Türen für Unbekannteres geöffnet: Im «Schuppe» in Ebnat-Kappel findet mit dem «Make Some Noise» das vielleicht längste kleine Musikfestival des Jahres statt

Am Montag startete das Festival «Make Some Noise». Der Einstieg in eine sommerliche Festivalwoche gelang mit der siebenköpfigen Funk-Combo-Band Organic Stuff.

Sascha Erni
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Die Funk- und Soulband Organic Stuff überzeugte am Eröffnungsabend des Festivals.

Die Funk- und Soulband Organic Stuff überzeugte am Eröffnungsabend des Festivals.

Bilder: Sascha Erni

«Ich brauche noch Deine Kontaktdaten», sagt der Mann am Eingang zum Open-Air-Gelände beim Bahnhof in Ebnat-Kappel. Name, Wohnort und Telefonnummern sind verlangt, möchte man das «Make Some Noise»-Festival besuchen. Diese Zeitung hat den Eröffnungsabend am Montag besucht.

Das Gelände ist abgeriegelt, BAG-Plakate hängen und Desinfektionsmittel steht zur Verfügung. Dass das Unternehmen Perfect Light unter der Leitung von Roger und Esther Amacker bei solchen Voraussetzungen ein Festival durchführt, hat zwei Gründe, wie der Inhaber der Veranstaltungstechnik-Firma im Gespräch erklärt. Roger Amacker erzählt:

«Ich wollte sowieso schon immer einmal ein Sommerfestival in Ebnat durchführen, fürs Dorf und die Region.»

Da seiner Firma aufgrund der Coronapandemie seit Februar fast alle Aufträge weggefallen sind, bot es sich an, selbst etwas auf die Beine zu stellen. «Nur schon, damit wir es nicht verlernen», scherzt Amacker.

Das Festivalgelände ist abgeriegelt, eine Eingangskontrolle ist wegen der Schutzmassnahmen nötig.

Das Festivalgelände ist abgeriegelt, eine Eingangskontrolle ist wegen der Schutzmassnahmen nötig.

«Echt froh, können wir hier spielen»

Am 27. Juli startete das sechstägige Festival etwas verhalten. Das Team erhielt von Kanton und Gemeinde die Erlaubnis, bis zu 300 Gäste zu bewirten. Etwas über 50 haben sich eingefunden, um endlich wieder Livemusik zu erleben. «Ich finde es toll, dass sie etwas machen», erzählt eine Besucherin, «sonst liefe ja gar nichts mehr im Tal.»

Mit der siebenköpfigen Funk-Combo-Band Organic Stuff gelingt der perfekte Einstieg für eine sommerliche Festivalwoche. Der Bass drückt, die Gitarre singt, und Frontfrau Manu Oesch Olowu weiss stimmgewaltig zu begeistern. Die Gäste wippen und tanzen zu den Soul- und Funkmedleys, bleiben aber grösstenteils unter sich, bei ihren Freunden und Bekannten. Dennoch kommt so etwas wie Open-Air-Feeling auf.

«Wir sind echt froh, können wir hier spielen», sagt Manu Oesch Olowu und bedankt sich während des gut eineinhalbstündigen Sets bei Roger Amacker und seinem Team.

Frontfrau Manu Oesch Olowu.

Frontfrau Manu Oesch Olowu.

«Wir haben Entzugserscheinungen»

Diesen Dank dürften die meisten der insgesamt 13 Bands, die noch bis zum 1. August in Ebnat-Kappel auftreten, teilen wollen. Aendael etwa, der Headliner vom Dienstag, hatte einen der wenigen möglichen Auftritte in diesem Jahr am 27. Juni in Kirchberg.

Noch weiter zurück liegt der letzte Auftritt der Toggenburger von Dr. Gnom, die am Freitag, 31. Juli, ab 22 Uhr auf der Schuppe-Bühne stehen werden. «Zum 35. Bandjubiläum haben wir am 28. Februar das Kraftwerk in Krummenau gerockt, das war das letzte Konzert vor der Pandemie», berichtet Bassist Dr. Reno. «Wir haben Entzugserscheinungen.»

Drei Monate lang konnte die Band weder proben noch auftreten, auch, weil eines der Bandmitglieder in der Risiko-Gruppe stecke, so Dr. Reno. Er sagt mit einem Lachen:

«Jetzt proben wir es mit Abstand, mit Plexiglas-Trennwand und mit Whisky zum Desinfizieren.»

Auf Plexiglas verzichtet Organic Stuff, aber Abstandhalten gehört dazu und wird auch für die Bühnenshow genutzt.

Chance für aktive Leute und junge Acts

Viele der Bands hatte Roger Amacker direkt über Promoter und Agenten, mit denen Perfect Light üblicherweise zusammenarbeitet, gefunden. Andere Musiker folgten seinem Aufruf auf Facebook. «Es ist für alle im Eventbereich eine schwierige Situation», sagt Amacker. Eine Einschätzung, die Dr. Reno teilt. Veranstalter, Bands, Techniker, Stagehands, Freelancer und betroffene Gewerbe stünden praktisch vor dem Nichts. Es sei traurig, dass die Politik vor der Sommerpause keine griffigeren Massnahmen beschlossen habe.

Aber er sieht auch einen Silberstreif am Horizont, insbesondere dank solchen kleineren Festivals wie dem «Make Some Noise»: «Für grosse Veranstalter ist es zurzeit schlicht nicht mehr möglich. Das öffnet jungen, aktiven Leuten Türen und eröffnet unbekannten Acts Möglichkeiten.»

Hinweis Weitere Informationen sowie Ticketverkauf unter der Website www.eventfrog.ch

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