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Trinkwasser qualitativ gut – aber …

Das Trinkwasser der Stadt Wil ist qualitativ einwandfrei – auch wenn es in bescheidenem Ausmass unerwünschte Fremdstoffe enthält. Dies antwortet der Stadtrat jetzt auf einen Vorstoss, der Aufschluss über den Zustand des Trinkwassers verlangte.
Richard Clavadetscher
Sauberes klares Wasser im Glas: In der Schweiz entspricht das Hahnenwasser fast immer Trinkwasserqualität. (Bild: PD)

Sauberes klares Wasser im Glas: In der Schweiz entspricht das Hahnenwasser fast immer Trinkwasserqualität. (Bild: PD)

Seit die Bernerin Franziska Herren ganz ohne Parteiensupport die nötigen Unterschriften für ihre Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und prophylaktischen Antibiotikaeinsatz» in Rekordzeit sammelte, ist die Trinkwasserqualität noch mehr als zuvor schon im Fokus der Öffentlichkeit.
Kein Wunder also, dass sich dies auch im Wiler Stadtparlament manifestiert, wo sich Christoph Hürsch (CVP) zusammen mit 26 Mitunterzeichnern per Interpellation nach der Trinkwasserqualität in der Stadt erkundigte. Und kein Wunder deshalb ferner, dass der Stadtrat die Interpellation nun in fast schon epischer Länge (fünf Seiten) beantwortet. «Die Initiative war mir tatsächlich Anstoss, mich bei der Stadt nach dem Zustand des Trinkwassers zu erkundigen», bestätigt Interpellant Hürsch.
Die nun für die Öffentlichkeit wohl wichtigste Textpassage der Antwort des Stadtrats befindet sich auf deren letzter Textseite: «Der Stadtrat kann versichern, dass das Trinkwasser in der Stadt Wil (…) die qualitativen Anforderungen nicht nur jetzt erfüllt, sondern auch in den vergangenen Jahren vollumfänglich erfüllt hat.» Dies gelte sowohl für das Grund- als auch für das Quellwasser. Es gelte weiter ebenso für das Wasser, das die Technischen Betriebe Wil bereitstellten, wie für jenes der Dorfkorporation Bronschhofen und für jenes, das aus dem Thurgau bezogen werde.

Die qualitativen Anforderungen erfüllen

Nun heisst «die qualitativen Anforderungen erfüllen» natürlich nicht, dass dieses Trinkwasser absolut rein, also frei von Fremdstoffen ist. Es heisst ehrlicherweise, dass aufgrund der geringen Konzentration der Fremdstoffe im Trinkwasser «nach heutigen Wissensstand» keinerlei Gefahr für die menschliche Gesundheit bestehe. Auch dies hält der Stadtrat fest – und enttäuscht damit vielleicht jene, die von Trinkwasser erwarten, dass es absolut rein sei.
Wie an vielen anderen Orten im Mittelland ist das Grundwasser im Fürstenland überdurchschnittlich mit Nitraten belastet, und es finden sich darin zudem Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (PSM). Dies stellte bereits der Analysebericht 2013 des Kantons St. Gallen fest.
Was die PSM betrifft, sind dies laut Stadtrat vor allem Atrazin und Dichlobenil sowie deren Abbauprodukte. Das seit 2008 verbotene Atrazin fand zuvor als Unkrautvernichter in Maiskulturen, entlang von Eisenbahngeleisen und Strassen sowie auf Industrieanlagen Verwendung. Dichlobenil wiederum ist vor allem in Baumschulen sowie in Obst- und Beerenkulturen eingesetzt worden. Seit Februar 2014 besteht ein Verkaufs-, seit Februar 2015 zudem ein Anwendungsverbot. Das Abbauprodukt Dichlorbenzamid soll allerdings laut Bund und wiederum «nach heutigem Wissensstand» keine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen.
Dass sich beide Wirkstoffe und deren Abbauprodukte – wenn auch in geringer und weiterhin sinkender Konzentration – noch immer im Grund- und Trinkwasser nachweisen lassen, zeigt jedoch eindrücklich, wie lange es geht, bis solche Stoffe, einmal ausgebracht, wieder aus der Umwelt verschwinden. Und es zeigt die Notwendigkeit des von Umweltschutzorganisationen gleichwohl als zu spät und zu mutlos kritisierten Aktionsplans Pflanzenschutzmittel, den der Bundesrat vor rund einem Jahr verabschiedet hat. Der Aktionsplan soll mit geeigneten Massnahmen bisherige Risiken wenigstens halbieren und in der Landwirtschaft Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz fördern.
Der früher sorglose Umgang mit PSM zeitigte in der Vergangenheit übrigens auch Auswirkungen auf das Wiler Trinkwasser. So lag etwa in der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts bei einzelnen Quellfassungen der gemessene Wert von PSM und deren Abbauprodukten über dem geltenden Toleranzwert.

Stetige und akribische Kontrolle

Trinkwasserbrunnen: Die Bevölkerung will reines Wasser ohne Fremdstoffe. (Bild: Nana do Carmo)

Trinkwasserbrunnen: Die Bevölkerung will reines Wasser ohne Fremdstoffe.
(Bild: Nana do Carmo)

Strengere Auflagen, aber auch die Einsicht jener, die solche PSM in für das Trinkwasser sensiblen Gebieten ausbrachten, hätten seither zur Verbesserung der Wasserqualität in diesen einzelnen Fällen geführt, schreibt der Stadtrat.
Dass der Wiler Stadtrat überhaupt so detaillierte Angaben über die Trinkwasserqualität machen kann, weist immerhin auch auf Positives hin: Das Trinkwasser wird hier stetig und akribisch kontrolliert, und zwar nicht nur auf chemische, sondern auch auf bakteriologische Verunreinigungen. Dies zum Teil in einem Umfang, der das strikt Vorgeschriebene übersteigt.
Der Stadtrat sei sich «bewusst», dass das von PSM-Rückständen in Lebensmitteln und namentlich auch im Trinkwasser ausgehende Risiko in der Bevölkerung höher eingeschätzt werde «als es gemäss wissenschaftlicher Beurteilung nach heutigen Wissenstand ist». Die Bereitschaft der Bevölkerung sei «gering, auch noch so geringe Rückstände zu akzeptieren». Dem wolle der Stadtrat insofern Rechnung tragen, als er zusammen mit den Verantwortlichen alles daran­setze, «die PSM-Belastung im Trinkwasser weiter zu reduzieren und wenn möglich zu eliminieren».
Dies allerdings wird noch Zeit und Anstrengung brauchen.
Nachfrage bei Interpellant Christoph Hürsch: Ist er zufrieden mit der stadträtlichen Antwort? Auf die entsprechende Frage unserer Zeitung antwortet Hürsch diplomatisch: Über das Qualitative zu sprechen, dies wolle er sich für die Parlamentssitzung aufsparen. Er beschränke seine Antwort deshalb aufs Quantitative: «Mit der Ausführlichkeit der Antwort bin ich schon mal sehr zufrieden.»

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