Toggenburg
Die Kirchberger feiern ihr Wunder: Deshalb ist die Kreuzerhöhung nur in diesem Dorf ein so bedeutender Feiertag

Im 17. Jahrhundert hat sich das Kreuz in der Kirchberger Kirche wie von Geisterhand bewegt. Aufgrund dieses Wunders bleiben bis heute jeweils am 14. September die Schule und die Gemeindeverwaltung geschlossen.

Felicitas Markoff
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Während der Pfarrer sprach, soll sich das Kreuz bewegt haben.

Während der Pfarrer sprach, soll sich das Kreuz bewegt haben.

Bild: Beat Lanzendorfer

Während für die meisten Menschen der normale Alltag herrscht, ist der heutige Tag ein besonderer für Kirchbergerinnen und Kirchberger: Das Dorf feiert am 14. September den «Heilig-Kreuz-Tag». An diesem kirchlichen Feiertag bleibt die Eingangstüre der Gemeindeverwaltung geschlossen, Schulkinder aus dem Dorf haben frei und auch der Dorfladen bleibt ausnahmsweise zu. Spannend ist vor allem die Geschichte, die hinter diesem Feiertag steckt.

Die Kreuzerhöhung ist eigentlich auf der ganzen Welt Teil des Kirchenjahrs der römisch-katholischen Kirche. Das Fest hat seinen Ursprung in der Einweihung der Kreuzeskirche über dem Heiligen Grab in Jerusalem am 13. September 335. Der Überlieferung nach wurde das Kreuzesholz einen Tag später, am 14. September, den Gläubigen zum ersten Mal gezeigt. Doch seit dem 17. Jahrhundert hat das Fest für die Pfarrkirche Kirchberg und die Gläubigen der Region eine besondere Bedeutung. Dies schreibt die Pfarrei Kirchberg auf ihrer Website.

Bischöfliche Kommission untersuchte das Wunder

Gemäss verschiedener Quellen soll sich am 3. Adventssonntag im Jahr 1685 ein Wunder ereignet haben, das in die Geschichte eingegangen ist: Während Pfarrer Johann Schenkle in Kirchberg eine ausführliche Predigt hielt, sollen mehrere Dutzend Kirchgänger gesehen haben, wie sich das Kreuz, das mit drei Nägeln befestigt war, wie von Geisterhand von der Mauer wegbewegt hat. In einer Überlieferung heisst es:

«Das Kreuz hat sich hin und her bewegt, bevor es wieder an seinen Platz zurückgekehrt ist.»

Der damalige Pfarrer Schenkle habe davon nichts mitbekommen. Ihm sei lediglich aufgefallen, wie die Kirchgänger nervös geworden und schliesslich aufgestanden seien. Aufgrund der Aufregung um das angebliche Wunder hat eine bischöfliche Kommission nach dem Ereignis mehrere Zeugen befragt, um herauszufinden, was es mit dem sich bewegenden Kreuz auf sich hat. Die Beschreibungen des Wunders wurden als glaubwürdig eingestuft.

Im 1985 erschienenen Buch «Das Heiligkreuzwunder von Kirchberg SG – 16. Dezember 1685» von Toni Schönenberger wird von mehr als 50 Heilungen berichtet, die sich im ersten Jahr nach dem Wunder in der Kirchberger Kirche ereignet haben sollen. Die Pilgerströme machten Kirchberg zu einem Wallfahrtsort. Erst Ende des 18. Jahrhunderts verstummten die Berichte über angebliche Wunderkräfte des Kirchberger Kreuzes. Das Ereignis wird im Dorf jedoch bis heute gefeiert – allerdings nicht am Jahrestag selbst, sondern eben am Fest der Kreuzerhöhung Mitte September.

Zapfenstreich kündigt Feiertag an

Vor drei Jahren jährte sich das sogenannte Kreuzwunder zum 333. Mal. Damals gestaltete sogar Bischof Markus Büchel einen Teil des Gottesdienstes in der Kirche, in der noch immer das originale Kreuz hängt, das sich im 17. Jahrhundert bewegt haben soll. Es stammt aus dem 14. Jahrhundert, wie anlässlich des Jubiläums der damalige Präsident des Pfarreirates gegenüber dieser Zeitung sagte.

Traditionsgemäss wurde auch in diesem Jahr der Heilig-Kreuz-Tag bereits am Abend des 13. September mit dem Zapfenstreich vorangekündigt. Heute veranstaltet die Pfarrei in Kirchberg ab 9.30 Uhr einen Festgottesdienst. Pfarrer Erwin Keller ist Hauptzelebrant und Festprediger. Der Cäcilienchor gestaltet den Gottesdienst musikalisch mit.

In dieser Kirche in Kirchberg hängt das Kreuz bis heute.

In dieser Kirche in Kirchberg hängt das Kreuz bis heute.

Bild: Beat Lanzendorfer

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