Trotz Anzeichen einer sich eintrübenden Konjunktur: Der Optimismus überwiegt beim Oberuzwiler Gewerbe

Neujahrsbegrüssung des Gewerbevereins Oberuzwil: Ob «Goldene Zwanzigerjahre» bevorstehen, scheint derzeit ungewiss.

Philipp Stutz
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Robert Stadler (links) stellte das Wirtschaftsportal Ost vor, Ernst Dobler beleuchtete die Situation des Gewerbes.

Robert Stadler (links) stellte das Wirtschaftsportal Ost vor, Ernst Dobler beleuchtete die Situation des Gewerbes.

Bild: Philipp Stutz

«Anzeichen sprechen dafür, dass sich die Konjunktur wieder eintrüben könnte», sagte Ernst Dobler, Präsident des Gewerbevereins, an der gut besuchten Neujahrsbegrüssung im Betreuungs- und Pflegezentrum Wolfgang. Handelskriege, Brexit, politische Wirren im Mittleren Osten, Ratlosigkeit in der Klimaproblematik: dies alles sei Anlass für Verunsicherung in der Weltwirtschaft.

Rückschlag nicht mehr wettgemacht

Dobler erinnerte an die «Goldenen Zwanzigerjahre» des vergangenen Jahrhunderts, die aber lediglich ein Zwischenhoch vor der nächsten Krise bedeutet hätten. Die Ostschweiz, vor den Kriegsjahren wohlhabender als andere Gegenden, habe dabei die einst blühende Stickereiindustrie verloren. Die ganze Gegend sei damals verarmt. Dieser Rückschlag habe gegenüber den heute wirtschaftsstarken Regionen der Schweiz nie ganz wettgemacht werden können.

Das Baugewerbe boomt noch immer

Die Schuldenproblematik sei in den vergangenen Jahren nicht gelöst, aber geschickt «unter dem Deckel gehalten» worden. Doch grundsätzlich floriere die Wirtschaft noch immer. Das zeige sich vor allem im Baugewerbe. Und dokumentiere sich in der Überbauung des Oberuzwiler Dorfzentrums. «Aber auch das Benninger-Areal in Uzwil wird überbaut, und an der Bahnhofstrasse deuten viele Visiere auf kommende Projekte hin», sagte Dobler. Dafür verantwortlich sei allerdings nicht die Wohnungsnot, sondern ein «Notstand» bei den Anlegern. Ob diese Entwicklung gesund sei, werde man vielleicht beim nächsten Dekadenwechsel erkennen. Es gebe aber auch Branchen, die zu schwächeln begännen. So seien die Zulieferer der Autoindustrie verunsichert. In Deutschland sei die Konjunktur eingebrochen, was man auch hierzulande zu spüren komme.

Klimawandel war schon vor zehn Jahren ein Thema

Der Klimawandel, heute in aller Munde, sei schon vor zehn Jahren ein Thema gewesen, betonte Dobler. «Ich glaube aber immer noch, dass das exponentielle Wachstum mindestens in der westlichen Welt an Grenzen stösst.» Hinzu kämen die Endlichkeit der Ressourcen und die CO2-Problematik. Die Lösung dieser Problematik werde nicht alleine die Technik bringen. «Die Nutzung der Energie ist immer mit Nebenwirkungen verbunden», sagte Dobler, Elektroingenieur mit eigenem Betrieb. Jetzt glaube man, die Lösung in der Elektrifizierung von Energiesystemen gefunden zu haben: Elektromobilität und Wärmepumpen in Verbindung der Nutzung von Umweltwärme bei Heizanwendungen. «Wohl ist die Umwandlung von Strom in Bewegungsenergie im Elektromotor oder in der Wärmepumpe effizient. Aber der Strom muss erst erzeugt werden, ehe er aus der Steckdose kommt.» Das gelte ebenso für mit Strom erzeugten Wasserstoff oder synthetischer Treibstoff.

«Wir müssen etwas ändern»

«Die Erzeugung von Strom und deren Zwischenspeicherung ohne grosse Nebenwirkungen wird die Herausforderung der nächsten Jahre sein», ist Dobler überzeugt. Dass heute in Europa viel mehr als die Hälfte des Stroms in fossilen Kraftwerken erzeugt werde, heisse auch, dass weder Elektroauto noch Wärmepumpe CO2-frei seien. So sei es verfehlt, fossile Energie zu verdammen und fossile Heizungen zu verbieten, bevor man wisse, wie genügend grüner Strom zur Verfügung stehe. Der beste Beitrag zur Lösung des Problems wäre es, bewusster mit Energie umzugehen und den Lebensstil zu ändern: «Wir müssen etwas werden.»

Kontaktpflege steht im Mittelpunkt

Die Neujahrsbegrüssung findet immer bei einem Mitgliedsbetrieb des Gewerbevereins statt. Diesmal war es das Betreuungs- und Pflegezentrum Wolfgang, das von Gastgeber Patrick Schätti vorgestellt wurde und erst kürzlich um die «Weingartenstube» ergänzt worden ist. Bei einem Apéro riche und musikalischer Unterhaltung kam auch das Gesellige nicht zu kurz.