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Rettung des «Juwels» von Niederbüren: Verein kauft Museum

Das Textilmuseum Sorntal, dessen Erwerb durch die Gemeinde vom Stimmvolk abgelehnt worden war, wechselt den Besitzer. Die Mitglieder des gleichnamigen Vereins stimmten dem Kauf des Gebäudes zu.
Andrea Häusler
Der fast bis auf den letzten Platz gefüllte Niederbürer Gemeindesaal zeigte anschaulich, wie gross das Interesse am traktandierten Kaufgeschäft war. (Bilder: Andrea Häusler)

Der fast bis auf den letzten Platz gefüllte Niederbürer Gemeindesaal zeigte anschaulich, wie gross das Interesse am traktandierten Kaufgeschäft war. (Bilder: Andrea Häusler)

Um 20.24 Uhr am Dienstagabend war alles klar: Der Verein Textilmuseum Sorntal wird die Industrieliegenschaft der Zetag AG Waldkirch an der Kantonsgrenze zum Thurgau erwerben. 430000 Franken beträgt der Preis für das rund 4000 Quadratmeter grosse Grundstück und das fast 170-jährige ehemalige Spinnereigebäude. Das umfangreiche Museumsgut erhält der Verein als Schenkung dazu.

Der Entscheid der Mitglieder, die 109 Stimmen vertraten, erfolgte einstimmig. Obwohl die Finanzierung nicht definitiv gesichert ist. Zwar wurden vom kantonalen Amt für Kultur, der politischen Gemeinde, der Bürgerkorporation, der Raiffeisenbank Regio Uzwil sowie von Privatpersonen und Stiftungen Startbeiträge in Aussicht gestellt, verbindlich gesprochen sind die Gelder allerdings nicht. Insbesondere die Startzuschüsse –nicht Beteiligungen – der öffentlichen Hand bedürfen noch des Segens der Bürgerschaft: die 100 000 Franken, die ins Budget 2019 der politischen Gemeinde eingeflossen sind und der «namhafte Betrag», den die Bürgerkorporation beisteuern soll.

Vereinspräsident Richard Holenstein (links) im Gespräch mit dem ehemaligen Bischofszeller Stadtammann, Josef Mattle.

Vereinspräsident Richard Holenstein (links) im Gespräch mit dem ehemaligen Bischofszeller Stadtammann, Josef Mattle.

Richard Holenstein, Präsident des Museumsvereins zweifelt jedoch nicht daran, dass die Übernahme des «Juwels» gelingt. Umso mehr, als von Privatpersonen (steuerabzugsfähige) Beiträge im fünfstelligen Bereich zugesagt worden seien und dem Verein seitens der Verkäuferschaft eine Zahlungsfrist bis Ende Jahr eingeräumt wurde.

Freiwilligenarbeit gefordert

Was den Betrieb des Museums als Erlebniswelt betrifft, machte Werner Koller, Aktuar im Vorstand, den Mitgliedern im fast vollen Gemeindesaal nichts vor: «Freiwilligenarbeit wird eine zentrale Rolle spielen». Allein die Kommission habe bis dato 850 Stunden ehrenamtlich gearbeitet, machte er klar. Auf dieser Art der unterstützenden Mitwirkung basiert auch sein Businessplan und schliesslich die Kostenrechnung. Aber nicht nur.

Kommentar: Zweite Chance

Das Blatt hat sich doch noch zum Guten gewendet. Trotz der Abstimmungsschlappe, die der Urnengang vom Herbst den Befürwortern des Liegenschaftskaufs Textilmuseum durch die Gemeinde beschert hatte oder gerade derentwegen. Mit dem Kauf des Objekts durch den Verein Textilmuseum gelangt das nationale Kulturgut in die Hände jener, die sich mit Herzblut einzubringen wollen. Zufrieden dürften auch die Gegner der damaligen Abstimmung sein. Hatten diese doch stets betont, nicht gegen das Museum, sondern gegen den Liegenschaftskauf zu sein. Ihnen bietet die Bürgerversammlung der Gemeinde nun die Chance, ihre Glaubwürdigkeit zu beweisen. 100000 Franken sind im Budget 2019 als Startbeitrag an den Betrieb des Textilmuseums enthalten. Ein Ja dazu wäre ein Ja zum Museum, aber auch ein fairer Kompromiss angesichts derer, die kostenlos gemeindeeigene Infrastrukturen nutzen. (ahi)

Rund 750 Interessierte haben das Textilmuseum im vergangenen Jahr besucht. Koller ist überzeugt, dass diese Zahl weiterhin erreicht werden kann. Allerdings genügt ihm das nicht. Vom Ausbau der Museumstätigkeit, der Vernetzung mit anderen Museen, Prospektwerbung und der aktiven Bewirtschaftung der neuen Website erwartet er eine Steigerung der Eintritte. Mehr Führungen bedeuten jedoch auch mehr Aufwand für jene, die sie leiten. Deshalb habe der Wissenstransfer des heutigen Führer-Duos Gottlob Lutz und Franz Kettel auf andere Mitglieder hohe Priorität, sagte Koller.

Sportliche Zielsetzungen

Geht die für die nächsten fünf Jahre erhobene Kostenrechnung auf, werden 2024 Aufwände von 31 340 Franken und Erträge von 35 896 Franken verbucht. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Mitgliederbeiträge von heute 6000 Franken auf 14 910 und der Erlös aus Führungen von 6000 auf 13 986 gesteigert werden können. Für das vergangene Jahr weist das Textilmuseum Aufwände im Betrag von
21 400 Franken und Erträge von 22 000 Franken aus.

Das Spinnereigebäude in Sorntal wurde 1850 erbaut und im Jahr 1994 innen und aussen renoviert. (Archivbilder: Andrea Häusler)

Das Spinnereigebäude in Sorntal wurde 1850 erbaut und im Jahr 1994 innen und aussen renoviert. (Archivbilder: Andrea Häusler)

Kein Lecken alter Wunden

Selbstreden birgt der Kauf der Liegenschaft und der Betrieb des Museums auch Risiken. Reparaturen an den Anlagen könnten auftreten oder Fachwissen verlustig gehen, sagte Werner Koller. Denkbar sei auch, dass der Zeitgeschmack und damit die Kundenbedürfnisse änderten und die Sponsoren sich zurückzögen. Die Analyse zeige jedoch, dass die Risiken – auch hinsichtlich der in Projektform auszuführenden Unterhaltsarbeiten – kalkulierbar und das Ja zum Kauf des Museums daher vertretbar seien.

Die anwesenden Mitglieder des Vereins, der heute 67 Einzel-, 74 Paar- und 15 Firmenmitgliedschaften eingeschrieben hat, zeigten sich überzeugt. Die neuen Statuten wurden genehmigt, der Weg für die entscheidende Schlussabstimmung damit geebnet. Das einstimmige Ja kommentierte Vereinspräsident Richard Holenstein schliesslich gut gelaunt. Die Abstimmungsniederlage scheint verdaut, der Fokus nach vorn gerichtet:

«Wir haben nun die Chance, den Museumsbetrieb, die Liegenschaft und Zukunftsprojekte in Eigenregie anzugehen.»

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