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Trotz steigender Maturitätsquote: Lehre wird als gutes Fundament wahrgenommen

Mehr Maturanden, immer weniger Lehrlinge. Der Anteil Kantischüler erreicht in der Schweiz Höchstwerte, während manchen Betrieben qualifizierte Lehrlinge fehlen. Die Situation ist regional unterschiedlich ausgeprägt. So zeigt sich in Wil ein anderes Bild.
Gianni Amstutz
Die Berufslehre bildet ein gutes Fundament für Weiterbildungen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Berufslehre bildet ein gutes Fundament für Weiterbildungen. (Bild: Ralph Ribi)

Etwas mehr als jede fünfte Schülerin beziehungsweise jeder fünfte Schüler in der Schweiz geht an die Kanti. 20,8 Prozent sind es genau laut Zahlen des Bundesamts für Statistik. Und der Trend geht weiter in diese Richtung. In Medien ist deshalb vom Ansturm auf das Gymnasium und dem Kampf um Lehrlinge zu lesen. Im Kanton St. Gallen und speziell auch in der Stadt Wil sprechen die Zahlen hingegen eine andere Sprache. Im Kanton sind es rund 14 Prozent, die sich für eine gymnasiale Matura entscheiden, in Wil wählte von den Schülern der dritten Oberstufe in diesem Sommer gar nur jeder zehnte Schüler diesen Weg. Von 217 Schülern begannen 70 Prozent eine Lehre, wie eine Umfrage unter Schulabgängern zeigt.

Berufslehre hat nicht an Ausstrahlung verloren

In Wil ist Lehrlingsmangel denn auch kein akutes Problem. Dies bestätigt sowohl Jolanda Schmucki, Berufsberaterin bei der Berufs- und Laufbahnberatung Wil, als auch Markus Fust, Präsident der Arbeitgebervereinigung Wil. Zwar seien Lehrstellen etwas schwieriger zu besetzen als noch vor zehn bis zwölf Jahren, dies hänge aber vor allem mit der geringeren Zahl an Schulabgängern zusammen, sagt Fust. «Innovative Unternehmen, die in die Ausbildung investieren und deren Wert für ihre Firma schätzen, finden immer noch gute Lehrlinge», ist er überzeugt. Jolanda Schmucki teilt diese Einschätzung: «Die Lehre hat heutzutage keinen schlechteren Stand als früher.» Von einem Trend zu zunehmender Akademisierung könne keine Rede sein. Sowohl in Beratungsgesprächen mit den Jugendlichen selbst als auch an Informationsanlässen für Eltern erlebe sie, dass beide Bildungswege als gleichwertig wahrgenommen werden.

Markus Fust sieht die Lehrbetriebe denn auch nicht als Konkurrenz zur Kantonsschule, sondern als Ergänzung dazu. Es brauche sowohl Studierte als auch Leute aus der Praxis in einem Unternehmen. «Beide Ausbildungswege haben ihre Berechtigung und sind wertvoll», sagt er. Die Berufslehre biete den Vorteil, dass die Jugendlichen früh die Arbeitswelt kennenlernen und schnell ein Praxisbezug entstehe. Wenn jemand schulisch stark sei und mit dem Praktischen eher Mühe habe, sei die Matura der richtige Weg.

«Lehre oder Kanti stellen unterschiedliche Anforderungen», stimmt Jolanda Schmucki zu. Wichtig sei es deshalb, dass der gewählte Weg den Fähigkeiten der jeweiligen Person entspreche. Denn Freude und positive Erlebnisse seien unerlässlich, um die Matura oder Lehre erfolgreich zu absolvieren. Das sähen auch die Eltern so, wie die Erfahrung zeige. Intensive und teure Vorbereitungskurse zur Aufnahmeprüfung an der Kanti, wie sie beispielsweise in Zürich von privaten Anbietern durchgeführt würden, gebe es in Wil nicht. Dies zeige, dass der Stellenwert beider Ausbildungsformen gleich hoch sei, die Eltern nicht um jeden Preis auf eine Matura pochten.

Möglichkeiten noch nie so gross wie heute

Dazu beigetragen hat auch die Durchlässigkeit des Bildungssystems, sind sich Jolanda Schmucki und Markus Fust einig. Berufsmatura, Fachmatura, Weiterbildungen an Höheren Fachschulen oder im Betrieb: Die Möglichkeiten waren wohl noch nie grösser. Auch dank dieser vielfältigen und aussichtsreichen Perspektiven geniesse die Lehre heutzutage einen hervorragenden Ruf, sagt Markus Fust.

Dass viele Jugendliche eine Lehre mit einer weiterführenden Ausbildung kombinieren, zeigen auch die Zahlen. So machen Absolventen der Berufs- und Fachmatura im Kanton St. Gallen mehr als die Hälfte aller Maturanden aus. Der Weg an die Fachhochschule oder Uni führt heute nicht mehr hauptsächlich über die Kanti, sondern je länger je mehr über eine berufliche Grundbildung, sozusagen von der Baustelle an die Hochschule.

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