Tonnenschwer und doch filigran

Mit seiner Wiler Inszenierung ist der österreichische Künstler Markus F. Strieder auf der Suche nach jenem Moment, wo seine Stahlplastiken ihre Form zu verlieren scheinen.

Christoph Oklé
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Mit der Ausstellung in der Kunsthalle Wil präsentiert Markus F. Strieder seine Werke erstmals in der Schweiz. (Bild: Christoph Oklé)

Mit der Ausstellung in der Kunsthalle Wil präsentiert Markus F. Strieder seine Werke erstmals in der Schweiz. (Bild: Christoph Oklé)

WIL. Roheit wird zu Eleganz, auf kaum auszuhaltenden Lärm in der Kreation folgt meditative Stille. In der Präsentation – in den Stahlplastiken des österreichischen Bildhauers Markus F. Strieder scheinen die monotonen Hammerschläge im Eisenwerk, die gewaltige, gebündelte Energie und die kaum vorstellbar hohen Temperaturen eingefangen zu sein und dezent nachzuhallen. Die Werke – ob gross oder klein – strahlen Ruhe und Monumentalität aus; sie rühren an und erinnern in ihrer Absolutheit an den Ursprung allen Seins. Im offenen Vorraum – der Loggia – empfängt Strickers «Landschaft, dahinter» die Besucherinnen und Besucher. Die 2600 Kilogramm schwere Plastik besticht durch ihre Ausgewogenheit und verdeutlicht des Künstlers geübtes Auge für Proportionen. Das Werk besteht aus vier einzelnen Stahlstücken, die über- und nebeneinander geschichtet sind.

Ruhe und Monumentalität

Mit der Ausstellung in der Kunsthalle Wil präsentiert Markus F. Strieder seine Werke erstmals in der Schweiz. Strieders künstlerischer Ansatz ist unverwechselbar. Seine Stahlplastiken, ob es sich nun um grossformatige tonnenschwere Skulpturen oder um filigrane Arbeiten handelt, entstehen immer durch seine Beschäftigung mit dem Stahl in der Schmiede.

Gerade wegen ihrer Roheit strahlt die Stahlplastik mit ihren über- und nebeneinander geschichteten Elementen Ruhe und Monumentalität aus. Daneben sind andererseits Objekte zu sehen, ebenfalls aus Stahl geschaffen, die jedoch durch ihre Form leicht (die sogenannten Toupies) und filigran (die Stahllinien) wirken. Allen Objekten gemein sind aber ihre harmonische Gestalt und ihre originäre Machart. Das Schmieden in einer Freiformschmiede, wie Markus F. Strieder sie betreibt, was in der zeitgenössischen Bildhauerei nicht sehr verbreitet ist, liess ihn seine eigene charakteristische Ausdrucksweise finden.

Bereichern, ohne zu dominieren

Seit seiner Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart Mitte der 80er-Jahre beschäftigt sich Markus F. Strieder mit dem Schmieden von Stahl, und zwar im ursprünglichen Sinne: Seine Objekte werden entweder gewalzt oder frei mit einem Hammer bearbeitet. Andere Techniken wie Giessen, Schweissen oder eine Zuhilfenahme von Gips- oder Wachsmodellen lehnt der Künstler ab.

Für seine Präsentation in der Kunsthalle Wil wählte Strieder Werke, die sein Schaffen der vergangenen Jahre exemplarisch verkörpern. Zugleich zeigt die Wiler Inszenierung die intensive Auseinandersetzung des Künstlers mit den Ausstellungsräumen: Immer ist er auf der Suche nach jenem Moment, wo seine Stahlplastiken ihre Form zu verlieren scheinen, indem sie sich in den Raum integrieren, diesen durch ihre Präsenz bereichern, ohne ihn jedoch zu dominieren.

Markus F. Strieder Bildender Künstler (Bild: unknown)

Markus F. Strieder Bildender Künstler (Bild: unknown)

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