Und täglich grüsst der Zünsler

Er sieht putzig aus, ist aber ein gefrässiger Schädling: Der Buchsbaumzünsler. Bereits die dritte Population – allein 2012 – frisst sich dieser Tage an den Buchspflanzen in unserer Region satt. Wir wissen, warum, und was man dagegen tun kann.

Mario Fuchs
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Die Raupen des Buchsbaumzünslers sind bis zu fünf Zentimeter lang. Sie sind an ihrer einzigartigen Farbgebung gut erkennbar: Gelbgrün bis dunkelgrün sowie schwarz und weiss gestreift, mit schwarzen Punkten, weissen Borsten und schwarzer Kopfkapsel. (Bild: mf.)

Die Raupen des Buchsbaumzünslers sind bis zu fünf Zentimeter lang. Sie sind an ihrer einzigartigen Farbgebung gut erkennbar: Gelbgrün bis dunkelgrün sowie schwarz und weiss gestreift, mit schwarzen Punkten, weissen Borsten und schwarzer Kopfkapsel. (Bild: mf.)

REGION. Sein richtiger Name ist kompliziert: Glyphodes perspectalis. Sein Wesen dafür einfach: Er hat Hunger und will sich fortpflanzen. Wobei «fortpflanzen» passender nicht sein könnte, benutzt er, mit bürgerlichem Namen Buchsbaumzünsler, doch als Nahrung – genau: Pflanzen. Davon eine Sorte, den Buchs. Ob Kugel, Hecke oder Ente ist ihm egal, die grünen Blätter munden ihm. Sind keine Blätter mehr da, verspeist er auch noch die grüne Rinde um die Zweige.

Doch eigentlich gehört der Buchsbaumzünsler gar nicht hierher ins Fürstenland, in den Hinterthurgau, überhaupt gar nicht nach Europa. Eingeschleppt wurde er aus China im Jahr 2008. Seither hat er sich von Basel über die Zürcher Goldküste bis in die Ostschweiz ausgebreitet – und richtet dieser Tage hier so viel Schaden an wie noch nie zuvor.

Der letzte Winter war zu gut

Manuel Neidhart kennt den Buchsbaumzünsler gut. Er ist Teamleiter Gartenunterhalt bei der Egli Grün AG in Sirnach und hat in dieser Funktion täglich mit dem gefrässigen Schädling zu tun. Ihn rufen Gartenbesitzer an, wenn sie die ersten Raupen in ihren Buchspflanzen entdecken. Er kommt und spritzt ein biologisches Mittel. Der Fachmann nennt es Kontaktinsektizid. «Die letzten drei Wochen haben wir praktisch durchgespritzt», sagt er. Sirnach sei extrem befallen, Wil ebenfalls ziemlich und Eschlikon zum Teil. Wie Recherchen dieser Zeitung zeigen, sind auch Oberuzwil, Uzwil und Flawil betroffen. Sogar dort, wo Gartenbauspezialisten wie Manuel Neidhart ausgebildet werden, an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil, wütet der Buchsbaumzünsler.

Manuel Neidhart erklärt das Problem: «Der Buchsbaumzünsler überwintert als Falter und legt im Frühling neue Eier. Wäre der letzte Winter nicht so schön kalt und trocken gewesen, wären die Falter verfault.» In der Regel gebe es zwei bis drei Populationen im Jahr, heuer aber müsse man mit vier bis fünf rechnen.

Sofort den Gärtner anrufen

Die meisten Gartenbesitzer bemerken den Schaden erst jetzt, weil zwei Generationen gemeinsam fressen. Das Gegenmittel, das Kontaktinsektizid, spritzt Manuel Neidhart flächendeckend zwischen die Blätter und direkt auf den Schädling. Es zirkuliert zwei bis drei Tage in der Pflanze, nach 10 bis 14 Tagen muss ein zweites Mal gespritzt werden. Haben die Raupen bereits begonnen, sich zu verpuppen, nützt das Mittel nichts mehr. Deshalb gibt es nur eine richtige Massnahme: «Wer in seinem Garten eine Raupe entdeckt, muss sich sofort an den Gärtner wenden.» Dieser benötigt eine fachliche Bewilligung, um das Mittel anwenden zu dürfen. Bis der eintrifft, können die Raupen abgelesen und in einem geschlossenen Plastikbehälter entsorgt werden. Präventiv spritzen ist nicht möglich.

Befallene Pflanzen erholen sich

Für Manuel Neidhart gehört zur richtigen Reaktion noch etwas anderes: «Keine Panik!» Oft stehe in den Medien, dass die Pflanze an starkem Befall zugrunde gehe. «Das stimmt nicht», sagt er. Der Buchs werde zwar geschwächt, treibe aber – sofern sich im nächsten Jahr keine neuen Zünsler an ihm sättigen – wieder aus.

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