Nach Machtwechsel und Familienzwist: Gabun treibt Uzwiler Privatjetunternehmen «Travcon» in den Konkurs

Einst organisierte «Travcon» von Uzwil aus Privatjets für die Reichsten der Welt. Jetzt ist das Oberuzwiler Unternehmen in Konkurs.

Andrea Häusler
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Die Liegenschaft an der Rehweidstrasse in Oberuzwil soll am 27. Januar unter den Hammer kommen.

Die Liegenschaft an der Rehweidstrasse in Oberuzwil soll am 27. Januar unter den Hammer kommen.

Bild: Andrea Häusler

«Ostschweizer Firma sperrt Jet von Gabuns Präsident». So titelte «20 Minuten» im April 2015 und brachte damit die Travcon Aviation Group schweizweit in die Schlagzeilen. Das 2003 vom gebürtigen Flawiler Philipp Zürcher gegründete Familienunternehmen mit Sitz in Oberuzwil und Büro in Uzwil organisierte weltweit Charterflüge für Geschäftsleute, Prominente und Regierungsvertreter. Gleichzeitig war die Firma, in deren Verwaltungsrat auch Sohn Tobias und Tochter Jaël Jimenez-Zürcher Einsitz haben, als Vermittlerin beim Kauf- und Verkauf von Privatjets tätig. Ein einträgliches Geschäftsmodell. Insbesondere in einer Zeit, in der Flüge im «eigenen» Jet für ein wachsendes Publikum – etwa Führungskräfte global tätiger Konzerne – zum «Must» wurde.

Die Sache mit dem Tod des Präsidenten

Verantwortlich dafür, dass das Unternehmen in die Negativschlagzeilen geriet, ist die Regierung des zentralafrikanischen Staates Gabun. Für einen zweistelligen Millionenbetrag in Dollar soll dessen Regierungschef zwischen 2008 und 2010 durch die Welt gejettet sein – ohne dafür zu bezahlen. Die Travcon Aviation Group blieb auf ihren Forderungen sitzen. «Bis heute», wie Firmenchef Philipp Zürcher auf Anfrage sagt. Wobei er explizit klar macht:

«Ungeachtet dessen haben wir alle Leistungen unserer Partner – der Erbringer der gebuchten Serviceleistungen – bezahlt – aus der eigenen Tasche.»

Blauäugig sei man nicht gewesen, als man Gabuns Präsident Omar Bongo Flüge auf Rechnung vermittelt habe, sagt Zürcher. «Gabun, beziehungsweise dessen Regierung, brachte der Travcon über längere Zeit hohe Umsätze. Bezahlt wurden die Leistungen stets anstandslos, wenn auch manchmal mit etwas Verspätung.»

Machtwechsel und Familienzwist

Das änderte mit dem Tod Omar Bongos und der Machtübernahme durch dessen Sohn Ali-Ben Bongo Ondimba. Laut Philipp Zürcher bestritt dieser, als Regierungsvertreter, die Millionenforderung aus der Schweiz und wies die Verantwortung für die Reiseausgaben seiner Schwester zu. Dies mit der Begründung, sie persönlich habe die Flüge beansprucht.

Ein Familienstreit in Afrika, eine existenziell bedrohte Gläubigerin in der Schweiz und eine Bank, der die Geduld ausgeht. Im August wurde über das Unternehmen der Konkurs eröffnet, im September durch das Konkursamt St.Gallen, Regionalstelle Wil, der Schuldenruf publiziert.

Verfahren beim Kreisgericht Wil anhängig

Für Philipp Zürcher ist die Situation schwierig. Umso mehr, als er sich sicher ist, dass die ausstehende Zahlung in näherer Zukunft eintreffen wird. Der Fall liege beim Kreisgericht Wil, sagt er. Weil die Schweiz zuständig sei. Jenes Land, in dem die Dienstleistungen erbracht worden sind. «Gabun ist nicht arm», macht er klar. Auf Schweizer Konten seien erhebliche Guthaben des zentralafrikanischen Staates platziert. Und die Faktenlage sei klar: «Wir haben Leistungen erbracht, die nicht vergütet wurden.»

Wissen und Zuversicht nützen dem 66-Jährigen jedoch wenig. Die bewusste Verzögerungstaktik, als die Philipp Zürcher das Gebaren des einstigen Geschäftspartners bezeichnet, hat nicht nur sein Unternehmen in den Konkurs gerissen, sondern auch für ihn privat Konsequenzen. Am 27. Januar soll seine Liegenschaft an der Rehweidstrasse 12 in Oberuzwil betreibungsamtlich versteigert werden.

Neue Zukunft in altem Geschäft

Über das Danach will sich Zürcher vorderhand nicht im Detail äussern. Eine Sanierung der Firma nach Abschluss des Konkursverfahrens schliesst er jedoch nicht definitiv aus. Diesbezügliche Gespräche seien im Gang, sagt er. Denn daran, dass das Geschäftsmodell und die Branche trotz verändertem Marktumfeld eine Zukunft haben, glaubt er nach wie vor.

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