Überbauung verbindet Stadtquartiere:
Wil wächst um 200 Wohnungen

Der Baustart ist erfolgt. In einer ersten Etappe entstehen im Gebiet Neualtwil acht Mehrfamilienhäuser mit 100 Eigentumswohnungen.

Andrea Häusler
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Rund 40000 Kubikmeter Aushub werden auf dem Baugrundstück zwischengelagert oder auf Deponien in Niederstetten und Lütisburg geführt. (Bild: Andrea Häusler)

Rund 40000 Kubikmeter Aushub werden auf dem Baugrundstück zwischengelagert oder auf Deponien in Niederstetten und Lütisburg geführt. (Bild: Andrea Häusler)

Die Baustelle wirkt gigantisch. Orange Absperrbänder mit dem Logo der HRS Real Estate AG als Bauherrin von sechs der acht geplanten Mehrfamilienhäuser visualisieren, in welchen Dimensionen oberhalb der Konstanzerstrasse in Wil gebaut wird. In der ersten von zwei Etappen entstehen hier 100 Eigentumswohnungen: 75 baut und verkauft die HRS, für die weiten liegt die Verantwortung bei der Ed. Vetter AG. Gebaut wird von Westen in Richtung Osten.

Die HRS Real Estate AG forciert zunächst die Fertigstellung von drei Mehrfamilienhäusern mit 39 Wohnungen. Deren Verkauf sei angelaufen, sagt David J. Spiess, Leiter Zentrale Dienste der HRS Real Estate AG in Frauenfeld. Angeboten würden die 2 1⁄2, 3 1⁄2-, 4 1⁄2- und 5 1⁄2-Zimmer-Wohnungen zu Kaufpreisen ab 490000 Franken. Mehrere Wohnungen seien bereits reserviert.

Neue Architektur – neues Wohnkonzept

Die nun im Bau befindlichen Wohnhäuser sind Teil eines Gesamtprojekts der HRS Real Estate AG und der Ed. Vetter AG, das 16 Mehrfamilienhäuser umfasst. Angelegt auf einer Grundstückfläche von rund 40000 Quadratmetern vervollständigt die Überbauung das Quartier «Neualtwil», indem sie die Lücke zwischen den beiden bestehenden Siedlungsteilen aus den 70er-Jahren schliesst. Anders als die Mehrfamilienhäuser aus den 70ern orientiert sich die Architektur der Neubauten nicht am Erscheinungsbild der Wiler Altstadt. Auch besteht keine Anlehnung an das besondere Wohn- und Lebenskonzept der «alten» Siedlungsteile.

«Neualtwil» – die Neubauten zwischen den bestehenden Quartieren aus den 1970er-Jahren haben mit der Architektur und dem Wohnkonzept von damals kaum etwas gemein. (Visualisierung: HRS)

«Neualtwil» – die Neubauten zwischen den bestehenden Quartieren aus den 1970er-Jahren haben mit der Architektur und dem Wohnkonzept von damals kaum etwas gemein. (Visualisierung: HRS)

Die vorderhand acht Mehrfamilienhäuser stehen für sich und sind versetzt positioniert. Mit Architekturelementen wie Flachdächern, Fenster- fronten, überdachten Balkonen und nach Südwesten ausgerichteten Terrassen soll den zeitgenössischen Ansprüchen an ein modernes Wohnen in behaglichen Atmosphäre Rechnung getragen werden. Ein Anliegen, welches der Bauherrschaft anfänglich auch Kritik eingetragen hatte.

Acht bis zehn Fahrten an 30 Fuhrtagen

Tempi passati. Werktag für Werktag arbeiten sich derzeit die Bagger durch das Baugelände, schälen die Humusschicht ab und heben schliesslich die Baugrube aus. Lastwagen um Lastwagen verlässt das Areal in Richtung Stadt. David J. Spiess spricht von einem Aushubvolumen von rund 40000 Kubikmetern. Visualisiert entspricht dies in etwa einem Würfel mit einer Kantenlänge von knapp 35 Metern.

Die oberste Humusschicht werde, so Spiess, wenn möglich und sinnvoll vor Ort zwischengelagert und später für die Umgebungsarbeiten verwendet. Ein weiterer Teil des Aushubs bleibe für die Gebäudehinterfüllung auf dem Areal. Wo nicht anders möglich wird Aushub auf Deponien in unmittelbarer Nähe geführt. «Nach Niederstetten und nach Lütisburg», sagt David J. Spiess. Trotz der Lagerung erheblicher Mengen am Ort geht die Bauherrschaft heute von rund 30 Fuhrtagen aus, an denen acht bis zehn Fahrzeuge im Einsatz stehen. Dies verteilt auf die Monate November 2019 bis März 2020.«Für die LKW-Zu- und Wegfahrten würden die üblichen Massnahmen getroffen, sagt Spiess. Die Grundlage dafür bilde das von der Gemeinde Wil genehmigte Fahrtenkonzept.

Die erste Etappe umfasst die Bauten der HRS (orange) und Vetter AG (dunkelgrün), die Hellgrünen erstellt Vetter in einer zweiten Etappe.

Die erste Etappe umfasst die Bauten der HRS (orange) und Vetter AG (dunkelgrün), die Hellgrünen erstellt Vetter in einer zweiten Etappe.

Zweite Etappe ab Mitte 2022

An die erste Bauetappe schliesst unmittelbar die zweite an. Die Zeitpläne seien im Gestaltungsplan vorgegeben, sagt Urs Vetter, Geschäftsleitungsmitglied der Ed. Vetter AG. Die weiteren acht Neubauten realisiert das Unternehmen ab Mitte 2022 unabhängig von der Partnerin der ersten Etappe, der HRS Real Estate AG. Auch diese Wohnungen werden im Stockwerkeigentum verkauft, wobei Vetter nicht ausschliesst, dass einzelne Wohnungen vermietet werden. Mit der Fertigstellung der Neubausiedlung am steigt das lokale Wohnungsangebot um 200 Einheiten.

Vorgeschichte endete vor Bundesgericht

Nordöstlich der Altstadt von Wil liegt das rund 109000 m² grosse Gebiet, für das am 21. Mai 1976 der Gestaltungsplan «Neualtwil» als Sondernutzungsplan erlassen wurde. Diesem lag die Grundidee einer Gesamtüberbauung mit etappenweiser Erstellung von ungefähr 500 Wohnungen zugrunde. Nachdem das westliche Plangebiet überbaut war, gerieten die Bautätigkeiten ins Stocken. Ende der 1990er-Jahre wurden im östlichsten Teil noch zwei Mehrfamilienhäuser erstellt. Das zwischen den bebauten Parzellen liegende Gebiet von rund 40000 m² blieb leer. Am 19. Januar 2007 verkaufte die Stadt das Bauland an die Vetter AG unter dem Vorbehalt, einer Anpassung des Sondernutzungsplans an die Ansprüche an eine moderne Wohnüberbauung: 16 Mehrfamilienhäuser 200 Wohnungen in zwei Etappen. Es entstand der Gestaltungsplan «Neualtwil II», gegen den während der Auflagefrist Anfang 2010 70 Einsprachen eingingen. Aus Sicht der Anwohner wichen die Baupläne von der einstigen Grundphilosophie des Quartiers Neualtwil ab. Kritisiert wurde unter anderem, dass im Grundbuch eingetragene verpflichtend zu bebauende Wegverbindungen nicht berücksichtigt waren. Anwohner bildeten die IG Pro Neualtwil, die das Bauvorhaben über die Instanzen bekämpfte, letztlich jedoch, im April 2013, vor Bundesgericht unterlag. (ahi)