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Elia Mettler hat die Freude am Eishockey wiedergefunden: «Ich hätte beim besten Willen nicht an eine solche Rückkehr geglaubt»

Der 25-jährige Winterthurer zeigt beim 1.-Liga-Club EC Wil seine bisher beste Saison. Und dies nach einer zweijährigen Verletzungspause. Wie gelang dem 25-jährigen Winterthurer ein solch starkes Comeback?
Tim Frei
Über Andreas Ambühl, seinen Sturmpartner und Freund, sagt Elia Mettler: «Wil hätte mich ohne ihn nicht verpflichtet. Dass er wegen mir nach Wil gegangen ist, rechne ich ihm hoch an». (Bild: Benjamin Manser)

Über Andreas Ambühl, seinen Sturmpartner und Freund, sagt Elia Mettler: «Wil hätte mich ohne ihn nicht verpflichtet. Dass er wegen mir nach Wil gegangen ist, rechne ich ihm hoch an». (Bild: Benjamin Manser)

Er kann wieder lächeln. Zwischen 2016 bis 2018 hatte Elia Mettler die Freude am Sport verloren, weil er wegen schweren Verletzungen zwei Saisons pausieren musste (siehe Infobox). Und nun das: Beim EC Wil ist dem 25-Jährigen nicht einfach ein Neustart gelungen, mit 46 Punkten in 25 Partien ist er hinter seinem Sturmpartner Andreas Ambühl gar der zweitbeste Skorer des Teams – ligaweit liegt Mettler auf Rang drei.

Wils Trainer Andreas Ritsch hat dem Winterthurer eine solche Rückkehr zwar zugetraut, «doch überrascht hat es mich schon». Überhaupt nicht verwundert ist Daniel Hornecker, der mit Mettler seit dessen Kindheit befreundet ist und ihn für längere Zeit als Mentaltrainer unterstützte: «Elia hat einen sehr hohen Anspruch an sich.»

Wil-Trainer Ritsch gab ihm Zeit

Der Spieler selber ist sehr überrascht. «Ich hätte beim besten Willen nicht an ein solches Comeback geglaubt.» Noch in den Vorbereitungsspielen tat er sich sehr schwer. Mettler sagt:

«Ich kam immer zu spät, mir fehlte das Timing komplett. Ich zweifelte stark an mir.»

Dass er die Kurve kriegte, liegt nicht nur an Hornecker, sondern an drei weiteren Personen. Da ist zuerst Trainer Ritsch. «Er hat mir die notwendige Zeit gegeben und mir damit den Druck genommen», sagt der nur 1,73 Meter grosse Stürmer. Der 57-Jährige liess Mettler bereits früh mit Ambühl auflaufen. Mettler sagt:

«Und das obwohl ich noch Schwierigkeiten hatte. Das zeigte mir, dass er auf mich setzt.»

Dass er mit einem Mentaltrainer gearbeitet hat, wusste Ritsch nicht. «Alleine das zeigt, dass Elia die richtige Einstellung hat.»

Daniel Zeber machte ihm ein Angebot im Spital

Eine weitere wichtige Vertrauensperson ist Daniel Zeber, ehemaliger Sportchef des EC Wil. Dieser war nebst der Familie der Einzige, der Mettler nach dessen dritter Verletzung im Sommer 2017 besuchte. Von den Pikes Oberthurgau, seinem damaligen Verein, liess sich dagegen niemand blicken. «Das hat mich getroffen», so Mettler.

Zeber wollte den Winterthurer bereits damals verpflichten. «Mit seinem Besuch und seiner Absicht baute er eine Vertauensbasis auf», sagt Mettler, der das attraktive Angebot aus Loyalität zu den Pikes ablehnte.

«Ich wollte dem Verein nach meinen Verletzungen zuerst etwas zurückgeben, bevor ich wechsle.»

Das beeindruckte wiederum Zeber. «Er war an Charakterspielern interessiert», sagt Mettler.

Andreas Ambühl ist weit mehr als sein Sturmpartner

Ebenso zentral war Andreas Ambühl, mit dem Mettler bei den Pikes zusammenspielte. «Wil hätte mich ohne ihn nicht verpflichtet. Dass er wegen mir nach Wil gegangen ist, rechne ich ihm hoch an», sagt Mettler über den besten 1.-Liga-Torschützen dieser und der vergangenen Saison.

Die beiden sind seit der Zeit bei den Pikes gute Freunde. «Das ist einer der Gründe, weshalb wir harmonieren.» Zudem ergänzen sich die beiden Stürmer ideal – Mettler der Vorbereiter, Ambühl der Vollstrecker.

Seine Opferrolle abgelegt

Hornecker hat bei Mettler einen Reifeprozess ausgemacht. «Bei den ersten zwei Verletzungen war er noch in der Opferrolle und fragte sich: Weshalb passiert das mir?» Doch nach der dritten Verletzung sei das verschwunden. «Das hat mit meiner Vergangenheit zu tun», so Mettler.

Dreimal wurde er seiner Chance auf dem Weg zum Profi beraubt. Nach einer starken Saison als Topskorer der Elite von Rapperswil-Jona hatte der NLA-Club ihm keinen Vertrag angeboten. Beim NLB-Verein Thurgau widerfuhr ihm das gleiche Schicksal. Mettler spielte selten und wenn doch, dann als 13. Stürmer.

«Nach den starken Leistungen bei der Elite hätte ich mir deutlich mehr Eiszeit erhofft. So konnte ich mich in der zweithöchsten Liga nicht weiterentwickeln.»

Elia Mettler (links) kämpft gegen Wetzikons Captain Nicolas Marzan um den Puck. Morgen stehen sich die beiden ehemaligen Elitespieler von Rapperswil-Jona erneut gegenüber. (Bild: Tim Frei)

Elia Mettler (links) kämpft gegen Wetzikons Captain Nicolas Marzan um den Puck. Morgen stehen sich die beiden ehemaligen Elitespieler von Rapperswil-Jona erneut gegenüber. (Bild: Tim Frei)

Nach dritter Verletzung den Profitraum aufgegeben

Schliesslich wollte er seine Karriere bei Herisau, das zum NLB-Partnerteam von Rapperswil-Jona werden sollte, neu lancieren. Unter Christian Rüegg – der laut Mettler als Trainer gilt, der nicht auf Namen, sondern Leistung setzt. Doch als die Rapperswiler in die NLB abstiegen waren, war auch das Farmteam Geschichte.

«Zum dritten Mal wurde mir die Chance genommen.»

Nach den ersten zwei Verletzungen liebäugelte Mettler immer noch mit einer Profikarriere. «Doch nach der dritten habe ich diesen Traum aufgegeben.» Hinzu kommt, dass er als Helsana-Versicherungsberater im Aussendienst eine berufliche Perspektive gefunden hat.

«Die Prioritäten haben sich verschoben.»

Das ändert aber nichts an seinen Ambitionen. Das Ziel der ersten Mannschaft ist der Halbfinal. Mettler, der seinen Vertrag mit Wil vor einer Woche verlängert hat, ist aber überzeugt: «Mit diesem tollen Team liegt mehr drin.»

Vier Verletzungen und drei Operationen in zwei Jahren

Im Sommertraining 2016 hatte sich Elia Mettler das Kreuzband gerissen. Nur einen Tag, bevor es mit den Pikes Oberthurgau erstmals aufs Eis gehen sollte. «Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte es nicht geben können», sagt der Winterthurer. Nach einer Fehldiagnose, es handle sich bloss um Wasser im Knie, trainierte Mettler zwei Wochen weiter. Als er sich kaum noch fortbewegen konnte, liess er sich in ein Spital einweisen, wo die richtige Diagnose gestellt wurde. Nach langer Abschwellungsdauer folgte die Operation. Bereits dreieinhalb Monate später kehrte er zurück. Doch schon ging es wieder von vorne los: Im Training prallte er mit einem Mitspieler der Pikes zusammen. Obschon es ihn fortan in den Adduktoren zwickte, bestritt Mettler zehn Partien. Meistens musste er diese aber vorzeitig abbrechen. Eine medizinische Untersuchung im Januar 2017 zeigte, dass er in den Adduktoren einen Muskelfaserriss erlitten hatte. Dies zwang ihn im Januar zu einer weiteren mehrwöchigen Pause. Ein späteres MRI ergab, dass ein Knorpelschaden in der rechten Hüfte vorlag. So entschied sich Mettler, die Saison abzubrechen und die später einmal zwingende Operation vorzuziehen, um sich wieder gesund auf die neue Saison vorzubereiten zu können. Im Sommer 2017 verletzte sich der heute 25-Jährige zum dritten Mal. In einem Vorbereitungsspiel verlor er nach einem Check gegen sein Knie die Balance und fiel auf die Schulter. Die niederschmetternde Diagnose: ausgekugelte Schulter, Sehnenabriss und Knochenbruch. Eine dritte Operation war unumgänglich – und damit das vorzeitige Saisonende bereits nach zwei Vorbereitungsspielen wieder definitiv. (tm)

Elia Mettler spielt am Samstagabend mit dem zweitklassierten EC Wil gegen Leader Wetzikon. Anpfiff ist um 17.30 Uhr im Wiler Bergholz.

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