«Tour de Farce» in der Wiler Tonhalle: Turbulente, rasante Komödie

Im Stück «Tour de Farce» gibt es Kostümwechsel in Sekundenschnelle, dem Publikum in der Tonhalle gefiel’s.

Christoph Heer
Hören
Drucken
Teilen
Im Stück «Tour de Farce» schlüpfen die Schauspieler Tim Grobe und Caroline Kiesewetter in Sekundenschnelle in neue Rollen und Kostüme.

Im Stück «Tour de Farce» schlüpfen die Schauspieler Tim Grobe und Caroline Kiesewetter in Sekundenschnelle in neue Rollen und Kostüme.

Bild: Christoph Heer

Angekündigt wurde im Vorfeld des Tonhalle-Programms eine «turbulente Hotelzimmer-Komödie» der Hamburger Kammerspiele. Caroline Kiesewetter und Tim Grobe sollen den Zuschauern ein Vergnügen herzaubern, während es für die beiden selbst eine richtig grosse Herausforderung werden wird. Ausserdem wurde den Theaterliebhabern angekündigt, dass die zwei einen Kostümwechsel im Sekundentakt hinlegen werden, denn insgesamt spielten sie sechs Frauen- und vier Männerfiguren. Nicht möglich denkt man? Irrtum.

Von Beginn an geht es Schlag auf Schlag. Die Konzentration sollte dabei nicht nur auf Seiten der beiden Schauspieler hoch sein. Denn bis sich der Zuschauer auf die einzelnen Rollen manifestiert hat, vergeht doch einige Zeit, fast zu schnell finden die Rollentausche statt. Für Theaterkenner jedoch kein Problem, die können geniessen, von Beginn an.

Verwirrungen und Verwechslungen

Der Literat Herb und seine Gattin Rebecca checken im Hotel einer namenlosen amerikanischen Kleinstadt ein. Sie befinden sich auf Promotionstour für sein Buch «Ehe währt für immer». Dass über die zehnjährige Arbeit an dem Bestseller seine eigene Beziehung den Bach runtergegangen ist, darf die Öffentlichkeit natürlich nicht wissen. Seine Frau, die cholerische Rebecca, wahrt den schönen Schein lediglich aus Tantieme-Gründen. Das ahnt die sensationslüsterne Boulevardreporterin Pam Blair und postiert sich, zusammen mit ihrem schwedischen Kameramann Gunnar, im Wandschrank, um die Lebenslüge des Autors zu enthüllen.

Als dann kurz darauf noch der korrupte Senator Grant Ryan, Rebeccas Jugendliebe, die Nachbarsuite bezieht, um sich mit seiner Geliebten zu treffen, scheint das Chaos perfekt; eine kleine Zauberei überrascht dann vollends. Diese sprichwörtlich völlig verrückte Komödie gipfelt wiederkehrend im Hochgenuss. Staunend und mit grossen Augen nimmt das Publikum die unglaublich rasanten Kostümwechsel wahr. In der Hitze des Gefechts versteckt sich Tim Grobe unter dem Bett in seinem Hotelzimmer; nur, um dann wenige Sekunden später auf der gegenüberliegenden Seite des Bühnenbildes – natürlich bereits wieder als eine andere Figur – wieder aufzutauchen.

Eine Prise Erotik darf natürlich ebenso wenig fehlen. Während Gunnar, der Kameramann, zwischendurch mit einer Reportage über das Innere eines Wandschranks beschäftigt ist, tauchen bekloppte Nonnen und betrunkene Senatoren auf. Theaterherz, was willst du mehr?

Bestnoten, nicht nur für die Schauspielerei

Wenn sich an diesem Samstagabend jemand Bestnoten verdient hat, dann in erster Linie die beiden Schauspieler. Was sie in Mimik, Akustik und Bühnenpräsenz an den Tag legten, sucht seinesgleichen – echte Profis eben. Aber auch das Publikum, im nicht ganz gefüllten Saal der Wiler Tonhalle, lässt sich mitnehmen, auf eine irrwitzige Reise, in welcher die Verwicklungs- und Verwechslungsspirale unaufhörlich weiterdreht. Und immer wieder sind es die Kostümwechsel in gefühlten Sekundenbruchteilen, die verblüffen und amüsieren.

Die Verantwortlichen der Tonhalle scheinen ein gutes Händchen zu haben. Denn auf eine solche Inszenierung hat das Publikum gewartet. Einer Besucherin aus Wil fiel es zunächst schwer, ein Fazit zu ziehen. «Ich bin hin und weg. Diese Rollenwechsel und die nahtlos aufeinanderfolgenden Pointen, das war Spitzenklasse.»