben durchaus eine Nähe zu Sperrmüll, wo alle Dinge eines Haushalts kunterbunt am Strassenrand ausgesetzt werden. Um Haaresbreite bleibt Louis bei seiner gestalterischen Gratwanderung auf der Seite der Kunst und hebt seine Materialinszenierungen in die Sphäre des Bizarren und Surrealen, wie es André Breton in seinem «Manifest des Surrealismus» ausdrückte.

Als Bildhauer ist Louis ein Gestalter von Objekten mit einem speziellen künstlerischen Konzept. Primär kreiert er Requisiten für seine Materialarrangements, die er «Aussetzungen» nennt. Einmal dem Fundus im Atelier entnommen, werden sie Teil einer Anordnung an einem sorgfältig ausgesuchten Ort im öffentlichen Raum und laufen dadurch Gefahr, von der Müllabfuhr als Sperrgut entsorgt zu werden.

Das eigentliche Kunstwerk bilden grosse Farbfotografien, die das Inszenierte dauerhaft festhalten. Die einzelnen Elemente der Installationen sind von extremer Unterschiedlichkeit, was Material, Form und Herkunft betrifft. Da sind einmal gefundene, durch formale Eingriffe umgestaltete Alltagsgegenstände. Durch die künstlerische Transformation werden zum Beispiel grüne Blumenkistchen, weisse Kunststoffkanister ohne Boden und Wände, rote Plastiksäcke mit blutegelartig angepfropften Twist-off-Gläsern oder gebündelte Holzlatten vom Baumarkt – vom Künstler mittels pinker Bemalung rollentauglich gemacht – zu einer Louis-Inszenierung.

Manche vom Künstler selbst hergestellte Objekte sind riesig vergrösserte Haushaltgegenstände wie Wattestäbchen oder mit Kunstpelz überzogene Bettflaschen. Mit farbigen Bändern umwickelte Stoffrollen und aus Ikea-Möbelteilen zusammengeschraubte, streng geometrische Konstruktionen gehören ebenso zum Repertoire wie ganz der Phantasie entsprungene Formschöpfungen. Diese werden vorwiegend mit einem Medium ausgeführt, das Frank Louis als besondere Möglichkeit des Gestaltens schätzt: der keramische Plastik.

Steinhartes organisch weich

Eine kleine Werkgruppe hiervon zeigt er auch in Wil. In ihrer weich fliessenden, sinnlichen, teils wie erschlafften Gestalt geben die Arbeiten das ursprünglich formbare Material Ton schon von weitem zu erkennen. Mir den angesetzten Henkeln, wie sie bei Taschen gebräuchlich sind, verraten die Werke auch Witz – als könnten die Plastiken durch das Hochziehen der Träger etwas straffer werden. Zusätzlich werden die Plastiken durch starke Gegensätze bestimmt; ein Aspekt, der dem Künstler besonders wichtig ist.

Die organisch weiche Gestalt besteht nach dem Brand aus steinhartem Material und erinnert an Sanitärkeramik und an die Sterilität eines Krankenhauses. Gleichzeitig strahlen die Formen eine Sinnlichkeit aus, die zur weissen Glasur in grossem Kontrast steht. Solche Widersprüche schätzt Frank Louis bei seinen Einzelwerken und den Kompositionen.

Frank Louis‘ Ausstellung in der Kunsthalle dauert bis zum 13. Oktober. Am 18. September findet um 19 Uhr eine öffentliche Führung statt.

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