Trotz düsterer Wolken am Kunsthimmel: Aïscha Ibrovic eröffnet in Wattwil eine neue Galerie

Morgen Samstag feiert die Galerie 1923 im neuen Wattwiler Bahnhofgebäude Eröffnung. Aïscha Ibrovic möchte dort Künstlerinnen und Künstler abseits des Mainstreams vorstellen.

Sascha Erni
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Aïscha Ibrovic möchte mir ihrer Galerie «Galerie 1923» Raum für zeitgenössische Kunst zur Verfügung stellen.

Aïscha Ibrovic möchte mir ihrer Galerie «Galerie 1923» Raum für zeitgenössische Kunst zur Verfügung stellen.

Bilder: Sascha Erni

Noch wird an der Bahnhofstrasse 22 gehämmert und am Licht geschraubt. Bilder werden aufgehängt und Skulpturen zurecht gerückt. Hier eröffnet am 19. September Aïscha Ibrovic mit der «Galerie 1923» einen neuen Raum für zeitgenössische Kunst. Sie möchte einzigartige Bilder zeigen und Kunstschaffende an die Öffentlichkeit bringen, die auch tatsächlich Spezielles zu bieten haben, wie sie im Gespräch sagt.

Noch wird der Galerie der letzte Schliff gegeben.

Noch wird der Galerie der letzte Schliff gegeben.

Die Bandbreite an Exponaten werde an der Vernissage sehr breit sein, mit dabei sind auch Werke ihres aktuellen Lieblingskünstlers, Donegel' Chong. «Mir müssen die Bilder schon auch selbst gefallen», sagt sie und lacht. Die Galerie sei einerseits als Stützpunkt und Ladengeschäft gedacht. Andererseits stellt sie auch einen Zwischenschritt dar. Denn mittelfristig strebt die junge Wattwilerin die Teilnahme an internationalen Messen an. «Die Kunstmessen haben hohe Anforderungen an die Ausstellenden, darauf arbeiten wir mit der Galerie 1923 hin.»

Neueröffnungen von Galerien haben Seltenheit

Dass jemand eine neue Galerie eröffnet, hat nicht nur im Toggenburg Seltenheitswert. Seit Jahren kriselt der Kunstmarkt, alleine während der Corona-Pandemie ist der Umsatz laut einer Umfrage der Art Basel und der UBS um ein Drittel eingebrochen. Entlassungen und Schliessungen bestimmen das Bild, damit fallen für Künstlerinnen und Künstler auch Räume weg, in denen sie ihre Werke ausstellen können.

Die Situation im Kanton ist wenig übersichtlich, aber gefühlt gäbe es kaum Neueröffnungen, bestätigt auf Anfrage auch Ursula Badrutt, Leiterin Kulturförderung des Amts für Kultur St. Gallen. «Eher geschieht es, dass eine Galerie ihre Tätigkeit aufgibt oder zumindest reduziert, keine Ausstellungen mehr macht, sondern allenfalls bestehende Kontakte für Verkäufe pflegt», wie sie sagt.

Im Moment ist die Galerie am Bahnhof so gut wie konkurrenzlos, zumindest im Toggenburg.

Im Moment ist die Galerie am Bahnhof so gut wie konkurrenzlos, zumindest im Toggenburg.

In dieser Hinsicht sei die Situation nicht anders als etwa in Zürich oder Basel, so Badrutt: «Einfach in einem entsprechend kleineren Massstab.» Aber Galerien seien weiterhin ein wichtiger Ort für die Kunst, meint Mirjam Hadorn. Die Geschäftsführerin Stiftung Lokremise St. Gallen hat selbst lange Zeit eine Galerie in Lichtensteig geführt. «Künstler wird Aïscha Ibrovic genügend finden», ist sie sich sicher. Im Moment sei die Galerie 1923 im Toggenburg so gut wie konkurrenzlos. «Ausstellungsplatz ist etwa so rar wie potente Kundschaft», ergänzt die Lichtensteigerin.

Durchmischte Premiere

Auch Aïscha Ibrovic ist sich bewusst, dass sie ihre Galerie in einem schwierigen Umfeld eröffnet – aber dass das Interesse dennoch substanziell ist. Kaum sei die Website online gewesen, hätten Kunstschaffende bereits Dossiers und Bewerbungen eingereicht, und während des Umbaus gab es immer wieder Zufallsbesuche von interessierten Passanten. Auf die Vernissage blickt Ibrovic optimistisch und enthusiastisch. Anders als kommende Ausstellungen, die einen klaren Themenfokus haben werden, sei die Vernissage am Samstag sehr durchmischt. «Da sollte es für jeden etwas dabei haben», freut sich Aïscha Ibrovic.

Neueröffnung «Galerie 1923». 19. September 2020, von 14-19 Uhr, Bahnhofstrasse 22 in Wattwil. Programm und weitere Informationen: www.galerie1923.ch