Üppige Dekoration gehört zum Fest: Elizabeth Huber-Barry aus Wil erzählt von Weihnachten in den USA.

Schon im November begannen die Dekorationen des Hauses, innen und aussen. «Es war ein magischer Moment nach der langen Wartezeit.»

Zita Meienhofer
Drucken
Teilen
Elizabeth Huber-Barry hat sich für den Englisch-Unterricht mit ihrer Pro-Senectute-Gruppe weihnachtlich angezogen.

Elizabeth Huber-Barry hat sich für den Englisch-Unterricht mit ihrer Pro-Senectute-Gruppe weihnachtlich angezogen.

Bilder: Zita Meienhofer

Als Elizabeth Huber-Barry im Kindesalter in den USA lebte, begannen die Vorbereitungen für die Weihnachtszeit noch am Tag nach Thanksgiving. Das ist das Erntedankfest, das dort am vierten Donnerstag im November gefeiert wird. «Danach waren alle beschäftigt mit dem Dekorieren der Häuser, Innen und auch ausserhalb», so die gebürtige US-Amerikanerin. Die Vorfreude sei jeweils gross gewesen. «Es war ein magischer Moment nach der langen Wartezeit». Bei ihrem Besuch in ihrer ehemaligen Heimat dieses Jahr im Oktober war sie dann doch etwas geschockt: «Überall war Weihnachten schon präsent, obwohl Halloween noch bevorstand.»

Das Dekorieren für das Fest von Christi Geburt, das war und ist in den USA sehr wichtig. Die Installationen aus verschiedenen Lichtern und Figuren wurde von den Nachbarn, den Bewohnern aus dem Quartier oder aus der Stadt bewundert.

«Mein Vater fuhr oft mit uns herum, damit wir die Beleuchtungen betrachten konnten.»

Sie erzählt auch voller Begeisterung von Lichtershows in den Pärken, den Trail of Lights, oder von den Christmas Villages.

Die lebende Krippe und Weihnachtslieder

Die Adventszeit war die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten. Im Haus stand ein Adventskranz mit Dekoration und Grünzeug sowie vier Kerzen, die Kinder hatten papierene Adventskalender. Jeden Tag durfte ein Türchen geöffnet werden und es kam ein Bild zum Vorschein. Jeden Sonntag im Dezember wurden Lebensmittel und Spielzeuge in die Kirchen gebracht, für diejenigen, die es sich nicht leisten konnten. Ebenso standen während dieser Zeit in den Kirchen, aber auch in den Läden, Bäume, an denen Karten mit Wünschen hingen. Wer eine Karte nahm, der brachte das, was auf der Karte stand, mit, und legte es unter den Baum.

Mit etwas Wehmut, aber auch mit Freude erinnert sich Elizabeth Huber-Barry an das Weihnachtsspiel am Abend des 24.Dezembers. Vor allem, als die Barry-Kinder noch jünger waren, ging die Familie um fünf Uhr abends in die Kirche. Dort stand eine Krippe mit lebenden Figuren. «Es hatte sogar richtige Tiere dort, Esel und Schafe. Das Christkind war ein Baby.» Die Kinder, welche die Figuren darstellten, spielten die Weihnachtsgeschichte während des Gottesdienstes. «Es war immer sehr lustig, weil niemand wusste, wer nun wie reagierte. Manchmal weinte das Baby, da wollten die Tiere nicht wie sie sollten, oder die Kinder brachten nicht den richtigen Einsatz», erzählt sie. Zudem sang der Chor, der von einer Liveband begleitet wurde, Weihnachtslieder.

Nach dem Gottesdienst traf sich die Kirchgemeinde auf dem Vorplatz zu Punsch, Guetzli und Schoggi sowie dem gemeinsamen Beisammensein. Zu Hause wurde dann das Essen aufgetischt. Das traditionelle Mahl bei Barrys war Pork-Pies – eine Schweinfleischpastete. Für das Dessert stellte ihre Mutter einen Pumpkin-Pie (Kürbisfladen) und kleine Cheese-Cakes her. Nach dem Essen ging Elizabeth Huber-Barry – und oft auch die ganze Familie – zu ihrer besten Kollegin und deren Familie, die auf der anderen Strassenseite wohnten.

Am Weihnachtsmorgen vor dem Auspacken der Geschenke.

Am Weihnachtsmorgen vor dem Auspacken der Geschenke.

Bild: PD

Ein grosser echter Baum mit farbigen Lichtern

Vater Barry arbeitete beim Militär, weshalb sie oft den Wohnort wechselten. Die längste Zeit lebten sie in Houston (Texas). Elizabeth Huber-Barrys Eltern stammen beide aus Rhode Island. Dort wohnten auch die Grosseltern, die einerseits französisch-irischer Abstammung (väterlicherseits) und anderseits französisch-polnischer Abstammung waren. Hatten die Barrys ihr Domizil in der Nähe der Ostküste, wurden die Grosseltern und Verwandten an Weihnachten besucht oder diese kamen vorbei. Ein Päckchen der Grosseltern lag allerdings immer unter dem Baum. Dieser stand seit dem 1.Dezember im Wohnzimmer, schön dekoriert von der ganzen Familie. «Wir hatten immer einen echten Baum. Es musste ein grosser sein. Und er roch sehr gut», erinnert sie sich.

Die Lichter waren allerdings elektrisch und farbig. «Ich fand das sehr schön.» Erstmals an Weihnachten in der Schweiz, war sie entsetzt darüber, dass echte Kerzen an den Christbäumen befestigt waren und brannten. «Ich hatte solche Angst.»

In der Nacht vom 24. auf den 25.Dezember kam Santa Claus. Dieser füllte die Socken, die am Cheminée hingen, mit Kleinigkeiten und legte die Geschenke unter den Baum. Morgens, relativ früh, standen die Kinder für die Bescherung schon im Wohnzimmer. Lachend sagt sie:

«War das jeweils ein Geschrei, wenn wir die Socken und Geschenke auspackten.»

Nahm die Familie nicht am Vorabend-Gottesdienst oder an jenem an Mitternacht teil, wurde dieser an diesem Morgen besucht.

Um 14 Uhr war Zeit für das Festessen. Die ganze Familie – und wenn möglich die Verwandtschaft – versammelte sich um den Tisch. Es gab Truthahn mit einer Cranberry-Sauce. Dieser war gefüllt, im vorderen Teil mit einem Fleisch-Stuffing (Füllung) und im hinteren Teil mit einem Brot-Stuffing. Dazu wurden Kartoffelstock und verschiedene Gemüse serviert. Das Dessert bestand aus Chocolate-Pudding-Pie (Fladen mit einer Schokoladenfüllung) und wiederum Pumpkin-Pie und kleinen Cheese-Cakes. Danach wurde gespielt oder fern geschaut – die Frauen amüsierten sich bei einem Weihnachtsfilm, die Männer bei Football. Während der 25.Dezember ein Feiertag ist, wird in den USA am 26.Dezember bereits wieder gearbeitet. An diesem Tag beginnt auch der After-Christmas-Sale, der Ausverkauf.

Das Foto mit Santa Claus gehörte fürs Familienalbum

Aufwendig dekoriert waren seit Anfang Dezember auch die Einkaufsläden. Dort konnte jeweils Santa Claus besucht werden. Das war ein Mann mit Bart im roten Gewand. Dieser sass auf einem Sofa, umgeben von festlicher Dekoration, und die Kinder durften sich mit ihm fotografieren lassen. Die Fotos wurden an die Verwandten und Bekannten gesandt sowie aufbewahrt.

Ebenfalls wichtig waren und sind die Weihnachtskarten. Diese zeigen die Familie vor dem Weihnachtsbaum. Elizabeth Huber-Barry versendet diese Karten auch heute noch, allerdings digital. Zur Karte kommt der Weihnachtsbrief, in dem sie die Ereignisse in der Familie während des Jahres aufschreibt. Sie betont, dass ihr und ihrer Familie der religiöse Teil wichtig gewesen sei.

«Weihnachten ist das Fest von Christi Geburt. Es war für mich deshalb komisch, dass hier das Christchindli die Geschenke bringt und nicht wir es beschenken.»

Während der Adventszeit erscheinen in der «Wiler Zeitung» Texte unter dem Titel: «Wie wird Weihnachten im ehemaligen Heimatland gefeiert.» Personen von anderen Kontinenten erzählen von den Bräuchen und Traditionen aus dem Land, in dem sie aufgewachsen sind.

Aktuelle Nachrichten