Umsatz dramatisch eingebrochen: Wiler Hotel Restaurant Fürstenau muss seine Tore schliessen

Am 25. August verlassen die letzten Hotelgäste das Haus. Mangelnde Rentabilität zwingt den Pächter zur Betriebsaufgabe. Fünf Arbeitsplätze gehen dadurch verloren.

Hans Suter
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In der «Fürstenau» gehen die Lichter aus: Am 23. August ist das Restaurant zum letzten Mal geöffnet, am 25. August ziehen die letzten Hotelgäste aus. (Bilder: Hans Suter)

In der «Fürstenau» gehen die Lichter aus: Am 23. August ist das Restaurant zum letzten Mal geöffnet, am 25. August ziehen die letzten Hotelgäste aus. (Bilder: Hans Suter)

«Eigentlich wollte ich das hier bis zur Pensionierung machen», sagt der 53-jährige Gastronom Wolf-Gert Kunze. «Daraus wird nun leider nichts.» Es liegt viel Enttäuschung in den Worten des gebürtigen Ostdeutschen, der gleich nach der Wende seine Heimatstadt Cottbus in der DDR verlassen hatte und in der Schweiz sein Glück suchte. Eine Zeit lang kehrte der ausgebildete Kellner in seine Heimat zurück, um Betriebswirtschaft zu studieren, ehe er zurückkam.

Einbruch um 35 Prozent

In vier Wochen ist Schluss in Wil: Am Freitag, 23. August, sind das Speiserestaurant und die Gartenwirtschaft des Hotel Restaurant Fürstenau zum letzten Mal geöffnet. Zwei Tage später, am Sonntag, verlassen die letzten Hotelgäste das Haus. Bereits vor einem Jahr beklagte Wolf-Gert Kunze einen Einbruch des Umsatzes um 35 Prozent:

«Wenn es so weitergeht und die Übernachtungen nicht bald zunehmen, bin ich gezwungen, den Betrieb über kurz oder lang einzustellen.»
«In den ersten Jahren lief das Geschäft gut»: Wolf-Gert Kunze war seit 2012 Pächter der «Fürstenau».

«In den ersten Jahren lief das Geschäft gut»: Wolf-Gert Kunze war seit 2012 Pächter der «Fürstenau».

«Gut war einzig das Mittagsgeschäft»

Eine Erklärung für den plötzlichen Rückgang der Übernachtungen hatte er damals nicht – und hat sie auch heute nicht. «Seit einem Jahr harzt es einfach gewaltig», sagte er im August vor einem Jahr. «Ich hoffte, es sei nur ein Zwischentief», sagt er heute. Doch die Umsatzschwäche habe sich hartnäckig gehalten. «Eigentlich müsste das Hotel heute voll sein. Und was habe ich? Einen einzigen Gast!» Nebst der schlechten Auslastung der zehn Zimmer ist auch das Abendgeschäft im 40 Plätze umfassenden Restaurant und in der ebenso grossen Gartenwirtschaft eingebrochen. «Gut war einzig das Mittagsgeschäft», sagt Kunze, immer noch nach Gründen suchend, und ergänzt:

«Ich musste die Reissleine ziehen, um nicht all mein mühsam Erspartes zu verlieren.»

Vier Angestellte verlieren dadurch ihren Job – Kunze als Pächter und Geschäftsführer selber auch. Er und die Köchin arbeiteten in einem Vollpensum, die restlichen Mitarbeiterinnen in Teilzeitpensen zu 50 bis 60 Prozent.

Noch kein neuer Pächter

Die «Fürstenau» ist per 1. September zur Pacht ausgeschrieben. Der monatliche Zins beträgt 5000 Franken – in den Augen von Wolf-Gert Kunze nicht überrissen. Ein neuer Pächter hat bislang nicht unterschrieben. «Wir sind aber im Gespräch mit einem Interessenten», sagt eine Sachbearbeiterin des beauftragten Consultingunternehmens.
«Das damalige Motel Minigolf war sehr gut besucht, gerade auch von Jungen, die Minigolf spielten und einkehrten», erinnert sich Ruedi Schär vom Info-Center der Stadt. Die Minigolfanlage gibt es nicht mehr, das Gelände wurde überbaut, das Hotel ist schlecht sichtbar. «Die sehr gute Küche ist in vielen Köpfen nicht mehr präsent. Das Haus ging vergessen», bedauert Ruedi Schär. (hs)

Drei Jahre lang ein Hotel dieser Art gesucht

Wolf-Gert Kunze hatte auch gute Jahre im Hotel Restaurant Fürstenau. Die ersten Monate seien zwar schwierig gewesen, als er die Pacht des ehemaligen Motels Minigolf am Ostende der Stadt im Jahr 2012 übernommen habe. «Die ersten drei Jahre waren aber sehr gut», sagt er. Dabei habe er auch davon profitiert, dass das im Zentrum gelegene Hotel Freihof wegen Renovation geschlossen gewesen sei. Doch auch nach dessen Wiedereröffnung sei es ihm gut gelaufen. «Ich hatte drei weitere ganz passable Jahre», sagt Kunze. Bis vor zwei Jahren der Umsatz dramatisch eingebrochen sei und sich nicht mehr erholt habe.

Ungewisse Zukunft

Vor seiner Zeit in Wil arbeitete er zuletzt als Kellner im Engadin und hatte drei Jahre lang nach einem Betrieb wie der «Fürstenau» gesucht, um sich selbstständig zu machen. Seine persönliche Zukunft ist nun ungewiss. «Ich habe etwas in Aussicht, es ist aber noch nicht spruchreif», sagt er. Es sei nicht in der Gastronomie.