Trotz Sanierungsbedarf: Der Flawiler Kindergarten Wisental steht hinten an

Der Kindergarten Wisental ist sanierungsbedürftig, da sind sich alle einig. Dennoch sind
die Arbeiten noch nicht in Angriff genommen worden. Die Prioritäten liegen anders.

Tobias Söldi
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Charmant, aber in die Jahre gekommen: Die Sanierung des Kindergartens Wisental an der Wilerstrasse in Flawil ist erst in einigen Jahren geplant. (Bild: Tobias Söldi)

Charmant, aber in die Jahre gekommen: Die Sanierung des Kindergartens Wisental an der Wilerstrasse in Flawil ist erst in einigen Jahren geplant. (Bild: Tobias Söldi)

Es hat unbestreitbar Charme, das Haus Wisental, in dem zurzeit zwei Klassen mit je 21 Kindern betreut werden. An der Fassade zur Strasse hin prangt in goldenen Buchstaben das Wort «Kindergarten»; nach hinten öffnet sich unter einem knorrigen, alten Laubbaum eine grosse Wiese, die vom Botsberger Bach begrenzt wird. Es ist ein Gebäude wie aus einer anderen Zeit – an dem die vielen Jahre aber nicht spurlos vorbeigegangen sind.

«Es ist ein altes Gebäude», sagt Ueli Siegenthaler, Schulleiter der Flawiler Kindergärten, «das nicht mehr den heutigen Erwartungen an einen Kindergarten entspricht.» Nicht optimal ist beispielsweise die Raumaufteilung. So befindet sich die Garderobe im Keller. Stauraum im Erdgeschoss fehlt ebenfalls, weshalb Spielgeräte wie Stelzen oder Pedalos im Keller gelagert werden müssen. Und auch das Vordach ist leicht in Schieflage; es hat sich abgesenkt. «Irgendwann werden die Türen klemmen.» Aus energetischer Sicht besteht ebenfalls Handlungsbedarf. «Wir heizen nach draussen», sagt
Siegenthaler.

Kindergartenalltag nicht eingeschränkt


Schulratspräsident Christoph Ackermann stimmt Siegenthalers Diagnose zu: «Der Sanierungsbedarf des Kindergartens Wisental ist unbestritten.» Er weist auf die gleichen Punkte hin wie der Schulleiter. Von den Kindergartenlehrpersonen seien zudem die Hitze im Sommer und die Kälte im Winter beklagt worden. In
den vergangenen Herbstferien wurde deshalb eine neue Heizung installiert.

Diesen Unannehmlichkeiten zum Trotz wird die Kinderbetreuung im «Wisental» aufrechterhalten. «Man arrangiert sich mit vielem», sagt Siegenthaler. Der Kindergartenalltag und die Sicherheit lasse sich gut gewährleisten. Und das Alter des Gebäudes schränkt nicht nur ein. «Es lässt eine gewisse Narrenfreiheit zu. Man darf auch ein wenig dran werkeln und braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man beispielsweise einmal einen Nagel einschlägt», sagt Schulratspräsident Ackermann. Für die Kinder sei ein altes, verwinkeltes Gebäude wie das «Wisental» mit seiner grosszügigen Anlage darum herum grundsätzlich sehr attraktiv, sagt auch Siegenthaler. «Die Garderobe im Keller ist für viele Kinder eine spezielle Sache, und manche Erwachsene freuen sich, wenn sie sehen, dass es noch so ist wie zu der Zeit, als sie selbst den Kindergarten besucht haben.»

Turnhalle Feld hat Vorrang

Vielleicht ist es der Charme des «Wisentals», den man nicht aufs Spiel setzen will, vielleicht die Tatsache, dass sich der Kindergartenalltag ohne grosse Investitionen aufrechterhalten lässt – die bauliche Sanierung des Kindergartens ist schon länger ein Thema, wurde aber nie wirklich angepackt. «Die Prioritäten wurden anders gelegt», sagt Schulleiter Christoph Ackermann.

Die Investitionen im Bildungsbereich in den nächsten Jahren seien hoch, heisst es bei der Liegenschaftsverwaltung der Gemeinde Flawil. «Es kann nicht alles miteinander gemacht werden», sagt Oliver Gehrer, Leiter der Abteilung Liegenschaften, die auch für die Schulanlagen zuständig ist. Der Gemeinderat und der Schulrat priorisieren zurzeit den Neubau des Turnhallenkomplexes der Oberstufe inklusive Musikschulzentrum im Feld, der mit 10 Millionen Franken zu Buche schlägt. Die Sanierung des «Wisentals» ist deshalb erst anschliessend möglich.

Auf dem aktuellen Investitionsplan der Gemeinde Flawil für die Jahre 2020 bis 2023 ist die Projektentwicklung zur Sanierung/Erweiterung des Kindergartens Wisental mit 100000 Franken im Jahr 2023 eingeplant. Die Baukosten von 2 Millionen Franken sind auf das Jahr 2024 geplant. In der Investitionsplanung vom letzten Jahr waren diese Investitionen jeweils ein Jahr früher angesetzt.

«Man sollte Geld in die Hand nehmen»

Wie viel die Arbeiten am Kindergarten Wisental effektiv kosten werden, ist noch nicht klar. «Bei den Zahlen im Investitionsplan handelt es sich um Schätzungen», sagt Oliver Gehrer. Um konkretisieren zu können, nehme man zurzeit eine detaillierte Bestandesaufnahme der Schulliegenschaften vor. Diese soll helfen, zukünftige Investitionen zu priorisieren.

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern des Schulrates, des Geschäftsfeldes Bau und Infrastruktur und der Schulverwaltung, arbeitet daran, mithilfe eines Bewertungssystems die Dringlichkeit von Investitionen zu messen. Dabei werden bauliche und pädagogische Kriterien ebenso berücksichtigt wie die Bevölkerungsentwicklung. «In der Liste der Investitionen ist der Kindergarten Wisental enthalten», sagt Gehrer.

Für die beiden Schulvertreter ist der Fall klar. «Die Fakten sind allen bekannt», sagt Siegenthaler. «Man sollte das Geld in die Hand nehmen und das Gebäude à jour halten. Je früher, desto besser.» Auch Ackermann findet: «Ideal wäre es natürlich, das Gebäude von A bis Z zu sanieren, sonst gibt es ein Flickwerk.»

Kommentar: Sanierung anpacken

Flawil trägt seit 2016 das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde». Die Realisierung verschiedener Spiel- und Pausenplätze, wie sie der dazu entworfene Aktionsplan für die Jahre 2017 bis 2020 anführt, darf nicht davon ablenken, dass ein offenkundig sanierungsbedürftiges Gebäude nicht kinderfreundlich ist. Unvereinbar ist der Zustand des Wisentals aber auch mit Flawil als «Energiestadt», die sich die 2000-Watt-Gesellschaft zum Ziel gesetzt hat. Beides sind gute Gründe, die Sanierung des Wisentals endlich anzupacken.

Tobias Söldi, tobias.soeldi@wilerzeitung.ch