Uneinig über «Schmitte»-Abbruch

Bauvisiere zeigen es an. An der Sternen- und Palmenstrasse sollen zwei ältere Liegenschaften neuem Wohnraum weichen. Das Baugesuch ist seit Sommer eingereicht. Der Ball liegt bei der kantonalen Denkmalpflege. Und die klemmt.

Andrea Häusler
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Das «Haus Nussbaumer» (rechts) dürfte laut erster Stellungnahme der Denkmalpflege abgebrochen werden, die Schmitte (links) jedoch nicht. (Bild: Andrea Häusler)

Das «Haus Nussbaumer» (rechts) dürfte laut erster Stellungnahme der Denkmalpflege abgebrochen werden, die Schmitte (links) jedoch nicht. (Bild: Andrea Häusler)

DEGERSHEIM. Die beiden Wohnhäuser befinden sich, leicht abseits der Hauptstrasse, im Dorfkern Degersheims. Es ist offensichtlich: an den einst schmucken Bauten am «Sternenplatz» hat der Zahn der Zeit genagt und sichtbare Spuren hinterlassen. Nun sollen sie zurückgebaut und durch neue Wohnhäuser mit Läden im Untergeschoss und Mietwohnungen oder Büro-/Praxisräumen in den Obergeschossen ersetzt werden. Bauherrin ist die degimmo AG von Reto und Franziska Bruggner.

Raumhöhen von 1,80 Metern

Eine Sanierung lohne nicht, sagt Reto Bruggner, der am Standort der beiden Altliegenschaften und des anschliessenden Garagentrakts drei neue Wohnbauten erstellen will. Er begründet dies nicht primär mit der Bausubstanz oder energetischen Mängeln, sondern mit grundlegenden Problemen wie den längst nicht mehr zeitgemässen Raumhöhen von 1,80 Metern. Vor den Sommerferien hat die Degimmo AG ihr Baugesuch eingereicht. Eine Baubewilligung liegt nicht vor. Das Projekt liegt seit geraumer Zeit zur Prüfung bei der Denkmalpflege. Degersheim befindet sich als sogenannt «verstädtertes Dorf» auf der Liste schützenswerter Ortsbilder von nationaler Bedeutung und somit auch im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos).

Vorhaben geprüft

Konkret bedeutet dies: Die Ortsbilder sollen als kulturelles Erbe erhalten und authentisch in Erscheinung, Substanz und Struktur geschützt werden. Wobei Anpassungen an die modernen Arbeits- und Lebensformen möglich sind, sofern sie die geschützten Ortsbilder nicht gefährden.

Das Isos stehe vor Herausforderungen, sagt Irene Hochreutener von der kantonalen Denkmalpflege. Denn es sei relativ neu, dass die Gemeinden das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz Isos (welches die Ortsbilder von nationaler Bedeutung beinhaltet) auch im Einzelfall berücksichtigen müssten. «Da muss man sich zuweilen auch finden.»

Der Kanton hat das Projekt der degimmo AG geprüft. «Aufgrund der gesetzlichen Grundlagen von Bund und Kanton, der Schutzverordnung der Gemeinde sowie unserer Fachkenntnisse», wie Hochreutener sagt. Zum Inhalt der Stellungnahme will sie keine Angaben machen.

«Schmitte» soll stehenbleiben

Die Degersheimer Gemeindebehörden und die Bauherrschaft haben den Bericht aus St. Gallen zur Kenntnis genommen. «Wir sind noch nicht befriedigt», sagt Gemeindepräsidentin Monika Scherrer, ohne ins Detail gehen zu wollen. Entsprechend sei der Ball nach St. Gallen zurückgespielt worden.

Die grösste Diskrepanz zwischen Kanton und Bauherrschaft liegt in der Bewertung der Liegenschaft Sternenstrasse 2 (Schmitte). Diese will die Denkmalpflege erhalten, sagt Reto Bruggner. Derweil das Haus Palmenstrasse 1 (Haus Nussbaumer) mit dem Zweiradsport-Geschäft Büchler im Erdgeschoss abgebrochen werden dürfe.

Mut, zu investieren

Bruggner hofft und ist nach wie vor zuversichtlich, dass noch eine Einigung erzielt werden kann. Das Projekt ist ihm wichtig. «Alle jammern über den hohen Steuerfuss, und kaum jemand hat den Mut, zu investieren», sagt er. Er will mit seinem Projekt einen Prozess anstossen. «Wenn alle zaudern, versauern wir auf unseren alten Strukturen.» Und wenn man sich trotz allem nicht findet? «Dann stirbt das Projekt», sagt Reto Bruggner nüchtern. Sich in einen jahrelangen Rechtsstreit zu begeben, komme für ihn nicht in Frage.

Reto Bruggner Degimmo AG, Degersheim

Reto Bruggner Degimmo AG, Degersheim