Tradition statt Religion: So feiern die Wiler Schulen Weihnachten

Die Wiler Schulen stimmen sich auf die Festtage ein. Nur: In vielen Primarklassen gibt es immer mehr Kinder, die aus kulturellen oder religiösen Gründen gar nichts mit Weihnachten zu tun haben. Ein Konfliktpotenzial?

Nicola Ryser
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Es weihnachtet sehr: Dieser Adventskalender hängt in einem Klassenzimmer der Schule Rossrüti. Bild: Nicola Ryser

Es weihnachtet sehr: Dieser Adventskalender hängt in einem Klassenzimmer der Schule Rossrüti. Bild: Nicola Ryser

Die Fenster sind mit farbenfrohen Sternen geschmückt, die Wichtelgeschenke werden während der Pause heimlich dem Banknachbarn unter das Pult geschmuggelt und von der Decke herunter hängt ein Adventskalender mit Samichläusen und den Zahlen 1 bis 24. An den Wiler Schulen ist Weihnachten eingekehrt.

Was jedoch in unseren Breitengraden eine uralte Tradition darstellt, ist für Schüler, welche nicht aus der Schweiz stammen, ein fremdes Fest, ob aus kulturellen oder religiösen Gründen. In den vergangenen Jahren ist der Ausländeranteil an den örtlichen Schulen gestiegen. Heisst: Immer mehr Schüler werden mit einem Festtag konfrontiert, der in der eigenen Familie kein Brauch ist und nicht gefeiert wird. Da stellt man sich die Frage: Ist Weihnachten an den Schulen noch zeitgemäss? Entsteht dadurch nicht ein gewisses Konfliktpotenzial? Zwei Einblicke in Wiler Primarschulen geben Aufschluss.

Schule Matt: Gemeinsam singen und feiern

«Weihnachten ist keineswegs mit Konflikten verknüpft. Es gehört einfach in die Schweizer Schulen», sagt Renate Günter von der Schule Matt. Laut der Unterstufenlehrerin zelebriert das Schulhaus das Fest auf unterschiedliche Weise: «Wir haben einen grossen gemeinsamen Adventskranz zusammengestellt, die Zimmer sind dekoriert und jede Klasse verfolgt ein individuelles Weihnachtsprogramm, ob mit einem Adventskalender oder Wichteln.»

Günter singt täglich mit ihrer zweiten Klasse Adventslieder – obwohl die Hälfte der Kinder muslimisch sind. Das mache jedoch keinen Unterschied: «Auch diese Kinder kennen Weihnachten und deren Bedeutung. Religion steht hier nicht im Vordergrund. Es geht darum, dass man zusammen feiert. Sie haben genauso Freude, wenn beispielsweise der Samichlaus auf Besuch kommt.»

Dieser Gemeinschaftsgedanke werde beim gemeinsamen Adventssingen mit der ganzen Schule noch gestärkt. Günter ist Teil der Arbeitsgruppe, welche das heute stattfindende Singen organisiert. «Die ganze Schule kommt zusammen, die Klassen werden durchmischt und treten gemeinsam auf. Dann ist die Aula voll mit Kindern, die Weihnachten feiern», erklärt Günter. Passend das Motto dazu: Miteinander und füreinander.

Schule Rossrüti: Begegnung mit dem Dorf

Ein ähnliches Bild präsentiert sich an der Primarschule in Rossrüti. Bereits im Eingangsbereich klebt ein aus Sternen konstruierter Weihnachtsbaum an der Wand, in den Schulzimmern hängen Schneeflocken herunter und vor den Wandtafeln stehen üppige Adventskränze. «Weihnachten ist ein fester Bestandteil in unserer Jahresplanung», sagt Schulleiter Franz Brühlmann. Für jedes Jahr hätten sie ein Thema für den Advent vorbereitet, heuer ist das Motto «Begegnungen». «Am Weihnachtsmarkt Rossrüti haben wir einen Bastelstand organisiert und Lieder gesungen. Wir sind dadurch mit dem Dorf in Begegnung gekommen», erklärt Brühlmann.

Religion oder christliche Motive stehen bei solchen Aktionen nicht im Zentrum. «Wir haben zwar einige Kinder, die einen anderen religiösen Hintergrund als das Christentum haben. Dabei entstehen aber keine Reibungspunkte.» Man spreche gemeinsam in der ganzen Klasse mit diesen Schülern, frage sie, was sie während Weihnachtsferien machen. «So wird Verständnis aufgebaut und die Kinder lernen, mit verschiedenen Religionen umzugehen», sagt Brühlmann.

Auch die Eltern stehen hinter dem Weihnachtsprogramm, das die Schule organisiert, und freuen sich, wenn sie ihre Kinder beim Liedersingen sehen. Beschwert hat sich laut Brühlmann niemand. Aus gutem Grund: «Über allem steht der gemeinschaftliche Aspekt. Es ist nun mal eine besondere Zeit für die Kinder.»