Tränen zum Ende des «Ochsen»

Flawil verliert ein Traditionslokal: Das Restaurant Ochsen schliesst am Samstag. Bereits heute findet die Ustrinkete statt. Die Wiler Zeitung sprach mit Wirtin Doris Vogt über die Gründe, über unwahre Gerüchte und ihre Zukunftspläne.

Mario Fuchs
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Doris Vogt kann im «Ochsen» nicht mehr wirten, weil das Gebäude verkauft wird. «Es hat mir hier immer sehr gefallen», sagt sie. (Bild: mf.)

Doris Vogt kann im «Ochsen» nicht mehr wirten, weil das Gebäude verkauft wird. «Es hat mir hier immer sehr gefallen», sagt sie. (Bild: mf.)

FLAWIL. Der «Ochsen» ist anders. Das weiss zumindest jeder Gast, der einmal das Menu Nummer fünf bestellte. Denn: Auf der Tageskarte, die täglich währschafte Gerichte zu günstigem Preis führte, stand es nie – zwischen 4 und 6 fehlte eine Ziffer. Wer das legendäre «Füfi» mutig orderte und der Wirtin Doris Vogt nicht bekannt war, musste schon mal mit einem kritischen Blick rechnen: «Sie wissen, was das ist?» Der Ochsen ist anders: Es gibt keinen Jahreshit, sondern «s'Füfi» – Pommes Frites mit Fleischkäse und Spiegelei.

Geld für nötigen Umbau fehlt

«Der Ochsen war anders», wird es ab Samstag heissen. Dann kocht Doris Vogt zum letzten Mal im Restaurant neben der «Metzgerei zum Ochsen» – ein Stammgast feiert Geburtstag. «Es stimmt, wir schliessen. Definitiv.»

Die kecke Wirtin, im Umgang mit dem Kochlöffel kreativ und in jenem mit den Gästen so familiär wie ehrlich, war der Grund, warum das Traditionshaus «Ochsen» in den vergangenen fast zehn Jahren Kultstatus erlangte. Das Ende kommt, weil die Besitzerin der Liegenschaft, die Metzgerfamilie Raphael und Monika Dürr, das Gebäude zum Verkauf ausgeschrieben hat. Das altehrwürdige Haus liegt an der St. Gallerstrasse, charmant zurückversetzt gelegen, zwischen Möbel Brenner und Dessous-Egge. «Wir konnten zwar immer gut überleben, aber für den jetzt nötigen Umbau fehlt uns das Geld», sagt Monika Dürr. So habe man sich für den Verkauf entschieden und Doris Vogt den Vertrag per Ende März gekündigt.

Der Wirtin war es finanziell ähnlich ergangen. «Ich war immer ebenaus, konnte alle Kosten decken und mein Personal immer bezahlen. Aber viel verdient habe ich nicht.» Den fünf Mitarbeitenden in Küche und Service musste sie nun kündigen. Noch haben nicht alle eine neue Stelle gefunden – so auch Doris Vogt nicht. «Wer eine kreative Köchin in Flawil sucht, kann mich anrufen.» In Flawil deshalb, weil der Bernerin das Dorf und ihre Stammgäste ans Herz gewachsen sind. «Ich könnte alle mitnehmen», sagt sie. Gestern Mittag gab es bereits erste Abschiedstränen – auf beiden Seiten. «Das wird hart an der Ustrinkete.»

Metzgerei bleibt vorläufig offen

Das Metzgereigeschäft bleibt vorläufig bestehen. Für die Übergangsfrist bis zum Verkauf des Hauses suche man aber keinen neuen Pächter für das Restaurant, erklärt Monika Dürr. «Feste mit einem Catering von uns sind aber weiterhin möglich». Man sei in der Region auf der Suche nach einem neuen Standort für die Metzgerei.

Das letzte Menu wird heute Abend sein, eines, das noch nie auf der gutbürgerlichen Karte stand: ein thailändisches Buffet. «Das ist mein Gag zum Abschluss. Unsere Putzfrau ist Thailänderin, sie wird für uns kochen», erzählt Doris Vogt. Im Mai soll schliesslich ein Räumungsverkauf für das Inventar – etwa Kochgeschirr, Maschinen oder Mobiliar – folgen. Was danach mit dem «Ochsen» passiert, bleibt vorerst offen.

Eine Saison auf die Alp

Immer wieder waren in den letzten Jahren Gerüchte aufgekommen, das Lokal mache dicht. Zuletzt an der diesjährigen Flawiler Fasnacht, als «Chratzbörschte»-Laudator Erwin Casanova meinte: «Flowil hät jo öppe en Spunte. Me cha go trinke, esse oder rauche en Stumpe. Doch ei Beiz macht viel vo sich z'rede! Sind die Grücht denn wörkli z'hebe? Da weiss ebe niemerd so gnau. Au us de Beizeri werdet mer nöd schlau. Wenn isch denn endli Schluss, sött i de Ziitig stoh! Mer wöret nämlich au gern a d'Ustrinkete cho. Bliebt's offe? Oder werd's jetzt gschlosse? Sägs üs doch entli, Doris vom Ochse!»

«An den Gerüchten war nie etwas dran», sagt Doris Vogt. Sie lacht und sagt, sie habe selbst immer gestaunt, was da alles herumgeboten wurde. «Nur eines stimmt: Ich möchte gerne für eine Saison auf die Alp, um käsen zu lernen.» Heuer werde daraus leider nichts mehr, aber für 2014 habe sie sich die Verwirklichung ihres Traums vorgenommen.

Ustrinkete: heute Do, 28. März, ab 18 Uhr, mit gratis Thai-Buffet

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