Über 7500 Fachkräfte ausgebildet

UZWIL. Vor hundert Jahren hat Bühler in Uzwil begonnen, junge Menschen auszubilden. Heute bietet der Technologiekonzern weltweit 600 Lernenden einen Ausbildungsplatz in zehn verschiedenen Berufen an. Dabei setzt das Unternehmen auf innovative Methoden und alte Werte.

Urs Bänziger
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Trotz High-Tech legen die Lehrlinge bei Bühler auch Hand an. Ausbilder Urs Gabathuler begutachtet das Nachschleifen eines Maschinenteils. (Bild: Urs Bänziger)

Trotz High-Tech legen die Lehrlinge bei Bühler auch Hand an. Ausbilder Urs Gabathuler begutachtet das Nachschleifen eines Maschinenteils. (Bild: Urs Bänziger)

Um sechs Uhr am 2. Mai 1915 machte sich der 16jährige Albert Bürkler das erste Mal auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz an der Werkbank bei Bühler in Uzwil, um als erster Lehrling der Firma den Beruf des Schlossers zu erlernen. Seine Lehre hatte er längst abgeschlossen, als Bühler 1919 eine Ausbildungswerkstatt einrichtete und damit die Berufslehre systematisierte.

Hundert Jahre später hat das Unternehmen über 7500 Fachkräfte in der Schweiz ausgebildet. Ein Drittel der Lehrabgänger holte sich sein berufliches Rüstzeug bei Karl Tischer. Auch er absolvierte seine Lehre als Blechschlosser bei Bühler, der er dann als Werkmeister 43 Jahre die Treue hielt. In dieser Zeit bildete er rund 2500 Lernende aus, die «alle ihre Abschlussprüfung bestanden haben», sagt der heute 95-Jährige stolz. Von den 7500 Lehrabgängern sind heute noch rund tausend im Unternehmen tätig. «Es ist das erklärte Ziel von Bühler, zwei Drittel der Auszubildenden im Unternehmen weiterbeschäftigen zu können», betont Personalchef Christof Oswald.

Total rund 10 600 Mitarbeitende

Der weltweit tätige Konzern bildet aber nicht mehr nur in Uzwil junge Berufsleute aus. Zurzeit stehen 600 Lernende in der Ausbildung, je zur Hälfte in der Schweiz und im Ausland. Von den total rund 10 600 Mitarbeitenden sind über 8000 ausserhalb der Schweiz tätig. Die Bühler bietet Ausbildungsplätze in zehn verschiedenen Berufen an. Ein Grossteil der Lernenden wird zum Konstrukteur, Anlagen- und Apparatebauer, zum Polymechaniker oder Automatiker ausgebildet. Das erste Lehrjahr konzentriert sich auf die Grundausbildung, ab dem dritten Lehrjahr werden die Auszubildenden vollumfänglich in die Produktion der verschiedenen Abteilungen und Bereiche eingebunden. «Wir wollen die jungen Leute zu Unternehmern heranbilden und sie am Unternehmen teilhaben lassen», sagt Oswald. Das war schon 1939 der Fall, als die kriegstauglichen Männer zum Aktivdienst eingezogen wurden und es in den Händen der Lehrlinge lag, den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Was damals unvorstellbar war, ist heute Realität. Vor sieben Jahren hat Bühler begonnen, die Berufsbildung zu internationalisieren. Zum ersten Mal wurden fünf Lernende für zwei Monate nach China geschickt. Heute verbringt ein Viertel aller Auszubildenden im letzten Lehrjahr zwei bis sechs Monate an einem Bühler- Standort im Ausland – in Indien, Brasilien, England, Südafrika, den USA oder in China.

Strategischer Erfolgsfaktor

Die Kompetenzen der Mitarbeitenden und die Qualität einer zeitgemässen Ausbildung zählten für Bühler seit hundert Jahren zu den strategischen Erfolgsfaktoren, sagt Oswald. Das Unternehmen setze sich stetig und vorausschauend mit den laufenden Veränderungen auseinander. Mit dem Ziel, das Ausbildungsangebot kontinuierlich weiterzuentwickeln. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels verschärfe sich diese Priorität. Die duale Berufsbildung in der Schweiz hat der Konzern inzwischen in viele Länder exportiert. Im letzten Herbst liess sich die Gattin des US-Vizepräsidenten, Jill Biden, das System persönlich in Uzwil vorführen.