Transparenz statt Hochglanz

Rückblick auf die Sitzung vom vergangenen Mittwoch In Hochglanz gehaltene, bunt daherkommende Geschäftsberichte kantonaler Anstalten sind spätestens seit dem Sparauftrag an den Kanton nicht mehr zeitgemäss.

Ruedi Heim
Merken
Drucken
Teilen

Rückblick auf die Sitzung vom vergangenen Mittwoch

In Hochglanz gehaltene, bunt daherkommende Geschäftsberichte kantonaler Anstalten sind spätestens seit dem Sparauftrag an den Kanton nicht mehr zeitgemäss. Mehr Transparenz wünsche ich mir in der Frage der Sponsoren der Pädagogischen Hochschule.

Wie dick, wie bunt und wie werblich soll der Geschäftsbericht einer kantonalen Institution daherkommen? Diese Frage stellt sich spätestens seit der fast diskussionslosen Genehmigung der Geschäftsberichte der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) und der Gebäudeversicherung Thurgau vom letzten Mittwoch durch den Grossen Rat. Wenn der Kanton sparen muss, verträgt auch der Aufwand für die jährliche Rechenschaftsablage unserer Institutionen mehr Augenmass, insbesondere nach der erschöpfenden Diskussion zur Leistungsüberprüfung der Kantonsverwaltung, der «LüP». Für mich als Kantonsrat reicht ein transparenter Rechenschaftsbericht mit einem soliden Zahlenteil. Die schönen Fotos, die in eine ansprechende Grafik gebetteten Texte und das schmucke Papier sind zwar hübsch. Sie tragen aber kaum zur Entscheidungsfindung bei.

Unnötige Geheimniskrämerei

Unsere Pädagogische Hochschule bietet neuerdings einen Masterkurs zum Sektor «Frühe Kindheit» an. Abgesehen von der Frage, ob für Teilbereiche ein Bologna-tauglicher Masterkurs nötig ist – und dafür ein konventionelles Diplom nicht auch reichen würde –, wurde bekannt, dass dieser Masterkurs von einer «anonymen Stiftung» gesponsert werde. Die Verantwortlichen zieren sich, den Namen dieser Stiftung bekanntzugeben. Das ist erstaunlich. Welches sind die Rechtsgrundlagen, nach welchen Kriterien werden Sponsoren zugelassen – und wo liegen die Motive oder gar Mitsprache- und Einflussmöglichkeiten der Unterstützer? Nachdem bereits die ETH Zürich und verschiedene Universitäten in dieser Frage für Transparenz besorgt sind, stünde es auch dem Thurgau gut an, den Schleier rasch zu lüften.

PR-Auftrag nach Deutschland

Erwartungsgemäss keine Wellen hat an der Sitzung vom vergangenen Mittwoch die zweite Lesung des Gesetzes über die Förderung des öffentlichen Verkehrs geworfen. Wohl aber die in den Medien losgetretene Debatte, warum «Thurgau Tourismus» die Propagierung unseres schönen Kantons an eine Agentur in Deutschland vergeben hat. Darüber sowie über die schönen Geschäftsberichte wird spätestens an der nächsten Budgetdebatte zu reden sein. Ebenso bunt und ausführlich wie die Geschäftsberichte, versteht sich.

Die Wiler Zeitung bietet den Kantonsräten des Bezirks Münchwilen die Gelegenheit, sich jeweils vor und nach den Grossratssitzungen zu den traktandierten Geschäften zu äussern.