Hallenbad Degersheim:
Umnutzung und Verkauf sind gescheitert

Das Ökodorf Sennrüti wehrt sich gegen die Umnutzung des Degersheimer Hallenbads und verzichtet auf dessen Kauf. Was nun?

Andrea Häusler
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Seit Juni 2014 wird das Degersheimer Hallenbad nicht mehr genutzt. Nachdem das Ökodorf Sennrüti weder zu einer Umnutzung der Liegenschaft Hand geboten noch die Kaufabsicht umgesetzt hat, will die Gemeinde die Räume für Veranstaltungen zur Verfügung stellen.

Seit Juni 2014 wird das Degersheimer Hallenbad nicht mehr genutzt. Nachdem das Ökodorf Sennrüti weder zu einer Umnutzung der Liegenschaft Hand geboten noch die Kaufabsicht umgesetzt hat, will die Gemeinde die Räume für Veranstaltungen zur Verfügung stellen.

Bild: Andrea Häusler

Es ist lange her, seit gesundheitsbewusste Degersheimer im 20-Meter-Becken des örtlichen Hallenbads ihre Längen gezogen und kreischende Kinder die ersten Schwimmzüge geübt haben. Nach dem Bürgerschaftsentscheid zur Schliessung der sanierungsbedürftigen Anlage im Herbst 2013 und dem Scheitern der Initiative für einen Weiterbetrieb durch die Gemeinde, endete im Juni 2014 die Geschichte des einstigen Kurhaus-Bads. Seither steht das Objekt leer. Vergeblich bemühte sich die Gemeinde als Eigentümerin über die Jahre, das an bester Südhanglage stehende Gebäude zu verkaufen oder einer neuen Nutzung zuzuführen.

Die Sache mit der Dienstbarkeit

Der Grund: Auf dem Areal lastet noch immer eine Grunddienstbarkeit, nach der auf der Parzelle ausschliesslich ein Hallenbad mit Sauna betrieben werden darf. Diese war 1971, beim Verkauf der Parzelle von der Kurhaus Sennrüti AG (heute Genossenschaft Ökodorf/Gemeinschaft Herzfeld Sennrüti)an die Hallenbad AG, zu Gunsten der Vorbesitzerin errichtet worden. Und das Servitut kann nicht gelöscht werden. Dies hat das Kantonsgericht St.Gallen im Dezember vergangenen Jahres entschieden. Entsprechend wurde der Vertrag mit der Schreinerei Hölzli GmbH, welche das Objekt erwerben wollte, nichtig.

Die Faktenlage ist klar. Jede alternative Nutzung des Hallenbads ist abhängig von der Haltung der Genossenschaft Ökodorf, ein Verkauf an diese deshalb naheliegend. Das Angebot der Gemeinde, die Liegenschaft zum Preis von 500000 Franken (dieser war mit der Schreinerei Hölzli GmbH vereinbart worden) zu erwerben, wurde jedoch abgelehnt.

Frist nicht eingehalten

Genauso wie die Umnutzung des Hallenbads als Brauerei. Die erklärte Absicht der Tegerscher Bräu, das Objekt zu mieten, scheiterte an der Verweigerung der baurechtlichen Umnutzungsbewilligung durch das Ökodorf, welches nun wieder Kaufinteresse zeigte. «Wir unterbreiteten der Genossenschaft noch einmal ein identisches Angebot», sagt Gemeindepräsidentin Monika Scherrer. «Dies allerdings unter der Voraussetzung, dass die Verkaufsmodalitäten bis Ende November abgeschlossen sind.» Entsprechend sei der Genossenschaft per 11. Oktober ein Kaufvertragsentwurf zugestellt worden. «Trotz wiederholt geäussertem Interesse sei der Termin letztlich nicht eingehalten worden, sagt Scherrer ohne ihre Enttäuschung darüber zu verbergen.

Veranstaltungslocation und Parkplatzvermietung

Scherrer macht klar, dass für den Gemeinderat eine Fristverlängerung aufgrund der langen Vorgeschichte und des grosszügig angesetzten Zeitraums für den Vertragsabschluss kein Thema gewesen sei. Man habe den Abschluss gesucht, einen Entscheid gewollt. Letzteren hat der Gemeinderat nun getroffen: Das rechtskräftig in die dreigeschossige Wohnzone eingezonte Grundstück soll im Eigentum der Gemeinde bleiben. Damit die Anlage nicht brachliegt, hat die Bevölkerung nun die Möglichkeit, das Hallenbad für Veranstaltungen aller Art zu nutzen.

Die jährlichen Unterhaltskosten könnten, laut Monika Scherrer, aus der Parkplatzvermietung gedeckt werden. Sie ist sich sicher, dass ein Bedürfnis nach Abstellplätzen an der Sennrütistrasse vorhanden ist. Der Wert des voll erschlossenen Grundstücks, das sich an bevorzugter Lage mitten in Degersheim befinde, werde nicht geringer, sagt Monika Scherrer. Und weiter: «Es könnte sein, dass sich aufgrund der Knappheit der Ressource ‹Bauland› die Rechtssprechung mittelfristig ändert.» René Duveen, Präsident der Verwaltung des Ökodorfs Sennrüti, war gestern für eine Stellungnahme zum gescheiterten Verkauf nicht zu erreichen.