Totgesagtes zum Leben erweckt

FLAWIL. «Reparieren statt wegwerfen» lautet die Idee hinter dem Reparatur-Café Reparatutti des Flawiler B'treffs. Profis reparieren defekte Geräte oder leiten dazu an. Am ersten Reparaturtag gaben sich die Kunden die Klinke in die Hand.

Andrea Häusler
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Konnten das alte Tonbandgerät auch nicht mehr retten: Paul Stillhart und Walter Salis. Offenbar hatte der Keilriemen das Zeitliche gesegnet. (Bilder: Andrea Häusler)

Konnten das alte Tonbandgerät auch nicht mehr retten: Paul Stillhart und Walter Salis. Offenbar hatte der Keilriemen das Zeitliche gesegnet. (Bilder: Andrea Häusler)

Walter Salis ist im Stress. Dabei ist es erst kurz vor halb zehn Uhr vormittags. «Das ist schon der vierte Kunde mit einem defekten elektrischen Gerät», sagt er, während er ein Radio vor sich auf den Tisch legt und das Kassettenfach öffnet. Beim Abspielen sei ein Rauschen auszumachen: der Test mit der Jörg-Schneider-Kasperlikassette aus dem Fundus des B'treffs bestätigt dies. Nun ist guter Rat oder besser handwerkliches Geschick vonnöten. Dass es für das über 50jährige Tonbandgerät von Sony keine Rettung mehr gibt, darin sind sich Paul Stillhart und Walter Salis nach einigem Demontieren, Studieren und Diskutieren einig. Es ist der Keilriemen. Ersatzteile gibt es längst nicht mehr: Elektroschrott.

Die Fäden verhedderten sich: Ein Fall für Walter Sättele.

Die Fäden verhedderten sich: Ein Fall für Walter Sättele.

Nähmaschine rattert wieder

Die Bernina Record 530, ein Erbstück aus dem grossmütterlichen Haushalt einer Kundin, rattert dagegen bereits nach wenigen fachmännischen Handgriffen wieder zufrieden vor sich hin. Es sei auch nur die Feder der Spulenkapsel verbogen gewesen, sagt Walter Sättele, der lange Zeit beruflich Nähmaschinen repariert hatte. Die Kundin ist glücklich, will nun noch den lädierten Maschinenkoffer flicken lassen. Beim Schuster – einen solchen gibt's im Reparatutti (noch) nicht. Dafür mit Ruth Ruby eine Schneiderin, die der Damenwelt mit Tips und Kniffen zur Seite steht, die Arbeiten aber nicht ausführt. «Sonst könnte ich gleich ein Schneideratelier eröffnen», sagt sie und widmet sich wieder dem defekten Reissverschluss beziehungsweise der Anleitung zum Erneuern.

Walter Müller (rechts) stellte spontan seine Hilfskraft zur Verfügung und wurde auch sogleich eingespannt.

Walter Müller (rechts) stellte spontan seine Hilfskraft zur Verfügung und wurde auch sogleich eingespannt.

Profiteam spontan ergänzt

Während die Experten die Köpfe zusammenstecken oder über kaputten Geräten brüten, drängt sich im Foyer die Kundschaft. Am Tisch haben B'treff-Gäste und Reparatutti-Kunden zusammengefunden. Es gibt Kaffee und Gebäck. Unter ihnen ist auch Radio- und TV-Mechaniker Walter Müller. Er hätte Lust, im Profiteam mitzuwirken – irgendwann. So lange bleibt ihm jedoch nicht Zeit. Auch ohne Namensschild und Blaumann muss er ran – unverzüglich. Im Trubel hat B'treff-Stellenleiterin Andrea lo Presti vergessen, das Spendenkässeli aufzubauen. Das holt sie nun nach. Zwar sind die Reparaturen gratis, doch werden freiwillige Batzen gern entgegengenommen. Vom Erfolg der Premiere ist sie selber überrumpelt worden. Stereoanlagen, Radios, Satellitenempfänger, Milchschäumer, Mixer, Staubsauger und Velos seien hergeschafft worden, Pullis zum Flicken oder Hosen zum Kürzen. Entsprechend freut sie sich auf den 21. November. Dann sind die Türen des Reparatutti wieder von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

Lorenzo Padeste bringt die Bremsen auf Vordermann.

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