TRANSFERWIRBEL: Uzwiler Lockruf für den Rekordhalter

Der 1.-Liga-Club EHC Uzwil streckt seine Fühler nach dem Schweizer Rekordnationalspieler Mathias Seger aus. Für diesen wäre es mit 39 Jahren eine Rückkehr an jenen Ort, wo er die Karriere lanciert hat. Ein Entscheid könnte schon im Januar fallen.

Simon Dudle
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Kein anderer Spieler hat mehr Spiele für die Schweizer Nationalmannschaft absolviert als Mathias Seger. Wo lässt er seine Karriere ausklingen? (Bild: Andy Mueller (Andy Mueller))

Kein anderer Spieler hat mehr Spiele für die Schweizer Nationalmannschaft absolviert als Mathias Seger. Wo lässt er seine Karriere ausklingen? (Bild: Andy Mueller (Andy Mueller))

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Tranquillo Barnetta hat es vorgemacht: Der ehemalige Schweizer Fussball-Nationalspieler unterschrieb bei seinem Stammverein FC St. Gallen einen Vertrag, um eine grosse Karriere dort ausklingen zu lassen, wo sie begonnen hatte. Den gleichen Weg soll auch Eishockey-Spieler Mathias Seger gehen, wenn es nach den Vereinsverantwortlichen des EHC Uzwil geht. Dort hat der Fan des FCSG das Hockey-Abc gelernt, bevor er via Rapperswil-Jona zu den ZSC Lions nach Zürich wechselte, wo er seit 1999 durchgehend spielt und seit Jahren Captain ist.

Am Vorweihnachtsabend rollten die Uzwiler dem gebürtigen Flawiler den roten Teppich aus. Eine Delegation des 1.-Liga-Vorletzten, bestehend aus etwa 50 Junioren, Funktionären und dem Vereinsmaskottchen «Hawkie», mischte sich beim NLA-Spiel zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano unter die mehr als 10000 Zuschauer im Hallenstadion. Nach dem 4:2-Sieg der Zürcher postierten sie sich vor dem Spielereingang und skandierten lauthals sowie wiederkehrend «Come Back Seger». Und er kam. Zumindest, um Fotos zu machen und Autogramme zu schreiben. Dann verabschiedete er sich zum Interview mit dem Schweizer Fernsehen.

«Es wäre schön, noch ein Jahr in Zürich zu bleiben»

In diesem erwiderte er den Uzwiler Lockruf mit einem Lachen: «Es ist eine schwierige Entscheidung. Ich werde mir beide Angebote anschauen und dann entscheiden.» Zur möglichen Parallele mit Barnetta ergänzte Seger: «Der FC St. Gallen ist ein Topclub in er höchsten Liga. Uzwil ist auch ein Topclub, aber halt erst in der dritthöchsten Liga. Ich werde mich im Januar mit den Zürcher Verantwortlichen zusammensetzen und dann entscheiden.»

Nicht nur die Uzwiler buhlen um Seger, sondern auch in Zürich wird um den Aggressivleader geworben. Die ZSC-Fans hatten am Freitag zwei Transparente in die Höhe gehalten und darauf gefordert, dass der Ostschweizer noch eine Saison bei den Zürchern anhängen möge. Seger sagte: «Es hat mich sehr gefreut, dass mich die Fans weiterhin hier haben wollen. Es wäre schön, noch ein Jahr in Zürich zu bleiben.»

Tönt so, als müsste in Uzwil noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um «Segi» in die Uzehalle zurückzulotsen. Der heute 39-Jährige ist beim EHC Uzwil gross geworden. Es folgte eine Karriere, die ihresgleichen sucht. Kein Akteur hat mehr Spiele für die Schweizer Nationalmannschaft bestritten – mehr als 300. Seit Ende September dieses Jahres ist er auch in der National League A jener Akteur mit den meisten Einsätzen – fast 1100. Mit dem ZSC holte er fünf Meisterschaften und gewann 2009 die Champions Hockey League.

Beim EHC Uzwil meint man es ernst mit der Rückkehr des grössten Sohnes der Vereinsgeschichte. «Spätestens seit Freitag weiss Mathias Seger, dass wir ihn sehr gerne engagieren möchten. Ich glaube, er kommt zurück. Wir haben die Saison 2018/2019 im Auge und ihm noch kein Angebot gemacht», sagte Adam Mechergui, Geschäftsführer des EHC Uzwil. Ein Joker könnte Theo Seger sein, der Vater von Mathias. Er ist Teammanager der ersten Uzwiler Mannschaft und auch sonst eng mit dem EHC verbunden. Vielleicht fädelt ja ausgerechnet er den grossen Deal ein.

Über 50 Junioren des EHC Uzwil buhlten im Hallenstadion laustark um die Rückkehr von Mathias Seger. zum Stammclub. (Bild: PD)

Über 50 Junioren des EHC Uzwil buhlten im Hallenstadion laustark um die Rückkehr von Mathias Seger. zum Stammclub. (Bild: PD)

Auch die ZSC-Fans widmeten sich am Freitagabend mit Transparenten "ihrem" Captain. (Bild: Melanie Duchene)

Auch die ZSC-Fans widmeten sich am Freitagabend mit Transparenten "ihrem" Captain. (Bild: Melanie Duchene)